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Stolpersteine Konstanz

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Termine - Veranstaltungen

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aktualisiert: 16. Mai 2024

Anfragen: info@stolpersteine-konstanz.de

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Nächster Treff der Stolperstein-Initiative:
Mittwoch, 17. Juli 2024,
19:30 Uhr
Volkshochschule Konstanz
Katzgasse 7, 78462 Konstanz

"Neue" stets willkommen !

 

nächste Stolperstein-Verlegungen
Sonntag, 19. Mai, 2024
10.00 - 15.10 Uhr
Details hier

Sonntag, 19. Mai, 2024
10:00 - 15:10 Uhr

Verlegung von 17 neuen Stolpersteinen

und einer "Stolperschwelle"
zum Gedenken an Opfer des Naziterrors

Details und Zeitplan

Dienstag, 21.05.2024
19:30 Uhr

 
Wolkensteinsaal,
Kulturzentrum am Münster
Wessenbergstr, 41/43
78462 Konstanz

Offizielle Übergabe der Stolpersteine und
der Stolperschwelle
an die Stadt Konstanz

Anschliessend:

Lesung aus dem Gedenkbuch
für die Konstanzer Opfer
von NS-Zwangssterilisation
und „Euthanasie“-Verbrechen
1934–1945.

Die Ensemblemitglieder Ingo Biermann, Jonas Pätzold, Lilian Prent des Theater Konstanz lesen
ausgewählte Texte und Biografien.

Weit über dreihundert Konstanzerinnen und Konstanzer — Frauen und Männer, Jugend- liche und Kinder — wurden zwischen 1934 und 1945 Opfer von Zwangssterilisationen und „Euthanasie“-Morden. Weil sie die Fürsorgekassen belasteten, nicht den vermeintlich nötigen Bildungsstand aufwiesen, weil sie krank waren oder von der im National- sozialismus geltenden sozialen oder ideologischen Norm abwichen. Es konnte alle treffen in einem System, das den Wert eines Menschen anhand seiner volkswirtschaftlichen Leistungsfähigkeit und seiner „erbbiolo gischen Qualität“ bemaß.

Das Gedenkbuch beleuchtet dieses bislang vernachlässigte Kapitel der Stadtgeschichte, skizziert die historischen Hintergründe und benennt Akteure. Im Mittelpunkt aber stehen die Konstanzerinnen und Konstanzer, die zwangssterilisiert oder als „lebensunwert“ ermordet wurden. Die Autorin Sabine Bade und der Autor Roland Didra möchten diese in das kollektive Gedächtnis der Stadt Konstanz zurückholen.

Sonntag, 2. Juni 2024
15:00 Uhr

ab  Münsterplatz / Brunnen

Führung zu Stolpersteinen
für Zwangssterilisierte und für Opfer der „Euthanasie“
(Roland Didra)

Im Mittelpunkt der Führung stehen die Schicksale der Zwangssterilisierten und der NS-„Euthanasiemorde“ in Grafeneck und die Details der Planung und Durchführung der Verbrechen bzw. des Massenmords. In Konstanz gibt es mittlerweile über 30 Stolpersteine für diese Opfergruppen. Bei dem Rundgang werden einige Verlegestellen in Konstanz aufgesucht und an die Schicksale der Kinder und Erwachsenen erinnert.

Die etwa 90-minütige Führung findetbei jedem Wetter statt.

Treffpunkt: Münsterplatz | Brunnen

Mittwoch, 5. Juni 2024
18:00 Uhr

ab  Rathaus,
Kanzleistr. 13/15

Rundgang:
Jüdisches Leben in Konstanz
vor und während der NS-Zeit
(Petra Quintini)

Anhand ausgewählter Lebensgeschichten Konstanzer Juden und Jüdinnen erzählt dieser Stadtrundgang von der Vielfalt, aber auch von der Zerstörung der jüdischen Gemeinde in Konstanz während der NS-Zeit. Dabei werden nicht nur Stolpersteine, sondern auch andere Orte in der Innenstadt aufgesucht, die eine besondere Geschichte haben.

Die etwa 90-minütige Führung findet bei jedem Wetter statt.

