Please enable JavaScript to view this site.

Stolpersteine Konstanz

Navigation: Steine nach Strassen

Hans Jakob VENEDEY  1902 - 1969

Themen ZurĂŒck Top Vor MenĂŒ

1902 geb. in Luzern

1930 - 1933: Gemeinderat Konstanz

1933  "Schutzhaft"

Exil Paris

1941  Lager Villerbon

1942  Exil Schweiz

 

ĂŒberlebt

 

Bild grösser: klicken

Kanzleistr. 11  heute
Rathaus Konstanz, hinterer Innenhof: Eingang zum Ratssaal
(Nov. 2012)

Foto: W. Mikuteit

 

 

stein_venedey_hans

Stolperstein fĂŒr  Hans VENEDEY
verlegt am 18.05.2012

 

Geboren 21. November 1902 in Luzern.

Letzte Adresse 1933 in Konstanz: Beethovenstraße 11

foto_venedey_hans_ca_1944

Hans Jakob VENEDEY, ca. 1944

Quelle: privat

 

Venedey stammte aus einer bĂŒrgerlichen Juristenfamilie mit langer radikal-demokratischer Tradition. Sein Vater war der hoch geachtete Konstanzer Rechtsanwalt und langjĂ€hrige badische Landtagsabgeordneter Martin Venedey (1860 - 1934), sein Großvater war Jacob Venedey (1805 - 1871), der sich 1848 als Abgeordneter in der Frankfurter Nationalversammlung fĂŒr die bĂŒrgerlichen Grundrechte wie Pressefreiheit, Versammlungsfreiheit und Gleichheit aller BĂŒrger vor dem Gesetz einsetzte.

Nach dem Abitur an der Zeppelin-Oberrealschule in Konstanz im Jahr 1922 studierte Hans Venedey Rechts- und Staatswissenschaften in Freiburg im Breisgau.

Hans Venedey hatte vier BrĂŒder: Hermann (1904-1980), Jakob (1915-1996),  Gustav (1916-1981) und Michael (1920-2005).

Hans Venedey war verheiratet mit Leni, geb. Frei, und hatte eine Tochter (geb. 1941) und  einen Sohn (geb. 1946).

WĂ€hrend seines Studiums in Freiburg trat er in die Burschenschaft Alemannia ein, in der auch sein Vater und sein zwei Jahre jĂŒngerer Bruder Hermann Mitglieder waren. Als im Sommersemester 1925 ein Konvent der Burschenschaft die Unvereinbarkeit von gleichzeitiger Mitgliedschaft in der Burschenschaft und im sozial­demokratisch ausgerichteten Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold beschloss, legten die BrĂŒder ihre BĂ€nder und MĂŒtzen auf den Tisch und erklĂ€rten ihren Austritt aus der Burschenschaft. Gleichzeitig trat auch ihr Vater Martin Venedey aus der Burschenschaft Alemannia aus.

Nach dem Studium trat er als Strafverteidiger in die Anwaltspraxis seines Vaters Martin Venedey in Konstanz ein. Bei der Beerdigung seines Vaters am 22. April 1934, der von 1891 bis 1921 Abgeordneter fĂŒr die liberale Demokratische Volkspartei im badischen Landtag war, konnten seine beiden Söhne Hans und Hermann nicht anwesend sein, da beide 1933 vor den Nazis geflohen waren. Die Trauerhalle konnte die Zahl der Menschen, die Martin Venedey das letzte Geleit gaben, nicht fassen. Man kann die große Anteilnahme der Bevölkerung auch als einen stillen Protest gegen das NS-Regime werten.

Venedey war Mitglied mehrerer Organisationen, die fĂŒr die Weimarer Republik eintraten. 1926 trat er in die SPD ein; von 1930 bis 1933 war er Mitglied des 14köpfigen Stadtrats. Neben seiner Arbeit in der SPD war Venedey auch Vorsitzender der Eisernen Front in Konstanz. Die Eiserne Front war ein Zusammenschluss verschiedener republiktreuer Organisationen wie SPD, Gewerkschaften und anderer VerbĂ€nde. Ihr Symbol waren drei Pfeile in einem Kreis, die fĂŒr den Kampf gegen die Feinde der Demokratie standen: Monarchisten, Kommunisten und Nationalsozialisten standen. Auch im Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold war er Mitglied, einem 1924 in Magdeburg zur Verteidigung der Weimarer Republik gegrĂŒndeten BĂŒndnis verschiedener demokratischer Organisationen wie SPD, Gewerkschaften und des katholischen Zentrums. Außerdem war er Vorsitzender der Deutschen Friedensgesellschaft in Konstanz, die sich besonders fĂŒr die Aussöhnung mit dem „Erzfeind“ Frankreich einsetzte. Auf dem XI. Internationalen Demokratischen Friedenskongress, der Anfang August 1931 in Konstanz stattfand, sprach er das Grußwort. Unter den Delegierten war auch der Friedensnobel­preistrĂ€ger von 1927, Ludwig Quidde.

