Stolpersteine Konstanz

Robert STUX    Jg. 1875

Inhaltsverzeichnis zeigen/verbergen

Robert STUX    Jg. 1875

zurück weiter  

Robert STUX    Jg. 1875

zurück weiter zum Drucken muss Javascript aktiviert sein Helfen Sie Fehler zu beseitigen!  

DEPORTIERT 1940

GURS

BEFREIT / ÜBERLEBT

vergrössern / verkleinern: Bild anklicken

vergrössern / verkleinern: Bild anklicken

Seestr. 29 heute
(2014)

stein_STUX_robertStolperstein für Robert STUX
verlegt am 27.06.2014

Ehefrau: Elsa STUX

foto_STUX_Robert_Elsa
Robert und Elsa STUX
anlässlich ihrer Goldenen Hochzeit
Anfang der 1950er-Jahre

 

Robert Stux wurde am 03.01.1875 in Leipnik/Mähren, einem Provinzstädtchen, in der österreichisch-ungarischen Monarchie geboren.

Er studierte in Brünn bis 1896 Maschinenbau und leistete dann bis 1900 bei der k.u.k. Kriegsmarine in Pola (Istrien) seinen Wehrdienst ab. Anschließend ging Robert Stux nach Wien und war Maschinen­konstrukteur bei der österreichischen Firma Schember-Waagen.

1905 übersiedelte Robert Stux nach Konstanz und kaufte eine Villa in der Seestraße. Den Bau der Villa hatte Anfang der 1880er-Jahre der Besitzer und Herausgeber der „Konstanzer Zeitung“, Otto Reuss, in Auftrag gegeben. Diese Villa war von dem bekannten Konstanzer Architekten Heinrich Blattner geplant worden.

Robert Stux war Generalvertreter der Zwickauer Firma Thost, die Feuerungsöfen herstellte. Seine Einsatz­gebiete waren die Schweiz, Vorarlberg und das Sudetenland.

Anfang der 1920er-Jahre machte sich Robert Stux mit einem Ingenieursbüro selbständig.

Das Ehepaar Stux besaß ein gutbürgerliches Haus mit Bibliothekszimmer, Rauchersalon, Gästezimmer und einer Haushälterin und war sehr gastfreundlich und familienorientiert. Laura Ferber, die unverheiratete Schwester von Elsa Stux, wohnte ständig in der Villa der Stux.

Auch Schwester Gisela Ferber (geb. am 20.05.1885 in Wien) war häufig zu Besuch. Nach dem Boykott der jüdischen Geschäfte in Konstanz am 01.04.1933 kehrte Gisela Ferber Mitte April in ihre Heimatstadt Wien zurück und hat Konstanz nicht wieder besucht.

Auch der Vater von Robert Stux, Salomon Stux, war häufig zu Besuch in Konstanz; bei einem dieser Besuche ist er am 17.03.1918 in Konstanz gestorben; sein Leichnam wurde in seine Heimatstadt Leipnik überführt. Mit im Haushalt lebten zeitweise noch ein Neffe von Robert Stux und eine Pflegetochter aus Konstanz, dem das Ehepaar Stux den Schulbesuch in der Klosterschule Zoffingen und später eine Ausbildung bei der Stadt Konstanz ermöglichte. Der Neffe wanderte später nach Südafrika aus.

Wenige Tage nach dem 10. November 1938, dem Tag der Zerstörung der Konstanzer Synagoge, gab der Kreisleiter der NSDAP, Wilhelm Sandritter, den Befehl, die Pension Wieler in der Hebelstraße und  die Villa Stux zu zerstören. Oberbürgermeister Herrmann verhinderte dies, weil er offensichtlich keine Ruinen am Bodenseeufer, der Flaniermeile der Konstanzer, wollte.

STUX_Villa_Seestr.29
Villa Stux, Seestr.29
ca. 1910

Unter dem Druck der politischen Verhältnisse verkaufte das Ehepaar Stux Anfang November 1939 sein Haus in der Seestraße, die seit 1933 Adolf-Hitler-Ufer hieß. Da sich die Umbaupläne des neuen Besitzers hinzogen, konnte das Ehepaar Stux weiter im Haus wohnen bleiben. Am 14.05.1940 musste das Ehepaar auf behördliche Anweisung in das "Judenhaus" in der Bruderturmgasse 8 umziehen. Judenhäuser waren im Behördendeutsch Häuser, die  Juden gehörten und in denen nur jüdische Mieter wohnen durften.

 

Am 20.10.1940 wurden das Ehepaar Stux und Laura Ferber, die Schwester von Elsa Stux, zusammen mit 112 anderen Juden aus Konstanz nach in Süd­frankreich deportiert. Unter unbeschreiblichen Lebens­bedingungen war das Ehepaar Stux vom 25.10.1940 bis zum 07.05.1942 in Gurs inhaftiert.

Wie viele ältere Inhaftierte über 60 Jahre wurde das Ehepaar Stux nach Auflösung des Lagers nicht nach Auschwitz deportiert, sondern fand in Südfrankreich in mehreren privaten Pensionen Unterkunft. Solche Unterkünfte für ältere Juden hatte der Erzbischof von Lyon, Pierre-Marie Gerlier, bereitgestellt.

Ab dem 01.04.1944 war das Ehepaar auf der Flucht in die Schweiz. Nach einigen Wochen Quarantäne an der Grenze erhielt das Ehepaar Stux eine Aufent­haltsgenehmigung für Bern und wurde hier von einer jüdischen Hilfsorganisation unterstützt. Am 03.04.1950 musste das Ehepaar Stux die Schweiz verlassen und übersiedelte in ihre alte Heimatstadt Konstanz.

Zurück in Konstanz, klagte Stux vor der Restitu­tionskammer am Landgericht Konstanz auf Rückgabe seines 1939 verkauften Hauses. Vertreten von Dr. Herbert Engelsing, der während des Dritten Reiches bei der TOBIS-Filmkunst GmbH eine führende Position innehatte, argumentierte Stux, sein Haus sei 1939 mehr wert gewesen als der vertraglich vereinbarte Kaufpreis von 50.000 Reichsmark. Die als Zeugen geladenen Sachverständigen Hermann Blomeier, Architekt, und Paul Jordan, ehemaliger Stadtbau­meister, meinten hingegen, der Verkaufspreis habe dem damaligen Wert des Hauses entsprochen. So erhielt das Ehepaar Stux nur eine finanzielle Entschädigung für ihre Haftzeit in Gurs und ihr anschließendes Exil in Frankreich (insgesamt 1240 Tage).

Nach dem Krieg wohnte das Ehepaar Stux zunächst in einer bescheidenen Wohnung in der Oberen Laube, bis es dann einen Platz im Pflegeheim in der Hebelstraße 6/8 bekam.

Robert Stux starb am am 08.01.1957 in Konstanz. Sein Grab befindet sich auf dem jüdischen Friedhof Konstanz.

 

 

Recherche: Uwe Brügmann

Quellen:

Staatsarchiv Freiburg, Entschädigungsakten Robert und Elsa Stux, F 196/1, 1181 und F 196/1, 800 und P 303/4, 1181

 

Patenschaft: Hannelore Kaibach-Jülicher, Werner Kaibach