Treffpunkt: Rathaus, Kanzleistr. 13/15

Mittwoch, 12. Juni 2024
18:00 Uhr

ab  Gedenkobelisk, Sigismundstr.,
hinter der Dreifaltigkeitskirche

Führung:
Zu Stolpersteinen in der Konstanzer Altstadtt
(Dr. Uwe Brügmann)

 

Bei dem Rundgang durch die Konstanzer Innenstadt werden ausgewählte Biografien von Opfern des nationalsozialistischen Terrors – Juden, Eugenik-Opfer, Homosexuelle, politische Opfer und Zeugen Jehovas – ausführlich und exemplarisch vorgestellt.

Die etwa 90-minütige Führung findet bei jedem Wetter statt.

Treffpunkt: Gedenk-Obelisk hinter der Dreifaltigkeitskirche

 

Sonntag, 19. Mai 2024, 10.00 - 15.10
Verlegung neuer Stolpersteine

Uhrzeit

Stolperstein für:

Ort

10.00

Franz GREIS (politisch) Kurzbiografie Franz Greis wurde am 11.06.1905 in Wollmatingen geboren.
Seine Eltern waren Franz Greis, Kriminalinspektor und Brunnen -
wart, und Rosine, geb. Müller, aus Neuhausen bei Tuttlingen.
Franz Greis hatte drei Brüder: Ernst, Otto und Artur, von denen
Artur und Otto im Zweiten Weltkrieg gefallen sind. Von Beruf
war Franz Greis Schlosser. Er war Mitglied im Wollmatinger
Arbeiter-Turn- und Sportverein „Bahnfrei“. Franz Greis war
überzeugter Kommunist. Neben dem Schmuggel von poli-
tischen Schriften von Kreuzlingen nach Konstanz agierte er
als Verbindungsmann zu emigrierten Kommunisten in der
Schweiz. 1935 und 1936 vermittelte er auch Schulungen für
Konstanzer Kommunisten in Zürich und Winterthur. Dank sei-
ner Ortskenntnis verhalf er mehreren verfolgten Genossen von
der KPD und SPD zur Flucht in die Schweiz. Am 02.09.1939
flüchtete Franz Greis in die Schweiz. Seit Mitte Mai 1940 war
er in verschiedenen Arbeitslagern interniert, zuletzt in Gordola
im Tessin. Im Juni 1945 kehrte er nach Konstanz zurück.
Seit 1948 war er mit Emma, geb. Bohleder, aus Sand bei Kehl
verheiratet. Er hatte keine Kinder.
Franz Greis starb am 04.09.1993 in Konstanz und wurde auf
dem Wollmatinger Friedhof bestattet.

Fürstenbergstraße 72

10.25

Anna MAYER (politisch) Kurzbiografie Anna Mayer wurde am 22.04.1909 in Konstanz geboren.
Ihre Eltern waren Johann Mayer, von Beruf Zimmermann,
und Anna, geb. Wald. Sie besuchte die achtklassige Volksschule
in Konstanz und machte anschließend eine zweijährige Ausbil-
dung zur Köchin. Am 29.03.1939 wurde Anna Mayer wegen
„Ausspähung“ von der Gestapo verhaftet. Am 31.05.1940
wurde sie vom Volksgerichtshof Berlin des Landesverrats ange-
klagt, weil sie im September 1939 für einen gemeinsamen
Freund, der für Frankreich spionierte, einen belanglosen
Brief von Kreuzlingen nach Konstanz „geschmuggelt“ hatte.
„Schadenbringende Folgen für das Deutsche Reich sind aus ihrer
Handlungsweise nicht erwachsen“, so urteilte der Volksgerichtshof.
Dennoch wurde Anna Mayer zu drei Jahren Haft verurteilt,
die sie im Gefängnis Aichach bei Augsburg verbüßte.
Von der französischen Besatzungsmacht erhielt sie 1945 den
„Ehrenpass antifaschistischer Kämpfer“.
Anna Mayer starb am 12.01.1985 in Kreuzlingen.