Anfang der 30er Jahre wurde die NSDAP stĂ€rkste Partei in Konstanz. Bei den Reichstagswahlen vom 5. MĂ€rz 1933 feierte die NSDAP mit 43,9 % einen großen Erfolg. Zusammen mit dem WahlbĂŒndnis  kleinerer rechter Parteien (Kampfverband Schwarz-Weiß-Rot)) reichte es fĂŒr die NSDAP zur absoluten Mehrheit im Reich. In Konstanz erhielt die Partei zwar „nur“ 34,2 %, also fast 10 % weniger als im Reichs­durch­schnitt, wurde aber dennoch stĂ€rkste Partei. Obwohl nur etwas mehr als ein Drittel der Konstanzer Bevölkerung die Nazis gewĂ€hlt hatten, hatte die Partei ihre Positionen in allen öffentlichen Einrichtungen seit Januar 1933, als Hitler Reichs­kanzler geworden war, systematisch ausgebaut, so dass sie jetzt praktisch das politische Geschehen in der Stadt bestimmte.

Am 6. MĂ€rz 1933, einen Tag nach den Reichs­tagswahlen, hissten einige Nationalsozialis­ten die Hakenkreuzfahne auf dem Dach des Konstanzer Rathauses. Dagegen protestierte Venedey in scharfer Form in einem Schreiben an den parteilosen OberbĂŒrgermeister Otto Moericke: "Bei der roten Fahne mit dem schwarzen Hakenkreuz im weißen Feld... handelt es sich um eine Parteifahne, die keineswegs eine verfassungsmĂ€ĂŸige Fahne, sondern ein ausge­sprochenes Kampfsymbol einer Partei ist. Dieses Kampf­symbol richtet sich in schĂ€rfster Form gegen alle StaatsbÂ­ĂŒrger, die der NSDAP nicht angehören, insbeson­dere aber gegen alle Republikaner, die in der Stadt Konstanz immerhin noch die Mehrheit bilden. In der Hissung der nationalsozialistischen Fahne liegt eine Herausforderung aller freiheitlich gesinnten Staats­bĂŒrger und eine KrĂ€nkung unserer jĂŒdischen MitbĂŒrger, da die Fahne das Zeichen des Antisemi-tismus, das Hakenkreuz, enthĂ€lt." Erst am Abend desselben Tages wurde die Fahne auf Grund einer VerfĂŒgung des badischen Staatsministers des Innern wieder vom Dach geholt. In der Sitzung des Stadtrates vom 9. MĂ€rz 1933 rechtfertigte sich OB Moericke damit, dass Widerstand gegen die Hissung der Hakenkreuzfahne zwecklos gewesen wĂ€re.

Nach einer vorlĂ€ufigen Regelung des Reichs­prĂ€sidenten Hindenburg vom 12. MĂ€rz 1933 waren die schwarz-weiß-rote und die Hakenkreuzfahne gemeinsam zu hissen. Durch die VerkĂŒndigung des Reichsflaggen­gesetzes vom 11. April 1935 wurde die Flaggenfrage endgĂŒltig entschieden: Schwarz-Weiß-Rot, die Farben des Kaiserreichs, waren hinfort die Reichsfarben, und die Hakenkreuzfahne die National- und Handelsflagge. Damit waren die Farben von Weimar, Schwarz-Rot-Gold, aus der Öffentlichkeit verbannt.

