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Stolpersteine Konstanz

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Ivan LEIB,  1878 - 1958

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1878: Geb. Emmishofen / TG

1934: Flucht SCHWEIZ

1939: USA

 

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Marktstätte 19
heute (2021)

Standort auf Karte

 

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Stolperstein für Ivan LEIB
verlegt 21.10.2021

 

Ehefrau: Hedwig LEIB, geb. BLoch;   Töchter: Hanna LEIB, Ida LEIB

 

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Ivan LEIB, ca. 1930
Quelle: privat

 

Ivan Leib wurde am 12. September 1878 in Emmishofen/Thurgau, nahe an der Schweizer Grenze zu Konstanz, geboren. Sein Vater war der Kaufmann Jakob Leib (1853 - 1937), der im Zentrum von Konstanz ein Geschäft für Herrenmode, speziell für maßge­schneiderte Herren­hemden, gründete.

Seine Mutter Ida war eine geborene Bloch (1850-1908) und stammte aus Zürich. Ivan Leib hatte drei Schwestern, Martha, Regina, Irma, und zwei Brüder: Ernst fiel 1916 im Ersten Weltkrieg, Friedrich wurde 1940 im Rahmen der Aktion T4 in Grafeneck ermordet.

 

1912/1913 ließen Jakob Leib und zwei weitere jüdische Kaufleute, David Casewitz (1847-1917) und Abraham Lippmann (1855-1934) das stadtbildprägende moderne Häuserensemble auf der Marktstätte mit den Hausnummern 17 bis 21 vom Architekturbüro Ganter und Picard errichten.

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Das Geschäft von Ivan Leib an der Marktstätte 19
(Foto aus den 1920er Jahren)

Quelle: Stadtarchiv Konstanz, Z1.wolfH31-1193

 

 

 

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Architektenmarke am Haus Marktstätte 17-19
Foto: Maik Schluroff

 

Am 19. Oktober 1908 heiratete Ivan Leib Hedwig, geb. Bloch, aus Zürich. Das Ehepaar Leib hatte drei Kinder: Otto Siegfried, geb. am 5.08.1909 und die beiden Töchter Ida, geb. am 14.02.1912, und Hanna, geb. am 8.11.1916. Noch zu Lebzeiten seines Vaters übernahm Ivan Leib das Geschäft in Konstanz.

Mit der Machtübernahme der Nazis 1933 radikalisierte sich auch in Konstanz der Antisemitismus. Am 1. April 1933 riefen die Nazis zu einem reichsweiten Boykott jüdischer Geschäfte auf, der auch in Konstanz durchgeführt wurde. Vor den jüdischen Geschäften standen SA-Posten mit Schildern: „Deutsche wehrt Euch! Kauft nicht bei Juden!“ Dieser Boykott veranlasste Ivan Leib, seinen Wohnsitz am 3. April 1934 in das benachbarte schweizerische Kreuzlingen zu verlegen. In weiser Voraussicht verkaufte er sein Haus, da er ahnte, dass die Nazis in Zukunft jüdisches Eigentum nicht respektieren würden. Von Kreuzlingen aus betrieb er seine Emigration nach Amerika. Als Ivan Leib nach der Pogromnacht am 9. November 1938 Konstanz besuchen wollte, wurde er an der Grenze für einige Stunden festgenommen. Ein Zollbeamter riet ihm, Konstanz nicht mehr zu besuchen, da er sonst verhaftet werden würde.

Anfang Januar 1939 verließ das Ehepaar Ivan und Hedwig Leib Kreuzlingen und fuhr nach South­ampton/England. Dort bestiegen sie am 7. Januar die „SS Aquitania“. Am 3. Februar 1939 kamen sie in New York an. Am 13. Oktober 1941 wurden Ivan und Hedwig Leib die deutsche Staatsbürgerschaft aberkannt, am 18. Dezember 1944 erhielten beide die amerikanische Staatsbürgerschaft.

 

Als Ivan Leib in New York ankam, war er 61 Jahre alt. Den Erlös aus dem Verkauf seines Hauses in Konstanz legte Ivan Leib Gewinn bringend auf dem ameri­kanischen Kapitalmarkt an. So konnte das Ehepaar Leib sorgenfrei in New York leben. Ivan Leib wurde dabei kenntnisreich von seinem Schwiegersohn Kurt Julius Spiegel unterstützt, dem Mann seiner Tochter Ida. „Sie hatten viele Jahre lang ein gutes Leben als Rentner“, so beschreibt sein Enkel Daniel Leib den Lebensabend seiner Großeltern.

 

Ihre Heimatstadt Konstanz haben Ivan und Hedwig Leib nicht wiedergesehen. Beide starben in New York, Ivan Leib am 13. November 1958, seine Frau Hedwig am 27. August 1965. Beide ließen sich einäschern. Hedwig Leib verfügte testamentarisch, dass ihre Urne nach Dornach (Schweiz) ins Goetheanum, dem Zentrum der Anthroposophie, überführt werde.

 

Recherche: Uwe Brügmann

Patenschaft: Alexander Stiegeler

Quellen:

Stadtarchiv Konstanz

Staatsarchiv Freiburg

Persönliche Mitteilungen von Dan Leib, Sohn von Otto Leib, wohnhaft in Paramus, New Jersey

 

Literatur:

Erich Bloch, Geschichte der Juden von Konstanz im 19. und 20. Jahrhundert. Konstanz: Rosgarten Verlag, 1971