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Stolpersteine Konstanz

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Ansprache eines Anwohners

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Worte an dieTeilnehmer bei der Stolpersteinverlegung f├╝r
Anna und Berthold Wieler
Sch├╝tzenstra├če 30 in Konstanz
am 3.5.2017

Sehr geehrte Familienangeh├Ârige der verfolgten Eheleute Anna und Berthold Wieler,
sehr geehrte Damen und Herren,

der heutige Morgen und gerade diese Minuten sind f├╝r mich so bewegend und bedeutend, dass ich als Vertreter der Hausgemeinschaft Sch├╝tzenstra├če 30 und als Bewohner der damaligen Wohnung der Eheleute Wieler einige Worte an Sie alle richten m├Âchte.

Wenige Jahre nach der Errichtung dieses Hauses zogen die Eheleute Anna und Berthold Wieler ein. Schon 1908 zogen, aus Schonach kommend, meine Gro├čeltern Augustin und Karolina Fehrenbach mit ihren beiden M├Ądchen Anna (4) und Augustina (3) in das Dachgeschoss des daneben liegende Hauses Sch├╝tzenstra├če 28 ein.

Meine Mutter Anna, verheiratete M├╝ller, erz├Ąhlte mir oft von den freundlichen und zuvorkommenden Nachbarn Wieler.  Und davon, dass meine Gro├čmutter Karolina bei der Familie Wieler als gelegentliche Haushaltshilfe t├Ątig war.

Dabei hielt sich meine Mutter als Kind auch ab und zu in der Wohnung Wielers auf. Ein Foto bezeugt diese Anwesenheit: Die M├Ądchen Anna und Augustina, genannt Gustel, wurden auf der K├╝chenveranda dieser Wohnung fotografiert.

 

Die Familie Wieler mit Tochter Erika und mehrere andere j├╝dischen Familien wohnten in dieser Stra├če, waren b├╝rgerschaftlich voll integriert und zweifellos anerkannt als ehrenwerte Mitb├╝rgerinnen und Mitb├╝rger.

Meine Mutter berichtete mir auch von den grauenvollen Geschehnissen im Jahr 1940, als die Gestapo mit Lastwagen vorfuhr und die j├╝dischen Bewohner, alte, junge, samt kleinster Kinder auf den Lastwagen verfrachtete ÔÇô so geschehen am helllichten Tag im Oktober 1940 aus dem Haus Sch├╝tzenstra├če 16. Der Junge Herbert H. aus dem Hause Sch├╝tzenstra├če 24, dort wohnten inzwischen meine Eltern, stieg aus Sympathie zu seinem schon im LKW sitzenden Mitsch├╝ler mit auf den Lastwagen und konnte in letzter Minute von seiner Mutter wieder heruntergeholt werden.

Ich selbst bin im Jahre 1941 geboren und habe all diese politischen Folgen der NS-Diktatur samt deren unverbl├╝mten Verfolgungen und Vernichtungsz├╝gen nicht bewusst miterlebt. Die Zeitzeugen sterben aus. Umso mehr ist es der heutigen und den kommenden Generationen aufgetragen, f├╝r Menschenrechte, Freiheit und Frieden aktiv zu k├Ąmpfen:

Aber die heutigen politischen rechtsradikalen Ent┬şwicklungen und damit die Hetze gegen Fl├╝chtlinge und Muslime in vielen europ├Ąischen L├Ąndern, gerade aber auch in Deutschland, machen uns nicht nur besorgt, sondern hellwach: Alle unsere gewissen┬şhaften Aufarbeitungen und Aufkl├Ąrungen in unseren Schulen in 7 Jahrzehnten nach der Nazi-Zeit reichen nicht mehr aus! Wir alle m├╝ssen die freiheitlich-demokratischen Werte unseres Grundgesetzes, voran die Menschenrechte, vereint verteidigen.

Wehret den verf├╝hrerischen Parolen und verharm┬şlosenden Angriffen auf unsere Grundwerte.

Als Symbol unserer Verbundenheit mit den verfolgten und deportierten Eheleuten Anna und Berthold Wieler hat unsere Hausgemeinschaft Sch├╝tzenstra├če 30 die Patenschaft f├╝r die beiden Stolpersteine gerne ├╝ber┬şnommen.

Allen Angeh├Ârigen der Familie Wieler sprechen wir unseren herzlichen Dank f├╝r Ihr Kommen aus.

Sie sind uns hier jederzeit herzlich willkommen.

 

Wolfgang M├╝ller-Fehrenbach