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Stolpersteine Konstanz

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Laura FERBER  1881 - 1942

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DEPORTIERT 1940

GURS

INTERNIERT DRANCY

ERMORDET 16.08.1942

AUSCHWITZ

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Seestr. 29 heute
(Juni 2018)

stein_FERBER_lauraStolperstein fĂŒr Laura FERBER
verlegt am 27.06.2014

Schwester: Elsa STUX

Laura Ferber wurde am 4.4.1881 in Wien geboren. Sie stammte aus einer wohlhabenden Wiener jĂŒdischen Familie. Sie hatte drei Schwestern, Elsa, Rosa, Gisela und einen Bruder Max; alle vier haben den Holocaust ĂŒberlebt.

Laura Ferber war ein „zartes, geistig reges Kind“. 1905 kam sie von Wien nach Konstanz und lebte zunĂ€chst bei ihrer Schwester Elsa Stux in der Zumsteinstraße 8. SpĂ€ter bekam sie massive psychische Probleme und war 1916 und 1920 jeweils mehrere Monate in der Heilanstalt Reichenau bei Konstanz. Infolge einer missglĂŒckten Beinoperation war sie leicht gehbehindert.

1920 machte sie in Leipzig eine Ausbildung zur Lehrerin, ĂŒbte diesen Beruf aber nie aus. Sie war nicht verheiratet. Nach Ihrer Lehrerausbildung kam Laura Ferber zurĂŒck nach Konstanz und hatte nun ihren festen Wohnsitz in der Villa ihres Schwagers Robert Stux in der Seestraße 29.

Sie nahm rege am gesellschaftlichen Leben des Ehepaares Stux teil; sie galt als gute Klavierspielerin und erteilte Konstanzer  BĂŒrgern auch Klavierunterricht.

 

Laura Ferber bemĂŒhte sich vergeblich um die Auswanderung in die USA. Im August 1939 wurde ihr vom amerikanischen Konsulat die Vormerknummer 51.000 zugeteilt.  Das stĂ€dtische Wohnungsamt, welches fĂŒr die Zuteilung von Wohnraum fĂŒr Juden zustĂ€ndig war, notierte daraufhin in einem internen Vermerk, dass „in absehbarer Zeit nicht mit ihrer Auswanderung gerechnet werden kann.“

 

Am 14. Mai 1940 wurde sie und das Ehepaar Stux zwangsweise in ein "Judenhaus" in der Bruder­turmstraße 8 umgesiedelt. Nach dem "Gesetz ĂŒber MietverhĂ€ltnisse mit Juden"  vom 30. April 1939 war es deutschen Mietern nicht zuzumuten, mit Juden in einem Haus zu wohnen. Juden mussten in „JudenhĂ€user“ umziehen, im Jargon der Nazi-BĂŒrokratie waren das HĂ€user, die Juden gehörten und in denen nur Juden wohnen durften.

 

Am 22. Oktober 1940 wurde Laura Ferber mit 108 anderen Juden aus Konstanz, nach in SĂŒd­frank­reich deportiert.

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Laura FERBER, Karteikarte im Lager Gurs
(Quelle: Archives départementales des
Pyrénées-Atlantiques, Pau)

 

 

Unter den Deportierten befanden sich auch ihre Schwester Elsa  und ihr Schwager Robert Stux. Im Lager wurde Laura Ferber, wie auch andere Konstanzer Juden, von der jĂŒdischen Gemeinde Kreuzlingen mit Lebensmitteln unterstĂŒtzt; mehrere Dankesbriefe haben sich erhalten (siehe hier).

 

Ende Februar 1941 wurde Laura Ferber von Gurs in das neu eingerichtete Lager NoĂ©, 20 km sĂŒdlich von Toulouse, verlegt. Dieses Lager, wie ĂŒbrigens auch Le RĂ©cĂ©bĂ©dou, waren sogenannte Camps-hĂŽpitaux, d.h. Spital-Lager. Diese Lager waren in Wirklichkeit aber weder HospitĂ€ler noch Altenheime, hatten aber feste Baracken. Sie wurden eigens fĂŒr alte und gebrechliche Juden eingerichtet.  Die VerhĂ€ltnisse im Lager NoĂ© waren aber genauso menschen­unwĂŒrdig wie in Gurs. Die Ă€rztliche Versorgung war miserabel. Laura Ferber musste trotz großer gesundheitlicher Beschwerden fĂŒnf Wochen auf einen Arzt warten; auch die Wasch- und Dusch­möglichkeiten waren sehr eingeschrĂ€nkt.  

