Stolpersteine Konstanz

Hans THANHAUSER    1879 - 1938

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Hans THANHAUSER    1879 - 1938

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Hans THANHAUSER    1879 - 1938

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Geboren: 03. Juni 1879

verhaftet: 11.11.1938

Opfer des Pogrom

KZ Dachau, Häftlingsnummer 22673

 

Ermordet: 04.12.1938
KZ Dachau

Döbelestrasse 4 heute (2007)

Döbelestrasse 4 heute
(2007)

Stein_Thanhauser

 
Stolperstein für Hans Thanhauser, verlegt am 14.09.2006

 

Hans Thanhauser

Hans Thanhauser

 

Hans Thanhauser, Sohn von Heinrich und Emma THANHAUSER war verheiratet mit Martha Than­hauser, geb. Ottinger. Mitinhaber "Kurz-, Weiss-, Woll- und Modewaren"-Geschäft in der Wessen­bergstr. 6. Er war Mitglied im "Komitee des Kur- und Verkehrsvereins" Konstanz.

Zuletzt wohnte er in der Döbelestr. 4.

Nach dem Pogrom am 09.11.1938 (Zerstörung der Konstanzer Synagoge) wurde Hans THANHAUSER am 11.11.1938 in das verschleppt. Im Alter von 60 Jahren kam er dort ums Leben. Ob durch Unterernährung, Totschlag oder Mord, lässst sich anscheinend nicht mehr klären.

 

 

THANHAUSER_Hans_EinwohnermeldeamtHans THANHAUSER
Einwohnermeldeamt Konstanz:
"Konzentrationslager Dachau, gestorben"

 

Seine drei Söhne waren zu diesem Zeitpunkt schon in Sicherheit:

Der älteste Sohn Ernst war schon nach dem Abitur zum Studium nach Frankreich und von dort 1935 nach Palästina gegangen. 1940 schloss er mit seiner deutschen Vergangenheit gründlich ab, indem er seinen Namen in Hebräische übertrug und sich fortan Jecheskel Tanai nannte. Er heiratete die Deutsche Ruth Bohme, das Paar bekam zwei Töchter, Michal und Shlomit. Jecheskel arbeite lange als Grundschullehrer,  unterrichtete ehrenamtlich auch Einwandererkinder in Hebräisch und spielte leiden­schaftlich gerne Violine, unter anderem im "Jordan Valley Orchestra".

 

Der jüngere Sohn Kurt geb. am 09.04.1915 in Konstanz, emigrierte am 10.04.1937 nach Sao Paolo, Brasilien. Von hier übersiedelte er später nach Argentinien. Wenige Wochen vor Kriegsbeginn konnte er seine in Konstanz zurückgebliebene Mutter Martha nachkommen lassen.

Auch dem jüngsten Sohn, Heinz Karl, gelang es, rechtzeitig nach Palästina zu emigrieren.

 

Hans THANHAUSER Testimonial des Sohns, Jecheskel TANAI  in der Datenbank von Yad Vashem.   vergrössern / verkleinern: Bild anklicken

Hans THANHAUSER
Testimonial des Sohns, Jecheskel TANAI
in der Datenbank von Yad Vashem.

vergrössern / verkleinern: Bild anklicken

hmtoggle_plus1Transkription und Übersetzung des obigen "Testimonials" ) Schem ha-Mischapchat (Familienname): Thanhauser
Schem prati (persönlicher Name): Hans (Schlomoh)
Schem ha-Aw (Name des Vaters): Heinrich (Chaim)
Schem ha-Em (Name der Mutter): Emah (Emma)
Mazaw-Miaschapati (Familienstand): nassui (verheiratet)
Taarich ha-Ledah (Geburtsdatum) 3.6. 1879
Makom ve-Eretz ha-Ledah (Ort und Land der Geburt): Konstanz. Germaniah
Hischteich le-Kehilat (zugehörig zu Gemeinde): Kehilat [jüd. Gemeinde] Konstanz
be-Eretz (im Land): Germaniah
ha-Netitut be-Schanat (Staat bis zum Jahr) 1938: germanit (deutsch)
ha-Mikzoa (Beruf): Bal Beit Michsar (Geschäftsinhaber)
Ha-Makom we-Sman schel ha-meto (Ort und Datum seines Todes): Machaneh Rikus (Konzentrationslager) Dachau Germaniah 4. 12. 1938
Nessibot ha-Mawet (Todesumstände): Inujim (Qualen/ Folter) be-Machaneh Rikus (im Konzentrationslager)
Schem ha-ischat (Name der Frau): Thanhauser Martha
Schem Mischpachah lifnei ha-Nischuin (Familienname vor der Heirat):  Ot(t)inger
_________________________________
Ani (Ich): Tanai, Jecheskel
Wohnhaft in: Ramat Dawid   - Ke-Chowat Ssalach (Schadensanspruch/ Wiedergutmachung (?): ?????
Karow (Angehöriger/ Familienmitglied) Massad (Stiftung): Ben habarur: Der offensichtliche (Sohn) schel (von): Thanhauser Hans
Makom we-Taarich (Ort und Datum): Ramat Dawid 4.7.55 Jecheskel Tanai
:

(Für Transkription und Übersetzung Dank an Thomas UHRMANN)

 

 

Die Urne aus Dachau wurde in Kreuzlingen auf dem jüdischen Friedhof in Bernrain beigesetzt (Grab Nr. 4).

thanhauser_hans_grabstein_kl

Hans THANHAUSER
Grabstein auf dem jüdischen Friedhof Kreuzlingen-Bernrain
(Foto: Mai 2017)

 

 

 

 

 

 

Recherche: Alfred Hinz / Hendrik Riemer /
Ergänzungen: Maik Schluroff

Patenschaft: E. Roy Wiehn

Quellen:

Stadtarchiv Konstanz, Einwohnermeldekarten, Adressbücher 1936 - 1938

Erich Bloch, Geschichte der Juden von Konstanz, 3. unveränderte Auflage, Konstanz 1996

Lothar Burchardt, Dieter Schott, Werner Trapp, Konstanz im 20. Jahrhundert, Die Jahre 1914 bis 1945, Konstanz 1990, hier: Werner Trapp, Konstanz in der Zeit des Nationalsozialismus, S. 221 ff;

Erhard R. Wiehn (Hrsg.), Novemberpogrom 1938, Konstanz 1988

Erhard R. Wiehn (Hrsg.), Oktoberdeportation 1940, Konstanz 1990

Erhard R. Wiehn, private Hinweise zu Hans Thanhauser

Archivdirektion Stuttgart (Hg), Die Opfer der nationalsozialistischen Judenverfolgung in Baden-Württemberg 1933-1945, Ein Gedenkbuch, Stuttgart 1969 (Beiband zu Band 20)

Tobias Engelsing, "Das jüdische Konstanz Blütezeit und Vernichtung". Südverlag: Konstanz 2015, S. 172f