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Stolpersteine Konstanz

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Alfons BECK 1905 – 1988

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geb.: 20.01.1905, Konstanz

1940 - 1944:  
Zuchthaus Ludwigsburg,  Lager Aschendorfer Moor

1944 - 1945: Zuchthaus Waldheim

 

gest.: 23.11.1988, Konstanz

haus_bodanstrasse_8

Bodanstrasse 8
heute (Juli 2010)

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Stolperstein fĂŒr  Alfons BECK
verlegt am 14.07.2010

 

 

Foto Alfons Beck

Alfons Beck

Quelle: privat

 

Alfons Beck wurde am 20.1.1905 in Konstanz geboren. Er war der Àlteste Sohn des Kaufmanns Hans Beck (gest. 1930) und seiner Frau Ottilie, geb. Helmlinger (gest. 1929).

Beck besuchte die Oberrealschule in Konstanz, 1923 Abitur, danach Studium am Technikum Konstanz. WĂ€hrend der Studienzeit war er Mitglied im Verein fĂŒr Luftschifffahrt am Bodensee, Sektion Konstanz.

 

Familie Beck 1913

Familie Beck um 1913
Alfons Beck ganz links (Pfeil)

Quelle: privat

 

Nach dem Studium arbeitete er in verschiedenen Aushilfsjobs und als Maschinenschlosser in den Rieter-Werken, die Maschinen fĂŒr die Herstellung von Ziegeln produzierte.

1933 heiratete er Maria, geb. SchreibmĂŒller. Ihr gemeinsamer Sohn Alfons verunglĂŒckte 1956 tödlich.

 
In den 20er Jahren wurde Beck  Mitglied der „Anti­faschistischen Aktion (Antifa)“; im Januar 1933 trat er  der KPD bei.

Alfons Beck war nach der MachtĂŒbernahme der Nazis Anlaufstation in Konstanz fĂŒr die Verteilung der von der KPD in ZĂŒrich gedruckten und von Kurieren nach Deutschland geschmuggelten  kommunistischen Propagandaschriften. Im Raum Konstanz  war der frĂŒhere badische kommunistische Landtags­abgeord­nete Hermann Böning aktiv. Er hatte nach dem Reichstagsbrand im Februar 1933 seinen Wohnsitz nach Basel verlegt und wirkte von hier  im sĂŒdwest­deutschen Raum. Er hatte nach der MachtĂŒbernahme der Nazis in öffentlichen Versamm­lungen zu Massen­streiks aufgerufen und versucht, kommunistische Zellen im sĂŒdbadischen Raum aufzubauen. Er organisierte zusammen mit Konstanzer Kommunisten den Transport illegaler BroschĂŒren aus der Schweiz nach Deutschland und ihre Verteilung an FunktionĂ€re in ganz Deutschland, sogar bis nach Königsberg.

Als Wanderer mit blauer Brille verkleidet, besuchte Hermann Böning vor Ort kommunistische FunktionĂ€re. Im Rucksack hatte er illegale BroschĂŒren wie „Rundschau“, „Inprekorr (Internationale Presse­korre­spondenz)“, „Rote Fahne“ oder die „SĂŒddeutsche Arbeiter Zeitung“ (herausgegeben von der wĂŒrt­tem­bergischen KPD).

Neben der Verteilung von BroschĂŒren war Böning auch verantwortlich fĂŒr das Inkasso von Mitglieds­beitrĂ€gen fĂŒr die verbotene KPD und ihre Hilfs­organisation die „Rote Hilfe“. Die Rote Hilfe war eine Art proletarisches Rotes Kreuz und unterstĂŒtzte Angehörige inhaftierter KPD-Mitglieder. Die Mitgliedsmarken fĂŒr die verbotene KPD waren als Rabattmarken fĂŒr einen „Weltrabattsparverein“ getarnt.

Bei seinen Wandertouren durch den sĂŒdbadischen Raum machte Böning immer wieder auch Station in Konstanz und fand  bei Kommunisten wie Franz Greis, Alfons Beck oder Max Braitsch  Unterkunft. In der Fremdenpension, die das Ehepaar Beck betrieb, wurden die BroschĂŒren bis zu ihrer Verteilung deponiert.

Neben Hermann Böning, der im August 1933 verhaftet wurde, war im sĂŒdwestdeutschen Raum auch Willi Bohn fĂŒr die verbotene KPD aktiv. Willi Bohn hatte von ZĂŒrich aus, wohin er nach der MachtĂŒbernahme der Nazis emigriert war, ein konspiratives Netz fĂŒr die illegale Einfuhr und Verteilung von kommunistischen BroschĂŒren aufge­baut. Diese „Transport­kolonne Otto“ bestand aus kleinen Zellen zu je 3 bis 5 Mann, die die Namen der Mitglieder anderer Zellen nicht kannten. Auch die Mitglieder der „Transportkolonne Otto“ depo­nierten die illegalen kommunistischen BroschĂŒren in der Wohnung von Alfons Beck. Im Oktober 1934 wurde auch Willi Bohn verhaftet. Mit dessen Verhaftung war Beck nach eigenen Aussagen vom „direkte(n) Großversand von KP-Literatur abge­schnitten.“

Bis Anfang 1934 fungierte Beck  auch als Kassierer fĂŒr die Konstanzer KPD und die Rote Hilfe. Er beherbergte bei sich auch Emigranten und MĂ€nner, die in die Schweiz oder weiter nach Spanien wollten, um dort im BĂŒrgerkrieg gegen Franco zu kĂ€mpfen.

