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Stolpersteine Konstanz

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Termine - Veranstaltungen 2020

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zum Tag des Gedenkens
an die Opfer des Nationalsozialismus

Mo., 27. Januar 2020

19:30 - 21:00 Uhr

Wolkensteinsaal, Kulturzentrum am Münster

Eintritt:frei

Gerd Buurmann: „Der Nathankomplex“

Vorträge über Antisemitismus haben Konjunktur. Gerd Buurmann macht es anders. Ebenso unverhofft wie kurzweilig erzählt er mit glänzender schauspielerischer Leistung über zweitausend Jahre Kulturgeschichte.

Der Nathankomplex ist vieles: Er wehrt Fehlinterpretationen von Heine ab, lässt zweifeln, aber auch hoffen. Judenfeindschaft hat Traditionen, weiß Buurmann. Sie setzt jahrhundertealte Gemeinplätze fort, ist in der christlichen Kultur und den Gepflogenheiten der internationalen Staatengemeinschaft zu identifizieren. Nicht zuletzt wühlt der Nathankomplex daher in den Grundfesten der postnazistischen Bundesrepublik, in ihrem Umgang mit der eigenen Geschichte, der Shoah und Israel.

 

zum Tag des Gedenkens
an die Opfer des Nationalsozialismus

Do., 30. Januar 2020

19:30 - 21:00 Uhr

Wolkensteinsaal, Kulturzentrum am Münster

Eintritt:frei

 

Vortrag und Film

Hannes Heer: „Nacht und Nebel“ –
Die Mörder sind unter uns, oder:

Der Film, mit dem alles anfing (1945-1956)
 

Der Griff Nazideutschlands zur Weltmacht endete mit der totalen Niederlage und der Bilanz von 40 Millionen unschuldig Getöteter. Diese Schuld wurde von den Deutschen nie akzeptiert, sondern einer Bande von Kriminellen zugewiesen –„Hitler war’s“.

In der BRD hat sich diese Wahrheit nur in Form ununterbrochener Tabubrüche durchgesetzt. Sechs Fälle aus dieser 60 jährigen Skandalgeschichte werden in der Vortragsreihe porträtiert.

Nacht und Nebel“ -Das mehrfach preisgekrönte halbstündige Dokumentarstück war der erste Film über das KZ Auschwitz. Alain Resnais hatte die Reste 1955 vor Ort in Farbe gedreht und die Schwarz-Weiß-Dokumente aus Archiven eingefügt. Aus diesem Material rekonstruierte er den Planeten Auschwitz mit seinen individuellen Toden und dem Massenmord im Gas, die Filiale von Krupp, Siemens, IG Farben zur industriellen Verwertung der Häftlinge und die Leichengebirge mit den letzten Sterbenden bei der Befreiung. Am Ende der Reise und zurück in der Gegenwart blieb eine Frage: „Ich bin nicht schuld, sagt der Kapo. Ich bin nicht schuld, sagt der Offizier. Ich bin nicht schuld. Wer also ist schuld?“ Der Film gab keine Antwort, weil 1945 alle die Antwort wussten und schwiegen.

Aber 10 Jahre später erinnerte Resnais daran, dass die BRD aus dem Schweigen eine lautstarke Rehabilitierung und Amnestierung der Nazi-Eliten gemacht hatte. Weil "Nacht und Nebel" dieses Konstrukt radikal in Frage stellte, ließ die Bundesregierung den für die Festspiele in Cannes nominierten Film der „deutsch-französischen Aussöhnung“ zuliebe im April 1956 aus dem Programm streichen. Aber anders als früher gab es diesmal einen internationalen Skandal, Proteste in Westdeutschland und die Aufführung des Films bei der Berlinale. Die Regierung ging in die Vorwärtsverteidigung: Der Film konnte ab Januar 1957 nur für nichtkommerzielle Zwecke von Vereinen, Institutionen und Schulen angefordert werden. Trotz dieser Zensur wurde Nacht und Nebel ein „Wendepunkt“ der Erinnerungspolitik und für 17/18jährige Jugendliche „zur ersten Konfrontation mit den Verbrechen“ des Dritten Reiches (Habbo Knoch).

Hannes Heer, Jg. 1941, Studium der Geschichte und Literatur in Bonn, Freiburg und Köln. Aktivist im SDS.1968 Staatsexamen und sofort Berufsverbot. Rundfunkautor. 1975 -79 Lehrbeauftragter Uni-versität Bremen. 1980 – 1985 Dramaturg und Regisseur am Deutschen Schauspielhaus und an den städtischen Bühnen Köln. 1985 – 1992 mehr als 20 Dokumentarfilme für ARD und ZDF. Er leitete u. a. die Ausstellungen „Vernichtungskrieg. Verbrechen der Wehrmacht 1941 bis 1944“ und „Verstummte Stimmen. Die Vertreibung der ‚Juden’ aus der Oper 1933 bis 1945.“  Heer hat zahlreiche Publikationen zur Geschichte von Antisemitismus, Nationalsozialismus, Krieg und Nachkriegserinnerung verfasst. Er ist Träger der Carl-von-Ossietzky-Medaille und lebt in Hamburg.

 

Veranstalter: Initiative „Stolpersteine für Konstanz – Gegen Vergessen und Intoleranz“ in Kooperation mit Heinrich-Böll-Stiftung Baden-Württemberg, seeMOZ e.V., Deutsch-Israelische Gesellschaft Bodensee-Region (DIG), Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Konstanz e.V., Konstanzer Friedensinitiative, Kulturamt der Stadt Konstanz, Synagogengemeinde Konstanz, Volkshochschule Landkreis Konstanz e.V., VVN-BdA Kreisvereinigung Konstanz u.a.

 

Montag 17. Feb.
19.30 Uhr

Wolkensteinsaal, Kulturzentrum am Münster

Eintritt:frei

 

2019_Voelkische_Landnahme

Seit Jahren siedeln sich junge Rechtsextreme bewusst in ländlichen Regionen an, um dort generationsübergreifend »nationale Graswurzelarbeit« zu betreiben. Dieser unauffällige Aktionismus ist gegen die moderne und liberale Gesellschaft der Großstädte gerichtet, es herrschen alte Geschlechterbilder und autoritäre Erziehungsmuster vor.  

Die Aussteiger*innen von rechts betreiben ökologische Landwirtschaft, pflegen altes Handwerk und nationales Brauchtum, organisieren Landkaufgruppen und eigene Wirtschaftsnetzwerke, die bundesweit agieren. Sie bringen sich in örtlichen Vereinen ein und gehen in die lokale Politik, um Umweltschutz mit »Volksschutz« zu verbinden und eine angebliche »Überfremdung« zu verhindern.

 

Die freie Journalistin Andrea Röpke verfolgt seit Jahren diese kaum beachtete Entwicklung. Gemeinsam mit CoAutor Andreas Speit zeigt sie die historischen Wurzeln und aktuellen Vernetzungen auf, die bis in die Parlamente reichen.

 

Veranstalter: Heinrich Böll Stiftung Baden-Württemberg, in Kooperation mit der Initiative "Stolpersteine für Konstanz – Gegen Vergessen und Intoleranz", und der  vhs Konstanz e.V.