Venedeys linke Gesinnung und sein Protest gegen die Hissung der Hakenkreuzfahne auf dem Rathaus hatte zur Folge, dass er am 14. MĂ€rz 1933 von der Gestapo auf offener Straße verhaftet und im Konstanzer GefĂ€ngnis eingesperrt wurde. Nach Intervention seines Vaters Martin Venedey, der Abgeordneter zum badischen Landtag gewesen war, wurde er am 20. April 1933 anlĂ€sslich Hitlers Geburtstag entlassen, stand danach aber unter Polizeiaufsicht. Auch im fernen Berlin war die Gestapo mittlerweile auf Hans Venedey aufmerksam geworden. Sein Name steht auf einer reichsweiten Liste von RechtsanwĂ€lten, die KPD-Mitglieder sind oder fĂŒr die KPD bzw. Rote Hilfe arbeiteten.

Am 21. MÀrz 1933 wurde Venedey aus der Liste der beim Landgericht Konstanz zugelassenen RechtsanwÀlte gelöscht.

Im Juli 1933 erfuhr er von seiner unmittelbar bevor­stehenden erneuten Festnahme und flĂŒchtete ĂŒber Basel nach Paris, wo er sich bis 1934 aufhielt.

 

foto_venedey_hans_1930er_jahre

Hans VENEDEY, 1930er Jahre in Paris
Quelle: privat

 

NĂ€chste Station seines Exils war dann ZĂŒrich, wo er bis 1936 mit seiner spĂ€teren Frau wohnte. Da seine Aufenthalts­erlaubnis nicht verlĂ€ngert wurde, ĂŒbersiedelte Venedey 1936 wieder nach Paris. Hier arbeitete er bis 1939 als Dolmetscher bei einer Regierungs­kommission fĂŒr deutsche FlĂŒchtlinge beim franz. Innenministerium. Außerdem war er fĂŒr die jĂŒdische Auswanderungs­organisation HICEM ("Hebrew Immigrant Colonization Emigration") tĂ€tig, die sich um Schiffspassagen fĂŒr FlĂŒchtlinge nach SĂŒdamerika und PalĂ€stina bemĂŒhte, und war Mitglied in einer sozialisti­schen Emigranten­organisation namens „Concentration", dessen Vorsitzender der österreichische Sozialist Julius Deutsch war. Deutsch hatte als General der republika­nischen Truppen im spanischen BĂŒrgerkrieg gekĂ€mpft.

 

venedey_hans_mitgliedskarte_sozialisten

Mitgliedskarte fĂŒr "Concentration" von Hans VENEDEY
Quelle: privat

 

1938 stellte Venedey bei der deutschen Botschaft in Paris einen Antrag auf Entlassung aus der deutschen Staats­bĂŒrgerschaft; damit wurde er staatenlos. Ostern hatte seine spĂ€tere Frau Leni eine Fehlgeburt. Im Juni 1939 heiratete er seine langjĂ€hrige Freundin Leni, geb. Frei, die ihre schweizerische StaatsbĂŒrgerschaft behal­ten konnte, weil sie mit einem Staatenlosen und nicht mit einem Deutschen verheiratet war.

Mit Kriegsbeginn im Mai 1940 wurden alle Deutschen in Frankreich verhaftet. Venedey wurde zunĂ€chst mit Tausenden anderen deutscher Emigranten im Stadion von Colombes 10 km nordwestlich von Paris interniert. Danach wurde er im Lager Villerbon bei Blois in der Dordogne im unbesetzten sĂŒdlichen Teil Frank­reichs (Vichy-Regierung) interniert. Dieses wie auch andere Lager im unbesetzten Teil Frankreichs war keine Vernichtungslager, wenngleich die Todesrate auf Grund der schlechten Verpflegung hoch war. In Villerbon z.B. tolerierte das französische Wachpersonal sonntags Familienbesuche. So erhielt auch Venedey Besuche von seiner Frau.

Im Oktober 1942 konnte er mit Hilfe eines bezahlten Fluchthelfers ĂŒber Lyon in die Schweiz fliehen, wo er zunĂ€chst in Genf interniert wurde. SpĂ€ter kam er in das Lager ZĂŒrich-Seebach, wo er fĂŒr ein geringes Entgelt zu Archivarbeiten dienstverpflichtet war. Seine Frau wohnte derweil in ZĂŒrich.

venedey_hans_1944_wohnbewilligung_zuerich

Hans VENEDEY: Wohnbewilligung ZĂŒrich 1944
Quelle: privat

 

In ZĂŒrich schloss er sich der 1943 gegrĂŒndeten Wider­standsgruppe „Bewegung Freies Deutschland" an, in der Antifaschisten, Sozialdemokraten und Kommunisten eine sozialistische Neuordnung Deutschlands nach dem Krieg konzipierten. Auf der 2. Landeskonferenz der Bewegung „Freies Deutschland" am 27. Mai 1945 im Kongresshaus ZĂŒrich setzte sich Venedey fĂŒr ein BĂŒndnis von KPD und SPD ein.