 

 

Am 11.11.1939 wurde Alfons Beck verhaftet. Seine eigene Frau hatte ihn aus Rache bei der Gestapo angezeigt, weil er eine Liebschaft mit einer anderen Frau hatte. Am 15.12.1939 erließ das Amtsgericht Konstanz Haftbefehl gegen Alfons Beck und seine Frau Maria wegen Vorbereitung zum Hochverrat und Abhörens von Feindsendern.

 

Am 8. April 1940 wurde Beck vom 1. Strafsenat des Oberlandesgerichts Stuttgart unter dem Vorsitz von SenatsprĂ€sident Cuhorst wegen Vorbereitung zum Hochverrat und Verbrechens gegen § 1 der Verordnung ĂŒber außerordentliche Rundfunkmaß­nahmen vom 1. September 1939 zu 4 Jahren Zuchthaus verurteilt. Er verbĂŒĂŸte seine Strafe im Zuchthaus Ludwigsburg. Seine HĂ€ftlings­nummer war 846612.

Seine Frau wurde wegen Mitwisserschaft zu 18 Monaten Zuchthaus  verurteilt. Sie verbĂŒĂŸte ihre Strafe im FrauengefĂ€ngnis Gotteszell bei SchwĂ€bisch GmĂŒnd.

 

 

Am 22.4.1940 wurde Alfons Beck von Ludwigsburg in das Straf­gefan­genenlager II Aschen­dorfer­moor im Emsland verlegt.

Nach VerbĂŒĂŸung seiner Strafe am 18. Mai 1944 kam Alfons Beck jedoch nicht frei, sondern wurde am GefĂ€ngnistor erneut verhaftet und in das Zuchthaus Waldheim, ca. 30 km nördlich von Chemnitz, in Sachsen eingewiesen. Es war bei den Nazis ĂŒbliche Praxis, dass politische Gefangene nach VerbĂŒĂŸung ihrer regulĂ€ren GefĂ€ngnis- oder Zuchthausstrafe in ein Konzentra­tionslager ĂŒberstellt wurden.

Im Zuchthaus Waldheim saßen ĂŒberwiegend Personen ein, die wegen Abhörens von „Feindsen­dern“ und Vorbereitung zum Hochverrat verurteilt waren. In Waldheim war Alfons Beck bis zur Befreiung des GefĂ€ngnisses durch sowjetische Truppen am 6/7. Mai 1945 eingekerkert.

 

Insgesamt verbĂŒĂŸte Alfons Beck eine
Zuchthausstrafe von 5 Jahren, 5 Monaten und 28 Tagen.

 

In der Haft zog sich Beck schwere gesundheitliche SchĂ€den zu. Nach dem Krieg war Beck wegen TBC mehrere Male in einer Heilanstalt in Todtmoos/Schwarzwald zur Behandlung. Wegen seiner angeschlagenen Gesundheit hatte er auch Probleme, Arbeit zu finden. Schließlich fand er eine Stelle als Hausmeister im Stadttheater Konstanz.

 

Beck blieb auch nach dem Krieg seinen kommu­nistischen Idealen treu. Als SekretĂ€r leitete er einige Jahre das BĂŒro der KPD in der Rosgarten­straße 9.

 

Alfons Beck verstarb am 23.11.1988 in Konstanz.

 

Sein Grab befand sich auf dem Konstanzer Haupt­friedhof, Feld 14a / G4 (Urnengrab); es wurde 2008 abgerÀumt.

 

Grabplatte Alfons Beck Urnengrab Konstanz Hauptfriedhof

Grabplatte Urnengrab Alfons BECK,
Konstanzer  Hauptfriedhof.

Das Grab wurde 2008 abgerÀumt.

Quelle: privat

 

 

Recherche: Uwe BrĂŒgmann

Patenschaft: Vera Hemm

Quellen:

E 356 d V im Staatsarchiv Ludwigsburg. Es handelt sich hier um eine Rest-Gefangenenakte, da die Prozessakten bei einem Brand des GerichtsgebÀudes infolge eines Bombenangriffs 1944 vernichtet wurden.

Vorhanden sind jedoch die Gefangenenpersonalakten von Alfons Beck und seiner Ehefrau Maria Beck unter E 356 i BĂŒ 2857, in denen das vollstĂ€ndige Urteil enthalten ist.

Im Staatsarchiv Freiburg befindet sich unter der Signatur F 196/1 Nr. 571 die Wiedergutmachungsakte von Alfons Beck.

Im Staatsarchiv Leipzig befindet sich im Bestand 20036 Zuchthaus Waldheim unter der Signatur M 44037 die Gefangenenakte von Beck, die die Stationen seiner Inhaftierung enthÀlt.

Persönliche Unterlagen aus dem Nachlass von Alfons Beck stellte mir Ronald Böhrer in KĂŒlzheim zur VerfĂŒgung.

Weick, KĂ€te; Widerstand und Verfolgung in Singen und Umgebung. Berichte, Lebensbilder und Dokumente. Singen 1982

Martin Habicht: Zuchthaus Waldheim 1933-1945. Haftbedingungen und antifaschistischer Kampf. Berlin: Dietz, 1988

Bohn, Willi: Transportkolonne Otto. Frankfurt a, M., 1970