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Stolpersteine Konstanz

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Jehovas Zeugen in Konstanz

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Zeugen_Jehovas_Gruppenbild_1930er_Jahre

Eine Gruppe der Konstanzer Zeugen Jehovas in den 1930er Jahren.
ganz rechts Berta Maurer, dritte von rechts Pauline Hofmaier, vierte von rechts Anneliese Hofmaier, f├╝nfte von rechts Irma Wilderer, sechste von rechts Anna Mei├čner, ganz links Wilhelm Kleissle, zweiter von links Hermann Dreher, dritter von links Anton Fleisch, f├╝nfte von links Anna Fleisch,
Hintere Reihe:  ganz rechts Georg Mei├čner, zweiter von rechts Eugen Schwab
 
(Bildquelle: Geschichtsarchiv der Zeugen Jehovas, Selters)

Anf├Ąnge

Die "Internationale Vereinigung Ernster Bibelforscher" wie sich die Zeugen Jehovas auch nannten, hatte in Konstanz eine Ortsgruppe, die sich etwa 1921 bildete. Sie hielt Kontakt zu Schweizer Zeugen Jehovas und missionierte mit Fahrrad und zu Fu├č im Linzgau und im Hegau.

 

Verbot im Dritten Reich

Bereits am 15. Mai 1933 wurde die Religionsgruppe in Baden verboten als internationale Vereinigung, die den neuen Staat in allen Formen (Eid, Abstimmungen, Hitlergru├č, Wehrdienst) ablehnte. Zun├Ąchst setzten die Zeugen Jehovas sonntags den Verkauf von Bibeln noch fort. Ein Verbot gegen die Gewerbeordnung konnte nicht nachgewiesen werden, weil sie die Bibeln zum Einkaufspreis verkauften. Zu Versammlungen konnten sie in die Schweiz ausweichen, und von dort wurden nun Schriften illegal eingef├╝hrt und verteilt. Sie nahmen auch am Internationalen Kongress in Basel im September 1934 teil, der eine Resolution gegen Hitler verabschiedete. Von Kreuzlingen aus beteiligte sich Berta Maurer, der f├╝hrende Kopf der Konstanzer Gruppe, an einer Telegrammaktion gegen Hitler. Es folgte eine Flugblattaktion in Deutschland, die zu einer Verhaftungswelle f├╝hrte.

 

Verfolgung

Etwa 25 Personen aus der Konstanzer Gruppe wurden im Laufe des "Dritten Reiches" gerichtlich verfolgt. Zun├Ąchst ging es um Bibelverkauf, dann Schmuggel von Druckschriften aus der Schweiz im Kinderwagen oder im Rahmen eines Fahrrads, Lagerung und Verteilung von Schriften, Weiterleitung von Geldbetr├Ągen, illegale Versammlungen. Die Verfahren fanden meistens vor dem Sondergericht Mannheim statt. Grundlage f├╝r Verurteilungen war in fast allen F├Ąllen die Verordnung zum Schutz von Volk und Staat vom 28. Februar 1933. Zun├Ąchst wurden eher k├╝rzere Gef├Ąngnisstrafen ausgesprochen, aber auch die Entziehung des Sorgerechts f├╝r die Kinder oder Streichung der Witwenrente.

 

Konzentrationslager

Ab 1937 b├╝rgerte sich die Praxis ein, dass Zeugen Jehovas nach Verb├╝├čung der Haftstrafe (z.B. Konstanz f├╝r M├Ąnner oder Gotteszell f├╝r Frauen) von der Gestapo in Empfang genommen wurden und in ein KZ verbracht wurden. Die M├Ąnner kamen nach oder , wo Wilhelm Friedrich Kleissle ums Leben kam, die Frauen in die provisorischen KZs Moringen und Lichtenburg, wo die Zeuginnen Jehovas die gr├Â├čte Gruppe bildeten, und anschlie├čend in das neue . Dies gilt f├╝r Berta Maurer und Pauline Hofmaier. Eine Gruppe von vier Frauen wurde Ende 1939 verhaftet und ohne Prozess in das KZ Ravensbr├╝ck ├╝berf├╝hrt. Von ihnen ist Anna Schaumann Ende 1945 dort verschollen, d.h. umgekommen.

 

Besonderheiten im KZ

Die Zeugen Jehovas waren anfangs im KZ oft besonderen Schikanen ausgesetzt und wurden als ÔÇ×Bibelw├╝rmerÔÇť beschimpft. Nach und nach wurden sie aber als gutm├╝tige Arbeitskr├Ąfte gesch├Ątzt, die man auch au├čerhalb des KZs einsetzen konnte. So wurde Berta Maurer nach M├╝nchen zur Organisation Lebensborn geschickt, Maria Schwenk zu einem SS-Institut f├╝r Pflanzengenetik bei Graz. Irma Wilderer, die im Haushalt eines SS-Generals als Kinderm├Ądchen eingesetzt wurde, musste dann aber wieder zur├╝ck nach Ravensbr├╝ck. Nur wenn die Zeugen Jehovas sahen, dass ihre Zwangsarbeit direkt dem Kriegseinsatz diente, leisteten sie Widerstand. Bei einer solchen Aktion wurde Anna Luise Meissner erschossen.

 

Nachkriegszeit

Die Zeugen Jehovas wurden nach dem Krieg f├╝r die Haftzeiten entsch├Ądigt, aber sie haben nie ein gro├čes Thema aus ihrer Verfolgung gemacht. Deshalb ist die Verfolgung dieser Gruppe erst sehr sp├Ąt in das Bewusstsein der ├ľffentlichkeit gedrungen.

Recherche: Arnulf Moser

Quellen:

http://www.swr.de/swr2/stolpersteine/themen/zeugen-jehovas/-/id=12117604/did=13539902/nid=12117604/xck1q7/index.html (Abruf am 18.06.2014)

Arnulf Moser, Die Konstanzer  Zeugen Jehovas als Opfer des ┬╗Dritten Reiches┬ź. In Schriften des Vereins f├╝r Geschichte des Bodensees und seiner Umgebung. Heft 131, 2013. Jan Thorbecke Verlag : Ostfildern 2013.