Friedrichstraße 11

10.45

Sigmund WEIL (Jude) Kurzbiografie Sigmund Weil wurde am 02.03.1863 in Ellwangen geboren.
Er wurde katholisch getauft. Seine Eltern waren Leopold Weil
(1832-1913) und Hanna, geb. Neuburger, (1839-1915).
Das Ehepaar hatte acht Kinder, von denen drei im Holocaust
ermordet wurden. Sigmunds Vater Leopold Weil gründete die
„Jagstzeitung“ in Ellwangen. Sigmund Weil und sein Bruder
Albert leiteten von 1896 bis 1903 diese Zeitung und nach
dessen Verkauf auch die „Tübinger Chronik“. 1914 verließ
Sigmund Weil den Zeitungsverlag. Nach Aufenthalten in
Kopenhagen und Erfurt übersiedelte er 1927 nach Konstanz,
wo er Emma P. Schmidt heiratete. Seine Frau war Christin.
Das Ehepaar hatte keine Kinder. Im Oktober 1934 bezog das
Paar ein Haus im Dietrichweg 10, der 1936 in Beyerlestraße
umbenannt wurde. Im August 1940 musste er auf behördliche
Anweisung sein Haus verlassen und in ein „Judenhaus“ in der
Bodanstraße 25 ziehen. Da Sigmund Weil in einer „Mischehe“
lebte, wurde er im Oktober 1940 nicht nach Gurs deportiert,
wo viele Konstanzer Jüdinnen und Juden den Tod fanden.
Im September 1941 war er im jüdischen Gemeindehaus in
der Sigismundstraße 41 gemeldet, und als dieses „arisiert“
wurde, musste Sigmund Weil mit seiner Frau in eine kleine
städtische Wohnung in der Inselgasse 30, in das ehemalige
Militärl azarett, umziehen.
Am 01.02.1945, im Alter von 82 Jahren, setzte Sigmund Weil
seinem Leben mit Leuchtgas ein Ende.

Beyerlestraße 10

11.05

Berta GLÜCKLER (zwangssterilisiert) Kurzbiografie Berta Glückler wurde am 05.12.1906 in Konstanz geboren.
Sie war gehörlos. Vom 8. bis zum 16. Lebensjahr besuchte sie
die im Neuen Schloss in Meersburg untergebrachte Taubstum-
menanstalt, damals mit circa hundert Zöglingen nach Berlin,
Breslau und Dresden die viertgrößte Taubstummenanstalt
Deutschlands. Danach erlernte sie im Kloster Zoffingen das
Schneiderhandwerk und arbeitete dann über zehn Jahre
lang als Zuschneiderin in der Taschentuchfabrik Kleinber-
ger und Co. in Konstanz. Dies verhinderte allerdings nicht,
dass Dr. Hermann Sauter Berta Glückler am 17.01.1935 im
Rahmen des Vollzugs des „Gesetzes zur Verhütung erbkran-
ken Nachwuchses“ beim Konstanzer Gesundheitsamt wegen
Verlegung
19. MAI 2024
„erblicher Taubheit“ anzeigte. Wahrscheinlich wegen des
hohen Arbeitsaufkommens und der Flut der dort eingegan-
genen Anzeigen stieß seine Anzeige aber nicht sofort die
Einleitung eines Verfahrens am Erbgesundheitsgericht an.
Das änderte sich allerdings sofort, als der Gemeindepräsident
der schweizerischen Gemeinde Egnach den Amtsleiter darauf
aufmerksam machte, dass sich Berta Glückler mit einem dort
lebenden, ebenso gehörlosen jungen Schneider traf. Obwohl
aus dem amtsärztlichen Gutachten von Dr. Lampe hervorgeht,
dass Berta Glückler keinerlei Intelligenzdefizite aufwies, sie
gut von den Lippen ablesen konnte und auch einen ausrei-
chenden Wortschatz hatte, verfügte das Erbgesundheitsgericht
unter Vorsitz von Amtsgerichtsrat Dr. Heidlauff am 21.09.1936
ihre Unfruchtbarmachung. Die „Erblichkeit“ ihrer Gehörlosig-
keit wurde unter anderem damit begründet, dass ihre Mutter
nach dem Tod des Vaters Suizid begangen hatte. Die Zwangs-
sterilisierung führte Dr. Kurt Welsch, der Leiter der Konstanzer
Frauenklinik, am 31.10.1936 durch.
Berta Glückler starb am 25.12.1983 in Duisburg.

