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Stolpersteine Konstanz

Navigation: Steine nach Strassen

Kanzleistr. 7, Emma WIPPLER

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Geboren: 05.06.1882

Eingewiesen: 27. 06.1940, 'Heilanstalt' Grafeneck

Ermordet: 27.06.1940

"T4-Aktion"

 
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Kanzleistr. 7 heute
(November 2012)

Foto: W. Mikuteit

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Stolperstein f√ľr Emma Wippler
verlegt am 17.03.2008

 

Emma Wippler, geb. Schweizer, wurde mit 58 Jahren ermordet. Sie war sechsfache Mutter. Emma Wippler wurde am 5. Juni 1882 in Rehetobel, einem kleinen Ort bei St. Gallen, geboren und erlernte den Beruf der Näherin. Im Alter von 30 Jahren heiratete sie Eugen Wippler am 19. Oktober 1912 in Basel.

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Emma Wippler

Foto: Privatarchiv Didra

 

Heinrich, das erste Kind, wurde 1914 im ersten Kriegsjahr des 1.¬†Weltkriegs geboren. Der S√§ugling starb aber bereits nach wenigen Wochen. Aus der Ehe gingen dann, von 1918 bis 1926, weitere f√ľnf Kinder hervor.

Die Familie lebte in einfachen Verh√§ltnissen. Den erlernten Beruf als K√ľfer konnte ihr Mann nach der Heimkehr aus dem 1. Weltkrieg nicht mehr aus√ľben. Er gr√ľndete eine kleine Milchhandlung.

Die grösser werdende Familie wohnte zuerst in der Hussenstr. 14, dann in der Hussenstr. 48 und danach in der Kanzleistr. 7, im 2. Obergeschoss.

In diesen anstrengenden und kr√§ftezehrenden Jahren erkrankte Emma Wippler psychisch, wurde schwerm√ľtig, vom Alltag immer mehr √ľberfordert. Ab dem 27. Juli 1929 war sie elf Jahre lang Patientin in der Heil- und Pflegeanstalt Reichenau.

Ihre 5 Kinder, im Alter zwischen 3 und 11 Jahren, hatten pl√∂tzlich ihre Mutter verloren. Die Familie bezog in der Alemannenstrasse eine Wohnung im sog. Hindenburg-Block, eine Haush√§lterin versorgte die Kinder. Die Mutter ersetzen konnte sie jedoch nicht. Die Kinder konnten nat√ľrlich nicht begreifen, warum ihre Mutter fort war und litten sehr unter der Trennung. Es blieben nur die sonnt√§glichen Besuche. Die j√ľngste Tochter wurde von der Schwester von Eugen Wippler in Frankreich adoptiert.

Sieben Jahre nach der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten wurde Emma Wippler wie Tausende andere als psychisch Erkrankte erfasst und geriet dadurch in die anlaufende Todes­maschinerie des sogenannten Euthanasie-Pro­gramms.

Am 20.¬†Juli¬†1940 erhielt ihr Mann ein Schreiben, wonach seine Frau nach Hartheim bei Linz h√§tte verlegt werden m√ľssen, wo sie am 19. Juli an einer Magenblutung verstorben sei.

Zitat: "All unsere √§rztlichen Bem√ľhungen hatten leider keinen Erfolg mehr ..... um einer m√∂glichen Seuchengefahr, die jetzt w√§hrend des Krieges besonders gross ist, vorzubeugen, musste die Verstorbene ... sofort einge√§schert werden."

 

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Am 26. Juli 1940 bittet der Ehemann von Emma WIPPLER um die Zusendung der Urne und fragt nach den genauen Todesumständen seiner Frau

Bildquelle: Privatarchiv Didra

 

 

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Antwortschreiben an den Ehemann von Emma WIPPLER
vom 02.08.1940

Bildquelle: Privatarchiv Didra

 

All diese Angaben sind erlogen, frei erfunden, blanker Zynismus.

Tatsache ist: Emma Wippler starb nicht in Hartheim und sie starb an keiner Krankheit. Sie wurde bereits 3 Wochen, bevor ihr Ehemann die Todesnachricht erhielt ermordet. Man findet ihren Namen unter Nr. 64, von insgesamt 75 Frauen, auf der Transportliste von der Reichenau zur Tötungsanstalt auf der schwäbischen Alb.

Emma Wippler wurde am Vormittag des 27. Juni 1940 in einem der grauen Busse mit weissget√ľnchten Fenstern abgeholt und wenige Stunden sp√§ter in Grafeneck vergast und einge√§schert.

 

 

Recherche: Roland Didra

Patenschaft: Elisabeth Didra

"H√ĖRSTOLPERSTEIN"
des SWR2

f√ľr Emma WIPPLER

Weitere Informationen und Bilder HIER

Quellen:

Staatsarchiv Freiburg,  Findbuch 822/3 Heil- und Pflegeanstalt Konstanz-Reichenau, Nr. 290  

Stadtarchiv Konstanz, Einwohnermeldekarten vor 1945

Privatarchiv Didra