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Stolpersteine Konstanz

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Lothar FRANK  1925 - 1964

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geb. 1925 Böhringen b. Radolfzell

 

FLUCHT 1939 MIT HILFE

HOLLAND

RÜCKKEHR 1941

MIT HILFE ÜBERLEBT

 

gest. 1964 Konstanz

 

Haus_Frank_Eduard_Altmannstr_4

Altmannstrasse 4  heute
(2008)

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Stolperstein für Lothar FRANK
verlegt am 25.9.2020

Vater: Eduard FRANK

Lothar Edo Maurus Frank, wie sein vollständiger Name lautete, wurde am 7. März 1925 in Böhringen bei Radolfzell geboren. Sein Vater Eduard Frank war jüdischer Abstammung und ein stadtbekannter Rechtsanwalt und Sozialdemokrat in Konstanz. Seine Mutter war Hermine, geb. Sulger, verw. Breithaupt, geb. am 8.1.1887, und stammte aus Böhringen. Die Ehe seiner Eltern war nach nationalsozialistischer Sprachregelung eine „Mischehe“, d.h. einer Ehe zwischen einem Juden und einer Nichtjüdin. Hermine Sulger brachte ihre Tochter Gerda Sulger, geb. am 10. April 1918 in Böhringen, mit in die Ehe, die von Eduard Frank am 29. August 1924 adoptiert wurde; sie hieß fortan Gerda Frank. Gerda Frank heiratete später Franz Sauter; sie starb am 5. November 1996 in Konstanz.

 

Am 7. März 1925 kam ihr gemeinsamer Sohn Lothar Frank zur Welt. Nach dem Besuch der Grundschule Petershausen wechselte er auf das altsprachliche Suso-Gymnasium. Obwohl er römisch-katholisch getauft war, galt er nach 1935 (Nürnberger Rasse­gesetze) laut Klassenbuch des Suso-Gymnasiums als “Nichtarier“. Nach national­sozialistischer Definition war Lothar Frank „Halbjude“, d. h ein „Mischling“ ersten Grades mit zwei jüdischen Großeltern. „Jüdische Mischlinge“ waren vielfältigen Schikanen und Einschränkungen im Alltag ausgesetzt, sie mussten aber keinen Judenstern tragen; sie durften erben, wurden nicht zum Kriegsdienst eingezogen und wurden vor allem nicht deportiert.

Lothar Franks Vater Eduard Frank wurde nach der Pogromnacht am 10. November 1938, wie viele andere Konstanzer Juden auch, verhaftet und starb am 27. November infolge von Misshandlungen im Gefängnis Konstanz.  

Am 13. April 1939 meldete Hermine Frank ihren Sohn Lothar vom Suso-Gymnasium ab, das seit 1936 „Schlageter-Gymnasium“ hieß. Wenige Tage später fuhr Lothar Frank mit der Bahn nach Rotterdam. Offensichtlich wollte Hermine Frank ihren minderjährigen Sohn in den Niederlanden in Sicherheit bringen. Lothar Frank war zu diesem Zeitpunkt vierzehn Jahre alt.

 

Nach seiner Ankunft in Rotterdam kam er in das Flüchtlingslager in Hoek van Holland, einem kleinen Städtchen nahe Rotterdam. Als die Niederlande sich im Frühjahr 1939 gegen den drohenden Einmarsch der Deutschen rüsteten, wurden in Hoek van Holland Marinesoldaten stationiert. Die jüdischen Flüchtlinge wurden in ein Lager nach Eersel (bei Eindhoven) verlegt. Wie lange Lothar Frank in diesem Lager blieb oder später noch in andere Lager kam, bevor er nach Konstanz zurückkehrte, konnte nicht geklärt werden.

 

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Lothar FRANK, im Flüchtlingslager Eersel/NL
1939

Bild: Stadtarchiv Rotterdam

 

 

Nach dem Überfall der deutschen Wehrmacht auf die Niederlande im Mai 1940 machte es aus der Sicht von Lothar Franks Mutter keinen Sinn mehr, ihren Sohn weiter in den Niederlanden zu belassen. Mitte September 1941 beorderte sie ihren 16-jährigen Sohn nach Konstanz zurück. Was er von 1941 bis Kriegsende gemacht hat, konnte nicht ermittelt werden. Fest steht, dass er nicht wieder das Suso- (Schlageter-) Gymna­sium besuchte, weil ab Juli 1942 „Halbjuden“ der Besuch weiterführender Schulen verboten war.

Bei Kriegsende war Lothar Frank zwanzig Jahre alt. Da er schon 1949 beim Landgericht Freiburg jüdische NS-Opfer in Vermögensfragen vertrat, so zum Beispiel Anna Ferzst und Julie Mann, muss er schon während oder nach dem Krieg einen qualifizierten Beruf erlernt haben. Denkbar ist, dass er bei dem renommierten Konstanzer Immobilien- und Hypothekenbüro Friedrich Marquardt (gegründet 1914), wo er angestellt war, gelernt hatte. Vielleicht hatte auch schon sein Vater, der Rechtsanwalt Eduard Frank, Geschäftsbeziehungen zu Friedrich Marquardt unterhalten. In den Konstanzer Adress­büchern der 50er und 60er Jahre wird Lothar Frank als „Finanzangestellter“, „Behörden-Angestellter“ oder „Verwaltungsangestellter“ bezeichnet.

Lothar Frank heiratete am 6. September 1947 in Konstanz Paula Margarete Schneckenburger aus Villingen. Die Ehe blieb kinderlos. Seine Frau starb am 20.10.1985 in Konstanz.

 

 

Lothar Frank nahm sich am 17. März 1964 in seiner Wohnung in der Altmannstraße 4 durch Leuchtgas das Leben. Die Gründe für seinen Suizid sind nicht bekannt. Sein Grab befindet sich auf dem Hauptfriedhof Konstanz.

 

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Lothar FRANK, Grabplatte
Hauptfriedhof Konstanz, Feld 27-01

 

 

Recherche: Uwe Brügmann

Patenschaft: N.N.

Quellen:

Staatsarchiv Freiburg , Akten zu Eduard Frank: D 180/2 Nr. 221838, F 167/6 Nr. 78

Staatsarchiv Freiburg, Akten zu Hermine Frank : F 166/3 Nr. 5065,D 180/2 Nr. 222244

Stadtarchiv Konstanz

Stadtarchiv Rotterdam