Inselgasse 15

11.25

Anna SCHMID ("Euthanasie") Kurzbiografie nna Schmid wurde am 16.10.1890 in Kreuzlingen in
der Schweiz geboren. Die Familie wohnte in Konstanz am
Stephans platz 9, wo ihr Vater eine Bäckerei betrieb.
Dort waren Anna und ihre beiden jüngeren Schwestern
beschäftigt. Am 03.09.1933 wurde sie Patientin in der Heil-
und Pflegeanstalt bei Konstanz. Damit war Anna Schmids
Schicksal besiegelt, da das Anfang 1933 an die Macht ge-
kommene NS-Regime bereits am 14.07.1933 das „Gesetz
zur Verhütung erbkranken Nachwuchses“ erlassen hatte.
Es trat am 01.01.1934 in Kraft.
Der Anstaltsleiter Dr. Kuhn stellte am 27.02.1934 den Antrag
auf Unfruchtbarmachung seiner Patientin wegen „Schizophre-
nie“. Am 14.05.1934 kam es vor dem Erbgesundheitsgericht
zur Verhandlung. Gegen ihren Willen wurde Anna Schmid am
17.07.1934 zwangssterilisiert und wurde am 28.07.1934 in
die Anstalt zurückgebracht.
Seit 1934 forderte Anna Schmid wiederholt ihre Entlassung,
musste aber dauerhaft in der Anstalt bleiben. Dort vermerkte
man am 27.06.1940 in ihrer Akte: „Verlegung nach Zwiefalten.“
Wahr ist, dass sie am 27.06.1940 in die Tötungsanstalt
Grafen eck „verlegt“ wurde, wo sie noch am selben Tag vergast
wurde.

Stephansplatz 9

11.45

Berta WEIL (Jüdin) Kurzbiografie Berta Weil wurde am 01.02.1872 in Schmieheim/Baden
geboren. Ihre Eltern waren David Casewitz und Babette, geb.
Schnurmann. Berta Casewitz heiratete am 20.10.1890 in
Konstanz den Kaufmann Max Weil aus Gailingen, der das
Textilgeschäft ihres 1917 verstorbenen Vaters an der Markt-
stätte 17 weiterführte. Das Ehepaar Weil hatte zwei Kinder:
Josef und Betty. Beide überlebten den Holocaust. Nach dem
Tod ihres Mannes 1932 führte ihr Sohn Josef das Geschäft
weiter. Nach dem reichsweiten Boykott jüdischer Geschäfte am
01.04.1933 verkaufte Josef Weil sein Geschäft im Dezember
1936 und emigrierte 1938 mit seiner Familie in die USA.
Berta Weil blieb in Konstanz zurück, weil sie ihre Heimatstadt
nicht verlassen wollte. Berta Weil wurde in ein „Judenhaus“
in der Bodanstraße 25 umquartiert. Am 22.10.1940 wurde
sie nach Gurs deportiert.
An den unmenschlichen Lebensbedingungen im Lager starben
im Winter 1940/41 Hunderte Häftlinge, darunter auch Berta
Weil. Im Totenschein für Berta Weil heißt es, dass sie am
09.12.1940 an „Herzversagen“ gestorben sei. Sie wurde auf
dem Friedhof des Lagers Gurs beerdigt.

Gitta WEIL (Jüdin) Kurzbiografie Gitta Weil, geb. Eisenmann, wurde am 08.02.1896 in
Gailingen geboren. Ihr Vater war Jakob Eisenmann, Lehrer und
Direktor der örtlichen jüdischen Handelsschule, ihre Mutter
Rosa Rachel, geb. Harburger. Gitta Eisenmann hatte neun
Geschwister, die alle den Holocaust überlebten. Im Mai 1920
heiratete sie den Konstanzer Textilkaufmann Josef Weil, der
an der Marktstätte ein Geschäft hatte. Das Paar hatte zwei
Kinder: Jakob und Klara. Antisemitische Propaganda und wirt-
schaftlicher Boykott durch die Nazis zwangen Josef Weil, sein
Geschäft im Dezember 1936 zu verkaufen. Gitta Weil emigrierte
1938 mit ihrer Familie in die USA. Sie fand eine neue Heimat
im Bundestaat New Jersey.
Auf einer Schweiz-Reise starb Gitta Weil am 13.07.1962 an
einer Lungenembolie im Kantonsspital Zürich. Sie verfügte vor
ihrem Tod, dass ihre sterblichen Überreste in die USA überführt
und neben ihrem Mann auf dem jüdischen Friedhof El-Beth
in Paramus, New Jersey, beigesetzt werden.

