Hugo Schriesheimer wurde am 13. September 1908 als Sohn von Rosa Schriesheimer und Max Schriesheimer in Konstanz geboren.
Er studierte Maschinenbau und wurde Maschinenbauingenieur am Technikum Konstanz (15. März 1928).
Nach dem November-Pogrom vom 10. November 1938 war er bis in den März 1939 – zunächst zusammen mit seinem Vater Max im KZ Dachau.
Am 22. Oktober 1940 wurde er zusammen mit seinen Eltern nach Gurs verschleppt. Da dieser Teil Frankreichs nicht von deutschen Truppen besetzt war, stand das Lager unter französischer Verwaltung durch das Vichy-Regime.
Im Juli 1942 wurde er zum Arbeitseinsatz nach Perpignan verbracht. Dort wurde er wegen einer Blutvergiftung im linken Fuß in das Gefangenenhospital verlegt, so dass er dadurch dem Abtransport nach Auschwitz entgehen konnte.
Im Oktober 1942 gelang ihm die Flucht über Lyon in die Schweiz.
Am 12. November 1942 bat er um politisches Asyl. Sein Ziel war aber letztlich nicht die Schweiz, sondern die USA.
Am 4. Oktober 1947 schiffte er sich in Southampton mit der „Queen Mary“ nach New York ein. Als Nationalität ist in seinen Papieren „staatenlos – stateless“ angegeben. Am 9. Oktober 1947 betrat er in New York amerikanischen Boden.
New York wurde seine neue Heimat. Dort heiratete er auch Eva, geb. Mendelsohn (geb. 14. April 1924). Ende der 40er Jahre wurde er amerikanischer Staatsbürger.
1971 kehrte Hugo Schriesheimer an den Bodensee zurück und ließ sich in Kreuzlingen nieder. In Konstanz wurde er zu einem wichtigen Zeitzeugen, der vor allem über das im Lager Gurs Erlebte berichtete.
Eva Schriesheimer starb am 21. Dezember 1988, Hugo Schriesheimer am 7. Oktober 1989 in Kreuzlingen.
Bodanplatz 10 (2012)
Foto: © Wolfram MikuteitHugo Schriesheimer (Bildmitte) 1940, letzte Aufnahme vor der Deportation.
v.l.n.r.: Willy Rosenfeld, Ernst Hilb, Hugo Schriesheimer, Dagobert Guggenheim, Kurt Wolf Quelle: Archiv WiehnEinwohnermeldekarte Konstanz
Eintrag August 1939: "wartet täglich auf die Einreiseerlaubnis nach Honduras. Will später seine Eltern folgen lassen." Als Adresse ist die Bruderturmgasse 6 angegeben. In dieses Haus wurde Hugo Schriesheimer eingewiesen. Quelle: Stadtarchiv Konstanz S XXXIII, EinwohnermeldekarteiHugo und Eva Schriesheimer, Max Dukas (Neffe von Hugo Schriesheimer), Bernadette Dukas (v.l.n.r.) ca. 1955
Quelle: ancestry.comGrabstein für Hugo und Eva Schriesheimer auf dem jüdischen Friedhof Bernrain b. Kreuzlingen / CH
Foto: Maik SchluroffKennkarte (Innenseiten) von Hugo Schriesheimer mit dem grossen "J" für "Jude" und dem für alle Deutschen jüdischen Glaubens zwangsweise verordneten "Israel" als Vorname.
Quelle: M.-E. Rehn, "Hugo Schriesheimer"