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Stolpersteine Konstanz

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Wilhelm ARTZ  1880 – 1943

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IM WIDERSTAND

VERHAFTET 1935

ZUCHTHAUS LUDWIGSBURG

ENTLASSEN 1938

 

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Konradigasse 3 heute
(2014)

 

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Stolperstein fĂŒr Wilhelm ARTZ
verlegt am 27.06.2014

Ehefrau: Rosa ARTZ

Wilhelm Artz wurde am 20. Januar 1880 in Kleve, einer Kleinstadt von ca. 18.000 Einwohnern am unteren Niederrhein, geboren.

Er erlernte den Beruf des Dachdeckers. Nach Wanderjahren im Badischen und SchwĂ€bischen (Radolfzell, SchwĂ€bisch Hall und Ulm) ließ er sich noch vor dem Ersten Weltkrieg im schweizeri­schen Kreuzlingen nieder.

WĂ€hrend des Ersten Weltkrieges wurde Wilhelm Artz schwer verwundet. Er kehrte in der Schweiz zurĂŒck und wurde dann dort interniert.

 

1915 heiratete er Rosa, geb. Ruff, aus Hechingen. Aus dieser Ehe ging der Sohn Wilhelm hervor, geboren am 24.6.1919, der wie sein Vater ebenfalls Dachdecker wurde. Er sollte 1943 an der Ostfront fallen. Nach dem Krieg wurde die Familie Artz nach Konstanz ausgewiesen.

 

Die Familie Arzt war eine typische Handwerkerfamilie und dennoch kommunistisch gesinnt. Wilhelm war seit 1919 und seine Frau Rosa seit 1923 in der kommunistischen Partei. Beide waren sehr aktiv in der Partei. Nach der MachtĂŒbernahme der Nazis ließen sich Rosa und Wilhelm Artz von ihrer kommunistischen Überzeugung nicht abbringen. So verteilten sie zum Beispiel im Sommer FlugblĂ€tter und Flugschriften der KPD in Konstanz und bei der Gastwirtschaft St. Katharina im Mainauwald, einem damals beliebten Ausflugsziel der Konstanzer. Die Eheleute waren auch in der „Roten Hilfe“ aktiv, eine Art Unter­stĂŒtzungsverein fĂŒr Kommunisten, die in Not geraten waren.

In der Wohnung der Artz‘ fanden nach 1933 Versammlungen der verbotenen KPD statt. Wilhelm und Rosa, so sollte ihnen spĂ€ter das Gericht vorhalten, seien unbelehrbare Kommunisten gewesen, was schon ihre Übernamen „Kommunisten­vater“ und „Kommunisten­mutter“ bewiesen. Wilhelm Artz war ein belesener Mann, denn er besaß eine mehrere Hundert BĂ€nde umfassende Bibliothek, die bei seiner Verhaftung beschlagnahmt wurden.

 

Am 29. Juni 1935 wurde das Ehepaar Artz von der Gestapo verhaftet. Aber erst am 12.2.1936 wurde das Ehepaar Artz vor Gericht gestellt. Das Ober­landes­gericht Karlsruhe verurteilte Wilhelm Artz wegen hochverrĂ€terischen Unternehmens zu  zwei Jahren GefĂ€ngnis. Er verbĂŒĂŸte seine Strafe im Zuchthaus Ludwigsburg.

Seine Frau Rosa kam nach einem halben Jahr Untersuchungshaft im LandgerichtsgefÀngnis Konstanz an Weihnachten 1935 wieder frei; ihre Haftdauer war wahrscheinlich deshalb so kurz, weil sie Mutter eines noch nicht volljÀhrigen Sohnes war. SpÀter wurde ihr Sohn zur Wehrmacht eingezogen und fand 1943 den Tod an der Ostfront.

 

Wilhelm Artz war durch die im ersten Weltkrieg erlittene Kriegsverletzung gesundheitlich schwer angeschlagen. „Strapazen und QuĂ€lereien“ wĂ€hrend der Haft setzten ihm weiter zu. So kam es, dass er nur wenige Jahre nach der Haft, am 5. April 1943 in Konstanz  starb.

 

 

 

Recherche: Uwe BrĂŒgmann

Patenschaft: Roxane Soergel

Quellen:

Staatsarchiv Freiburg, EntschĂ€digungsakten Rosa und Wilhelm Artz, F 196/1, Nr. 657, Nr. 5829 und Nr. 5830;  D 180, Nr. 221976

Stadtarchiv Konstanz