Jakob (Jack) WEIL (Jude) Kurzbiografie Jakob Weil wurde am 17.07.1925 in Konstanz geboren.
Seine Eltern waren Josef Weil und Gitta, geb. Eisenmann.
Jakob hatte eine ältere Schwester mit Namen Klara. Sein Vater
hatte ein gutgehendes Textilgeschäft an der Marktstätte.
Jakob Weil besuchte die Volksschule und die Zeppelin-Ober-
realschule (heute Humboldt-Gymnasium). Der zunehmende
Antisemitismus in Deutschland veranlasste seine Eltern, in
die USA zu emigrieren. Im September 1938 verließ Jakob mit
seiner Familie Konstanz. Über die Schweiz ging es auf dem
Landweg nach Rotterdam und von dort mit dem Schiff nach
New York. Als das Schiff am 09.10.1938 in Ellis Island/New
York anlegte, war Jakob 13 Jahre alt, ohne Berufsausbildung
und Schulabschluss. In den USA änderte er seinen Vornamen
in Jack. Während des Zweiten Weltkrieges diente er in der
US-Armee. Nach dem Krieg arbeitete er als Vertreter für
ein Autohaus. 1956 heiratete er in New Jersey Ruthye Lois
Schwartz, mit der er drei Kinder hatte.
Jack Weil verstarb am 03.12.2019 in Menlo Park, einer
kleinen Stadt im Bundesstaat Kalifornien. Er wurde auf dem
jüdischen Friedhof Mount Zion (Los Angeles) beigesetzt.

Josef WEIL (Jude) Kurzbiografie osef Weil wurde am 13.08.1891 in Konstanz geboren.
Seine Eltern waren Berta Weil (01.02.1872 - 09.12.1940)
und Max Weil (18.10.1859 - 07.09.1932), die auf der
Marktstätte 17 ein gutgehendes Textilgeschäft hatten. Im Mai
1920 heiratete Josef Weil in Gailingen Gitta, geb. Eisenmann.
Nach dem Tod seines Vaters übernahm er 1932 das Geschäft.
Das Paar hatte zwei Kinder: Klara und Jakob, die den Ho-
locaust in den USA überlebten. Antisemitische Propaganda
und wirtschaftlicher Boykott durch die Nazis zwangen Josef
Weil, das Geschäft an der Marktstätte im Dezember 1936 zu
verkaufen. Im September 1938 emigrierte er mit seiner Familie
in die USA. Er wohnte zunächst in New York, bis er später nach
Old Bridge Township, New Jersey, übersiedelte. Wahrscheinlich
übte er auch in den USA seinen erlernten Beruf als Textilkauf-
mann aus.
Josef Weil starb am 17.05.1990 in Old Bridge Township,
New Jersey. Er wurde auf dem jüdischen Friedhof El-Beth
in Paramus, New Jersey, begraben.

Klara (Claire) WEIL (Jüdin) Kurzbiografie Klara Weil wurde am 16.08.1921 in Konstanz geboren.
Ihre Eltern waren Josef Weil und Gitta, geb. Eisenmann. Klara
hatte einen jüngeren Bruder mit Namen Jakob. Ihr Vater hatte
ein Textilgeschäft im Zentrum der Stadt an der Marktstätte 17.
Mit ihrer Familie emigrierte sie im September 1938 in die USA.
Über die Schweiz ging es auf dem Landweg nach Rotterdam
und von dort mit dem Schiff nach New York. Als Klara in
New York ankam, war sie 17 Jahre alt, ohne Berufsausbildung
und ohne Schulabschluss. Im Dezember 1939 erhielt sie die
amerikanische Staatsbürgerschaft. Klara nannte sich jetzt
Claire. Am 08.03.1942 heiratete sie Rudolph Nasch, einen
jüdischen Bäcker aus Budapest, der in die USA eingewandert
war. Über ihr Leben in den USA ist wenig bekannt, außer dass
sie zwei Söhne hatte. „Claires Wärme und Liebe übertrug sich
auf alle, die ihr begegneten. Sie war die Matriarchin unserer
Großfamilie, und wir werden sie sehr vermissen“, so heißt
es im Nachruf auf Claire Nasch auf einer amerikanischen
Gedenkseite.
Claire Nasch starb am 14.08.2016 in Tucson, Arizona.

