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Stolpersteine Konstanz

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Helene DUKAS,  1890 - 1942

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geb. 1890, Sulzburg

 

Verschleppt 1940

GURS

INTERNIERT DRANCY

 

1942 ermordet, Auschwitz

 

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Kreuzlinger Straße 68 heute
(2020)

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Stolperstein für Helene DUKAS
verlegt am 25.9.2020

 

Schwester: Klara DUKAS

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Helene DUKAS, 1921
Ausschnitt aus einem Hochzeitsfoto ihres Bruders Simon

Bild: Privatarchiv Familie DUKAS

 

 

Helene Dukas wurde am 20.12.1890 im südbadischen Sulzburg geboren.

 

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Geburtsurkunde von Helene Dukas.

Im Standesamtsregister ist als Vorname Helena eingetragen, Helene war der Rufname.

 

Randbemerkung links oben:
"Sulzburg, den 13. Dezember 1938.
Die Nebenbezeichnete hat zusätzlich
den Vornamen Sara angenommen."

Damit wird verschleiert, dass alle Jüdinnen zwangsweise den Vornamen Sara tragen mussten.

Bild: Standesamtsregister Sulzburg, © Stadt Sulzburg

 

 

 

Sie war das jüngste Kind von Moritz und Bertha Dukas, geb. Epstein, und wuchs mit fünf Geschwistern auf. Ihr Vater hatte 1862 eine Weinhandlung gegründet, die sich in der Hauptstraße 29 befand.

 

 

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Das Elternhaus von Helene Dukas
in der Hauptstraße 29, Sulzburg
heute (Juni 2019)

Bild: © Birgit Lockheimer

 

 

Moritz Dukas war Mitglied des Synagogenrats, im Vorstand des jüdischen Lesevereins und des Gesangvereins, und einige Jahre Vorsteher der jüdischen Gemeinde sowie Mitglied des Gemeinderats der Stadt Sulzburg. Als Vater Moritz starb, war Helene 22 Jahre alt. Er wurde neben seiner 5 Jahre zuvor verstorbenen Frau auf dem Jüdischen Friedhof in Sulzburg beerdigt.

 

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Jüdischer Friedhof Sulzburg, in der linken Bildhälfte die Grabsteine von Moritz und Bertha Dukas
(Aufnahme vom Juni 2019)

Bild: © Birgit Lockheimer

 

 

 

Helenes Bruder Simon übernahm die Weinhandlung und unterstützte die ledige Schwester. Im Mai 1921 heiratete er Fanny Eisenmann; auf dem Hochzeitsfoto ist Helene (stehend) als Zweite von links zu sehen.

 

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Hochzeit von Bruder Simon mit Fanny Eisenmann am 9.5.1921 in Sulzburg. Helene Dukas steht als Zweite von links neben ihrem Schwager Max Schriesheimer.

Bild: © Privatarchiv Familie Dukas

 

Helene Dukas zog am 18.5.1923 zu ihrer ältesten Schwester Betty nach Worms. Betty hatte David Goldschmitt, einen „Kaufmann für Landesprodukte“, geheiratet, der in Worms auch als „Kartoffel-Goldschmitt“ bekannt war, denn er handelte v.a. mit Kartoffeln, daneben auch mit Heu, Stroh und Zwiebeln. Die Familie hatte 3 Kinder und wohnte im eigenen Haus in der Rathenaustraße 29.

 

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Wohnhaus der Familie Goldschmitt in der Rathenaustraße 29 (früher Festhausstraße) in Worms im Jahr 1913. Die Familie zog 1922 dort ein.

Bild: © Stadtarchiv Worms, 04561

 

 

1930 fuhren die Eheleute Goldschmitt mit Helene zum Sederabend bei Simon Dukas nach Südbaden. Bei einem Autounfall in Freiburg kam Betty ums Leben, während David, Helene und der Fahrer nicht verletzt wurden. Nach dem Tod der Schwester blieb Helene beim Schwager in Worms. 1938 musste dieser das Haus aufgeben. Beide verließen Worms am 17.3.1939.

 

 

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Brennende Synagoge in Worms

Bild: © Stadtarchiv Worms, 16948

 

 

 

David Goldschmitt konnte zu seiner Tochter Ida nach Basel in die Schweiz emigrieren, Helene Dukas wurde von der Familie ihrer Schwester Rosa Schriesheimer, geb. Dukas, in Konstanz aufgenommen, wo bereits die ältere Schwester Klara Dukas lebte. Die Schriesheimers wohnten mit ihrem Sohn Hugo damals in der Kreuzlinger Straße 68 in einem schönen Gründerzeithaus, mussten aber im Januar 1940 in ein sogenanntes „Judenhaus“ in der Bruderturmgasse 6 umziehen. Von dort wurden sie gemeinsam am 22. Oktober 1940 ins südfranzösische Lager deportiert, wo Helene unter schwierigen Bedingungen fast 2 Jahre verbringen musste.

 

Anfang August 1942 wurde sie mit dem ersten Deportationszug aus Gurs ins Internierungslager überstellt. Wenige Tage später, am 10.8.1942 verließ der Transportzug D 901/12 um 8.55 Uhr den Bahnhof Le Bourget-Drancy in Richtung . Die näheren Todesumstände von Helene Dukas sind nicht bekannt.

 

 

Am 27. Oktober 1942 schreibt der nun in Basel lebende Schwager David Goldschmitt an Helenes Neffen Hugo Schriesheimer: „Von Tanten Helene und Klara haben immer noch nichts gehört, das ist furchtbar, die sind ja schon anfangs August im Camp de Gurs abtransportiert geworden und wohin ist bis jetzt noch nicht in die Öffentlichkeit gedrungen so Gott will bleiben sie gesund und werden der Freiheit bald zurückgegeben.“

 

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Brief von Helenes Schwager David Goldschmitt an ihren Neffen Hugo Schriesheimer vom 27. Oktober 1942

Bild: © Archiv für Zeitgeschichte ETH Zürich, NL Hugo Schriesheimer / 37

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Recherche: Birgit Lockheimer (lockheimer@hotmail.de)

Patenschaft: Dorothea Geissler

Quellen:

1)Stadtarchiv Sulzburg

2)Stadtarchiv Worms

3)Stadtarchiv Konstanz

4)Staatsarchiv Freiburg

5)Archiv für Zeitgeschichte der ETH Zürich

6)Bundesarchiv Gedenkbuch

7)ITS Arolsen

8)Marie-Elisabeth Rehn: Hugo Schriesheimer. Ein jüdisches Leben von Konstanz durch das KZ Dachau, das französische Internierungslager Gurs, das Schweizer Asyl und die USA nach Kreuzlingen, 1908-1989, hrsg. von Erhard Roy Wiehn, Konstanz 2011

9)Erich Bloch: Geschichte der Juden von Konstanz im 19. und 20. Jahrhundert. Eine Dokumentation, Konstanz 1971, 3. Auflage 1996

10)www.ancestry.com

11)www.juden-in-sulzburg.de

12)www.wormserjuden.de