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Theaterspiel im Lager Gurs

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Theaterspiel im Lager Gurs

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Theaterspiel im Lager Gurs

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THEATER IN GURS

 

Wir haben in Gurs Theater gespielt,

wenn ihr wisst, was das heißt:

Die Welt lag hinter dem Stacheldrahtzaun,

wir waren sechstausend Männer und Fraun,

arm und entgleist.

 

Wir haben im tiefsten Elend gelebt,

vergessen, verwaist,

in trostlosen Holzbaracken gehaust,

über uns war der Krieg hinweggebraust -

wenn ihr wisst, was das heißt!

 

So zauberten wir eine bunte Welt

aus Fetzen zumeist -

wir haben gezimmert und nächtelang spät

mit eiskalten Fingern Kostüme genäht.

Ihr wisst nicht, was das heißt.

 

Wir haben ums nackte Leben gespielt,

keiner ahnt, was das hieß -

für Ibsen gab es ein sechzehntel Brot,

für den „Sommernachtstraum“ ein Ei und zur Not

eine Handvoll Grieß …

 

Wir haben in froststarren Nächten geprobt,

halbverhungert zumeist -

wir haben getanzt und gesungen, geweint und gelacht,

aber Tausenden Licht und Freude gebracht.

Ihr wisst nicht, was das heißt.

 

Wir haben die Mutlosen aufgewühlt

an Seele und Geist -

haben selbst alle Schmerzen der Menschheit gefühlt:

aber wir haben Theater gespielt!

Denkt mal nach, was das heißt!

 

(unbekannter Verfasser, um 1941)