Marktstätte 17

12.10

Salomon ROSENTHAL (Jude) Kurzbiografie Salomon Rosenthal wurde am 21.01.1866 in Randegg ge-
boren. Sein Vater war der Arzt Samuel Simon Rosenthal, seine
Mutter Karlina eine geborene Kirschbaum. Salomon Rosenthal
hatte zwei Brüder: Karl (1865 - 1928) war vor dem Ersten
Weltkrieg Stadtrat und Besitzer des Hotels Halm, Louis Eliser
fand 1942 im Ghetto Theresienstadt den Tod. Noch vor 1914
kam Salomon Rosenthal, der von Beruf Kaufmann war, nach
Konstanz. Er war unverheiratet und scheint unvermögend ge-
wesen zu sein, da er von der jüdischen Gemeinde unterstützt
wurde und keine Mittel zur Auswanderung besaß.
Ende der 1930er-Jahre musste er in ein sogenanntes Juden-
haus in der Bodanstraße 31 umziehen. Judenhäuser waren
im Nazi-Jargon Häuser, die Juden gehörten und in denen nur
Juden wohnen durften. Am 22.10.1940 wurde Salomon Ro-
senthal nach Gurs deportiert. Zum Zeitpunkt der Deportation
war er 74 Jahre alt.
Am 28.11.1940 starb Salomon Rosenthal, wie Hunderte an-
dere Häftlinge auch, infolge der katastrophalen Lebensbedin-
gen im Lager. Als Todesursache gab der französische Lagerarzt
„Altersschwäche“ (sénilité) an. Er wurde auf dem Friedhof
Gurs beigesetzt. Am 05.06.1953 wurde Salomon Rosenthal
offiziell für tot erklärt.

Rosgartenstraße 31

 

--------------   MITTAGSPAUSE ---------------

 

14.00

Erna FREISTETTER (zwangssterilisiert) Kurzbiografie Erna Freistetter wurde am 12.11.1915 in Konstanz geboren.
Sie war wie ihre ältere Schwester Hildegard gehörlos.
Sie besuchte einige Jahre die Hilfsschule, konnte dem nicht
auf Gehörlose ausgerichteten Unterricht aber nur schwer
folgen. Am 15.08.1936 zeigte der Allgemeinmediziner
Dr. Hermann Sauter Erna Freistetter im Rahmen des Vollzugs
des „Gesetzes zur Verhütung erbkranken Nachwuchses“ beim
Konstanzer Gesundheitsamt an: Für ihn, der sie Jahre zuvor
lediglich wegen einer Atemwegserkrankung behandelt hatte,
stand fest, dass Erna an „angeborenem Schwachsinn“ litt.
Das Erbgesundheitsgericht Konstanz verfügte am 23.11.1936
sowohl ihre wie auch die Unfruchtbarmachung ihrer Schwester
wegen „angeborenen Schwachsinns und erblicher Taubheit“.
Die Operation führte Dr. Kurt Welsch, der Leiter der Konstanzer
Frauenklinik, am 06.08.1937 durch.
Erna Freistetter starb am 19.04.1949 im Alter von nur
33 Jahren in Konstanz.

 

Hildegard FREISTETTER (zwangssterilisiert) Kurzbiografie Hildegard Freistetter wurde am 31.07.1913 als Tochter des
Schlossermeisters Robert Freistetter und seiner Frau Rosalie in
Konstanz geboren. Sie war wie ihre jüngere Schwester Erna
gehörlos und besuchte zunächst die Taubstummenanstalt in
Meersburg, später die Konstanzer Hilfsschule. Neben ihrer
Mithilfe im elterlichen Haushalt besuchte sie einen Nähkurs
im Kloster Zoffingen. Am 15.08.1936 zeigte der Allgemein-
mediziner Dr. Hermann Sauter Hildegard Freistetter im Rahmen
des Vollzugs des „Gesetzes zur Verhütung erbkranken Nach-
wuchses“ beim Konstanzer Gesundheitsamt an. In seiner
Praxis in der Schottenstraße 53 hatte er sie Jahre zuvor
lediglich wegen Blutarmut behandelt, war sich aber dennoch
sicher, dass sie an „angeborenem Schwachsinn“ litt. Das Erbgesundheitsgericht Konstanz verfügte am 23.11.1936 ihre
Unfruchtbarmachung wegen „angeborenen Schwachsinns und
erblicher Taubheit“. Die Operation führte Dr. Kurt Welsch, der
Leiter der Konstanzer Frauenklinik, am 07.08.1937 durch.
Hildegard Freistetter lebte bis 1958 in der Bodanstraße 27
und zog dann in das St. Josefsheim in Stockach. Sie gehörte
wie ihre Schwester und Berta Glückler zu den circa 15.000
gehörlosen Menschen, die zwischen 1934 und 1945 zwangs-
sterilisiert wurden.
Hildegard Freistetter starb am 19.07.1998 in Tengen.