Nach Ende des Krieges kehrte Venedey Anfang August 1945 in seine Heimatstadt Konstanz zurĂŒck. Er begann nun, wie vor 1933, sich ein zweites Mal eine bĂŒrgerliche Existenz aufzubauen. Am 20. Dezember 1945 erhielt Venedey auf Antrag die deutsche StaatsbĂŒrgerschaft zurĂŒck. Ende September 1946 wurde er in Konstanz wieder als Rechtsanwalt zugelassen und grĂŒndete mit Erwin Keller eine Anwaltskanzlei.

Anfang Oktober 1945 ĂŒbersiedelte er nach Wiesbaden, weil er von Karl Geiler, dem MinisterprĂ€sident des von der amerikanischen Besatzungsmacht geschaffenen Staates Groß-Hessen am 12. Oktober 1945 zum Innenminister berufen wurde. Groß-Hessen umfasste die Gebiete des Volksstaates Hessen und der preußischen Provinz Hessen-Nassau, aber ohne das links­rheinische Rheinhessen.

 

venedey_hans_1945_als_innenminister

Hans VENEDEY (2. v. links) 1945 als hessischer Innenminister
Bildquelle: Hessisches Staatsarchiv Darmstadt

 

Als Innenminister wirkte er entscheidend bei der Ausarbeitung einer neuen Verfassung fĂŒr Hessen mit. Er war sowohl Mitglied im 12-köpfigen Verfassungsausschuss der SPD als auch im Beratenden Landesausschuss bei der Regierung. Der Landesausschuss legte am 31.3.1946 einen Verfassungs­entwurf fĂŒr Groß-Hessen vor, an dem Venedey maßgeblich beteiligt war. In der PrĂ€ambel der Verfassung hieß es zunĂ€chst: „Hessen ist eine sozialistische und demokratische Republik." Auf Druck der amerikanischen Besatzungsmacht wurde dann das Wort „sozialistisch" durch „parlamentarisch" ersetzt. Mit großer Mehrheit wurde die neue Verfassung am 1.12.1946 in einer Volksabstimmung angenommen.

 

venedey_hans_1945_beschaeftigungsnachweis

"BERUF: INNENMINISTER"
BeschÀftigungsnachweis Hans VENEDEY 1945
Quelle: privat
 

 

WĂ€hrend der Beratungen ĂŒber die neue Verfassung hatte sich Venedey stets fĂŒr sozialistische Positionen und ein Zusammengehen von SPD und KPD eingesetzt. Er war davon ĂŒberzeugt, dass nur eine vereinigte Arbeiterpartei eine friedliche und sozialististische Entwicklung Deutschlands möglich mache. Mehrmals wurde er als Ehrengast zu „Einheitsparteitagen" eingeladen. Am 10.03.1947 warb er selbst auf dem Frankfurter Römerberg vor 15.000 Zuhörern fĂŒr dieses Ziel. Weitere Redner auf dieser Großkundgebung waren Otto Grotewohl und Wilhelm Pieck von der SED aus der sowjetischen Besatzungszone. Im September 1947 nahm er an einer Zentralen Delegiertenkonferenz der Arbeitsgemein­schaften der SED/KPD in Berlin (Ost) teil, die den Zusammenschluss von SPD und KPD in den Westzonen vorantreiben sollte. Venedey berichtete auf dieser Konferenz ĂŒber die Einheitsbestrebungen in der französischen Zone. Wegen seines Engagements wurde er in die Leitung der Arbeitsgemeinschaft gewĂ€hlt, der neben 20 Vertretern der SED auch 30 Vertreter der westzonalen Einheitsbewegung angehörten.