Am 10. August 1942 wurde Laura Ferber von NoĂ© in das Sammellager , 20 km nördlich von Paris, ĂŒberstellt.

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Das Lager Drancy

 

Drancy war ein Sammel- und Durchgangslager fĂŒr Transporte nach Auschwitz. So wurden zwischen 1941 und 1944 etwa 65.000 Juden, darunter 6.000 Kinder, mit Eisen­bahn­transporten in die Todeslager im Osten im „General­gouvernement“ Polen depor­tiert.

Drancy lag auf einer HochflĂ€che 20 Kilometer nordöstlich von Paris. Es war von Schuttablade­plĂ€tzen, einzelnen niedrigen Gehöften und einigen Fabriken umgeben. Das Lager selbst war eine Ansammlung dunkler massiger GebĂ€ude und hatte etwa die Form eines Hufeisens. Es war ursprĂŒnglich als Unterkunft fĂŒr Arbeiter errichtet worden.

 

Das U-förmige HauptgebĂ€ude des Lagers bestand aus fĂŒnf Geschossen, und von den TreppenabsĂ€tzen gelangte man in große RĂ€ume ohne weitere Unterteilung, in die etwa 60 Erwachsene oder 100 Kinder gepfercht waren. Die internierten jĂŒdischen MĂ€nner und Frauen waren getrennt, auch wenn es sich um Ehepaare handelte.

 

Die Gefangenen schliefen auf Stroh, das auf die Bodenplanken gestreut war. Die ErnĂ€hrung war sehr schlecht, sie bestand aus zwei Schöpfkellen wĂ€ssriger Suppe, 250 Gramm Brot und zwei Erdbirnen (Topinambur). Gegen Bestechung war es auch möglich, sich Nahrungsmittel von außerhalb zu besorgen oder schicken zulassen, vorausgesetzt, die Angehörigen wussten die Adresse der Inhaftierten. Das Lager wurde von Franzosen bewacht und der Lagerkommandant war ein Offizier der französischen Armee. Zwischen 1941 bis 1944 befanden sich nie weniger als 5000 Personen im Lager.

 

 

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Lagerleben in Drancy

 

 

Vom Bahnhof Le Bourget-Drancy verließ am 14. August 1942 ein Transport mit 1015 Juden Richtung. Es war der 19. Transport dieser Art nach Auschwitz.

 

Der Transport setzte sich vorwiegend aus Juden zusammen, die aus den Lagern Les Milles, RĂ©cĂ©bĂ©dou, NoĂ© und Rivesaltes  in der unbesetzten Zone am 10. August nach Drancy gebracht worden waren. Etwa 238 bereits in Drancy internierte Juden wurden diesem Transport noch hinzugefĂŒgt; zu der Gruppe gehörten viele Familien mit insgesamt mindestens 22 Kindern, darunter auch Kinder unter zwölf Jahren.

 

Unter den 1015 Todeskandidaten des Transports befanden sich Laura Ferber und das Konstanzer Ehepaar Toni und Salomon Guggenheim.

 

Nach der Ankunft des Transports am 16. August 1942 in Auschwitz-Birkenau und der Selektion an der berĂŒchtigten Rampe wurden alle HĂ€ftlinge bis auf 115 arbeitsfĂ€hige jĂŒngere MĂ€nner noch am selben Tag in der Gaskammer ermordet. Unter den Opfern war auch Laura Ferber. Laut dem Historiker Serge Klarsfeld gab es 1945 nur einen einzigen Überlebenden dieses Transports, einen jungen Juden aus Minsk.

 

 

 

Recherche: Uwe BrĂŒgmann

Patenschaft: Petra Quintini

Quellen:

Archives départementales des Pyrénées-Atlantiques, Pau

Gedenkbuch Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945, 2 BĂ€nde, (Bearb. vom Bundesarchiv Koblenz und dem Internationalen Suchdienst Arolsen), Koblenz 1986

Klarsfeld, Serge: Vichy-Auschwitz. Die Endlösung der Judenfrage in Frankreich. Darmstadt: Wiss. Buchgesellschaft, 2007, S. 457

Staatsarchiv Freiburg, EntschÀdigungsakte Robert und Elsa Stux, F 196/1, 1181 und 800

Staatsarchiv Freiburg, Krankenakte Laura Ferber, B 822 / 2, Nr. 578 a + b