Bodanstraße 27

14.20

Fanny HAYMANN (Jüdin) Kurzbiografie Fanny Haymann wurde am 14.01.1866 in Konstanz geboren.
Ihr Vater Heinrich Haymann stammte aus Gailingen,
ihre Mutter Sara, geb. Mayer, aus Buchau am Federsee (Ober-
schwaben). Sie hatte zwei Geschwister, Jakob und Mina, verh.
Ohlenschläger. Beide wurden Opfer des Nationalsozialismus.
Von Beruf war Fanny Haymann Krankenschwester. Sie war
unverheiratet. Am 22.10.1940 wurde sie nach Gurs depor-
tiert. Die Lebensbedingungen im Lager waren so katastrophal,
dass im Winter 1940/41 Hunderte Menschen an Unterernährung
und Krankheiten starben. Trotzt ihres fortgeschrittenen Alters
engagierte sie sich in der Krankenpflege. Dank ihren Bezie-
hungen zum Schweizer Roten Kreuz durfte sie am 24.04.1941
das Lager Gurs verlassen und in die Schweiz einreisen. Nach
ihrer Ankunft in Zürich entzogen ihr die deutschen Behörden
die Staatsbürgerschaft. Bis zu ihrem Tod wohnte sie in Zürich
im „Schwesternhaus vom Roten Kreuz“.
Fanny Haymann starb im Alter von 85 Jahren am
18.03.1951. Sie wurde in Zürich auf dem jüdischen Friedhof
Unterer Friesenberg beerdigt.

Mina OHLENSCHLÄGER (Jüdin) Kurzbiografie Mina Ohlenschläger wurde als Mina Haymann am 19.01.1865
in Konstanz geboren. Ihr Vater war Hayum Haymann und
stammte aus Gailingen, ihre Mutter Sara, geb. Mayer, aus
Buchau am Federsee (Oberschwaben). Mina Ohlenschläger
hatte zwei Geschwister, Jakob und Fanny. Beide wurden Opfer
des Nationalsozialismus. Seit 1908 war Mina Haymann mit
Ernst Ohlenschläger verheiratet. Ihr Mann war Alt-Katholik,
sie lebte somit in einer „Mischehe“. 1929 bezog das Ehepaar
ein eigenes Haus in der Gottlieber Straße 10. Nach dem Tod
ihres Mannes 1932 lebte Mina Ohlenschläger mit ihrer Schwester
Fanny Haymann zusammen. Mina Ohlenschläger war 75 Jahre
alt, als sie am 22.10.1940 nach Gurs deportiert wurde. Das
Mobiliar ihrer Wohnung wurde am 06. und 07.01.1941 im
Konzil öffentlich versteigert und ihr Sparguthaben vom Staat
konfisziert. Mina Ohlenschläger erkrankte im Lager so schwer,
dass sie im März 1941 auf die Krankenstation des Lagers
Récébédou bei Toulouse verlegt wurde. Von Récébédou wurde
sie wenig später in das Lager Nexon verlegt.
Mina Ohlenschläger verstarb 77-jährig am 11.12.1942
im Lager Nexon.