Da die SPD unter ihrem Vorsitzenden Kurt Schumacher einen klaren Abgrenzungskurs gegenĂŒber der KPD verfolgte, wurde er am 03.7.1947 aus der SPD „wegen parteischĂ€digenden Verhaltens" ausgeschlossen. Schumacher begrĂŒndete den Parteiausschluss gegenĂŒber dem MilitĂ€rgouverneur der amerikanischen Besatzungs-zone in Deutschland, General Lucius Clay, mit folgenden Worten: "Der gegenwĂ€rtige Innenminister von Groß-Hessen, Herr Venedey, ist ... fĂŒr die Kommunisten und ihre Einheitspartei tĂ€tig ... Wir sehen einen Feind in ihm."

Venedey kĂ€mpfte nun verstĂ€rkt in der französischen Zone Baden fĂŒr seine politischen Ideen weiter. Seit August 1948 versuchte er unorthodoxe Kommunisten und linke Sozial­demo­kraten in einer neuen, von ihm gegrĂŒndeten Partei namens „Freunde der Freiheit" zu sammeln. Er war zuversichtlich, dass die Chancen dafĂŒr in Baden mit seinen demokratischen Traditionen besser seien als in Hessen. Er reiste von Landkreis zu Landkreis und versuchte frĂŒhere Parteifreunde fĂŒr diese Idee zu gewinnen, er stieß aber lediglich in BĂŒhl, Lahr und Rastatt auf gewisse Sympathien. Die Ost-West-Spannungen, die im „Kalten Krieg" mĂŒndeten (MachtĂŒbernahme der Kommunisten in der Tschechoslowakei, Ungarn und Polen 1948), hatten in den Westzonen die KPD und generell Positionen links von der SPD in Verruf gebracht. Sein Vorhaben scheiterte. Man hielt Venedey im Kreise der SPD zwar fĂŒr einen aufrichtigen Sozialisten, bedauerte aber zugleich „die Nichtigkeit, der er sich verschrieben hat."

Nach seinen vergeblichen Versuchen in Hessen und Baden, eine Aktionseinheit zwischen Kommunisten und Sozial­demokraten zu schaffen, kehrte Venedey Ende 1948 wieder nach Konstanz zurĂŒck und nahm seine AnwaltstĂ€tigkeit wieder auf. Unter anderem unter­stĂŒtzte er die Klage von Opfern des NS-Regimes gegen das Land Baden in EntschĂ€digungsfragen, vertrat aber auch Hans Constantin Paulssen, Wehrwirt­schaftsfĂŒhrer im Dritten Reich und spĂ€terer Leiter der Aluminiumwerek Singen.

Seinen politischen Überzeugungen blieb Venedey nach 1945 treu. Da er nicht mehr SPD-Mitglied war, engagierte er sich in einigen der KPD nahe stehenden Organisationen. Im „Demokratischen Kulturbund Deutschlands" (Vorsitzender bei seiner GrĂŒndung 1951 war der Verleger Ernst Rowohlt) war er bis zum FrĂŒhjahr 1957 einer der beiden Vorsitzenden. Auch im „Hauptaus-schuss fĂŒr Volksbefragung", der 1951 gegen die von Adenauer angestrebte Remilitarisierung der Bundes-republik (Dienststelle Schwerin) kĂ€mpfte, war Venedey aktiv.

Venedey war wegen seiner linken Gesinnung Anfang der 50er Jahre zahlreichen Schikanen staatlicher Stellen ausgesetzt. Als er im April 1951 einen Antrag auf HaftentschĂ€digung und Verdienstausfall infolge seiner Emigration stellte, wurde sein Antrag erst 7 (!) Jahre spĂ€ter, am 26.8.1958, mit der BegrĂŒndung abgelehnt, „dass er die freiheitlich-demokratische Grund­ordnung im Sinne des Grundgesetzes bekĂ€mpft und deswegen 
 von der EntschĂ€digung ausgeschlossen ist". Fast gleichzeitig wurde auf Veranlassung des Vorstandes des Konstanzer Finanzamtes, Bruno Helmle, eine steuerliche PrĂŒfung seiner Anwaltskanzlei vorgenommen. Das Ergebnis der PrĂŒfung war ein Bescheid auf Nachzahlung von 5000 DM an das Finanzamt. Offenbar wollte sich Helmle, eingedenk seiner erst 2012 aufgedeckten NS-Vergangenheit, als Verteidiger der neuen demokratischen Ordnung in der Bundesrepublik profilieren. Venedey antwortete dem Finanzamt, dass eine Nachzahlung in dieser Höhe sein beruflicher Ruin wĂ€re. Ob Venedey diese Summe bezahlt hat, lĂ€sst sich aus den Akten nicht belegen.