Gottlieber Straße 10

14.35

Regina LEVI, geb. Wolf (Jüdin) Kurzbiografie Regina Levi wurde am 11.05.1884 in Wangen am Bodensee
geboren. Ihr Vater war Abraham Wolf, ihre Mutter Adele,
eine geborene Rothschild. Sie war mit Isidor Levi verheiratet,
der aus Worblingen stammte. Er betrieb in Konstanz einen
Großhandel mit Stoffen. Ihre Ehe blieb kinderlos. Nach dem
Tod ihres Mannes musste Regina Levi 1939 in ein sogenanntes
Judenhaus in der Bruderturmgasse 6 umziehen. Judenhäuser
waren im Nazi-Jargon Häuser, die Juden gehörten und in
denen nur Juden wohnen durften. Am 22.10.1940 wurde
sie von Karlsruhe nach Gurs deportiert, da sie zu diesem Zeit-
punkt in Karlsruhe auf Besuch war. Den schrecklichen Winter
1940/41, in dem Hunderte von Häftlingen an Hunger und
Krankheiten im Lager starben, überlebte Regina Levi, erkrankte
aber selbst schwer und musste mehrmals im Krankenhaus
behandelt werden. Am 05.08.1942 wurde sie von Gurs in das
Durchgangslager Drancy bei Paris verlegt. Von Drancy gingen
die Transporte in die Todeslager Majdanek, Sobibor oder Aus-
chwitz ab. Am 10.08.1942 wurde Regina Levi mit einem
Eisenbahntransport in das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau
gebracht, wo sie den Tod fand.
Als offizieller Todestag von Regina Levi gilt der 10.08.1942,
der Abfahrtstag des Transports von Drancy nach Auschwitz.

Leinerstraße 1

14.50

Rosa MOERSCHNER, geb. Oplat (Jüdin) Kurzbiografie Rosa Moerschner, geb. Oplat, stammte aus einer jüdischen Familie
in Wien. Ihre Eltern waren Simion Oplat und Ernestine, geb.
Schweinburg. Sie war verheiratet mit Fritz Moerschner, der kein
Jude war. Sie lebte also in einer sogenannten „Mischehe“.
Von Beruf war sie Schauspielerin. Ihr Mann fiel im Ersten
Weltkrieg. Das Ehepaar hatte eine Tochter mit Namen Bertha,
die 2009 in Leipzig starb. Rosa Moerschner kam Anfang August
1935 von Frankfurt nach Konstanz, wo sie als Schauspielerin
tätig war. Am 22.10.1940 wurde sie nach Gurs deportiert und
im Juli 1942 in das Lager Rivesaltes verlegt. Von der jüdischen
Gemeinde Kreuzlingen wurde sie mit Geld- und Sachspenden
unterstützt. Von Rivesaltes wurde Rosa Moerschner am
11.08.1942 nach Drancy bei Paris verlegt, Ausgangsbahnhof
für die Transporte in die Todeslager im Osten. Drei Tage später
wurde sie von Drancy nach Auschwitz deportiert. Die Fahrt im
Viehwaggon von Drancy nach Auschwitz dauerte zwei Tage;
nur wenige Personen dieses Transport überlebten Auschwitz.
Als offizielles Todesdatum von Rosa Moerschner gilt der
14.08.1942, der Tag der Abfahrt des Zuges von Drancy nach Auschwitz.

Mangoldstraße 21

15.10

Stolperschwelle für Zwangssterilisierte

Information Mit einer Verordnung des badischen Justizministers
Dr. Otto Wacker wurde in Konstanz zum 1. Januar 1934
ein NS-Sondergericht eingerichtet, das Konstanzer
Erb gesundheitsgericht.
Es war dem Amtsgericht angegliedert und für die Durchset-
zung des gleichzeitig am 1. Januar 1934 in Kraft getretenen
„Gesetzes zur Verhütung erbkranken Nachwuchses“ in den
Amtsgerichtsbezirken Konstanz, Radolfzell, Singen und
Überlingen zuständig. Es handelte sich dabei um eines der
ersten rassenpolitischen Gesetze des NS-Regimes und zielte
nicht nur auf „Erbkranke“, wozu beispielsweise auch stark
kurzsichtige und gehörlose Menschen zählten, sondern
richtete sich auch gegen Menschen, die die Fürsorgekassen
belasteten, wie Hilfsschülerinnen, die nicht den vermeint-
lich nötigen Bildungsstand aufwiesen oder von der im
National sozialismus geltenden sozialen oder ideologischen
Norm abwichen. Deren „geistige Minderwertigkeit“ sei eine
Gefahr für den „gesunden Volkskörper“. Nach Meinung der
nationalsozialis tischen Machthaber und deren Vertreter vor Ort
sollten sich diese „Ballastexistenzen“ und „unnützen Esser“,
die sich hemmungslos vermehrten, wenigstens nicht weiter
fort pflanzen dürfen.
Ärzte und Juristen des Erbgesundheitsgerichts Konstanz
verfügten zwischen 1934 und 1945 die Zwangssterilisation
von über 1.000 Frauen, Männern und Jugendlichen aus
dem Umkreis.
Davon waren mindestens 291 aus Konstanz.

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