Gegen den Ablehnungsbescheid auf EntschÀdigung legte Venedey Einspruch ein und bekam vom Land­gericht Freiburg am 14.12.1959 eine EntschÀdigung in Höhe von 15.000 DM zugesprochen.

Im April 1951 beantragte Hans Venedey beim Landrats­amt Konstanz einen Reisepass. Sein Name aber stand auf einer „Schwarzen Liste" der westlichen Alliierten, sodass sein Antrag abgelehnt wurde. Den Pass bekam Venedey erst Mitte MĂ€rz 1953.

1955 nahm Venedey an einer Weltfriedenskonferenz in Helsinki teil, auf der sich die sozialistischen Staaten unter FĂŒhrung der Sowjetunion propagandistisch fĂŒr friedliche Koexistenz, gegen das atomare WettrĂŒsten und fĂŒr den Weltfrieden einsetzten.

1956 unterzeichnete Hans Venedey, zusammen mit seinem Bruder Hermann und anderen Persönlichkeiten der Stadt, das so genannte Konstanzer Manifest, das gegen die AusrĂŒstung der Bundeswehr mit Atomwaffen protestierte. Anfang der 1960er nahm er mehrmals an OstermĂ€rschen in Konstanz teil, auf denen, wie in vielen anderen StĂ€dten, „gegen atomare Kampfmittel jeder Art und jeder Nation in Ost und West" protestiert wurde. Doch in seinen letzten Jahren war Venedey eher ein "resignierter Beobachter der politischen VerhĂ€lt­nisse".

 

VENEDEY_hans_grabstein

Grabstein Hans Venedey
(Hauptfriedhof Konstanz)

 

Hans Jakob Venedey starb hochgeachtet am 9. Januar 1969 in Konstanz. Er wurde im Familiengrab der Venedeys auf dem Konstanzer Hauptfriedhof begraben.

 

 

Recherche: Uwe BrĂŒgmann

Patenschaft: Walter Venedey

venedey_hans_ostermarsch_konstanz_1960er

Ostermarsch in Konstanz gegen Militarisierung und Atomwaffen (1960er Jahre)

2. Reihe, von links nach rechts: Gustav Venedey (mit Fackel), Michael Venedey (1999-2005 Stadtrat der PDS/Die Linke),
Hans VENEDEY (mit Sonnenbrille und dunklem Mantel) und Hermann Venedey (mit Fackel)
Quelle: privat

Quellen:

Akten im Staatsarchiv Freiburg:

F 196/1, Nr. 1571 Wiedergutmachungsakte Hans Venedey

D 1/1, Nr. 895 Prozessakte des Verwaltungsgerichtshofes: Hans Venedey gegen das Landratsamt Konstanz wegen Ablehnung eines Reisepasses

F 166/8, O 665/58 Prozessakte Hans Venedey gegen das Land Ba-WĂŒ.

D 180/2, Nr. 7213 Entnazifierungsakte

Akten im Bundesarchiv Berlin

Private Unterlagen aus dem Besitz von Henriette Venedey, der Tochter von Hans Venedey. Die Kopien wurden mir von Ruth Weiler aus Singen ĂŒberlassen.

Fabian, Ruth / Coulmas, Corinna, Die deutsche Emigration in Frankreich. MĂŒnchen: K.G. Saur Verlag, 1978

Beier, Gerhard: SPD Hessen. Chronik 1945 bis 1988. Bonn: Dietz Nachf., 1989

Engelsing, Tobias: Er glaubte an die Einheit der Linksparteien, in: SĂŒdkurier, 21.11.2002 (http://www.suedkurier.de/region/kreis-konstanz/konstanz/Er-glaubte-an-die-Einheit-der-Linksparteien;art372448,152288  (14.04.2012))

Krisenjahre und Aufbruchszeit. Alltag und Politik im französisch besetzten Baden 1945-1949. MĂŒnchen: Oldenbourg, 1996, S. 133, 144

Teubner, Hans: Exilland Schweiz. Dokumentarischer Bericht ĂŒber den Kampf emigrierter deutscher Kommunisten 1933-1945. Berlin 1975, S. 195, 295, 332