Stolpersteine Konstanz

Hans STÖHR,  1900 - 1972

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Hans STÖHR,  1900 - 1972

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Hans STÖHR,  1900 - 1972

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geb. 02.01.1900, Feckenhausen, Kreis Rottweil

MEHRMALS VERHAFTET

ZULETZT 1939

„Vorbereitung zum Hochverrat"

Gefängnis Ulm

ÜBERLEBT

 

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Rauhgasse 3
heute (September 2013)
 

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stein_STOEHR_HansStolperstein für  Hans STÖHR
verlegt am 08.09.2013

 

Hans Stöhr wurde am 02.01.1900 in Feckenhausen/Kreis Rottweil geboren. Er erlernte den Beruf eines Schneiders. 1918 wurde er zum Kriegsdienst eingezogen. Als sich das deutsche Heer im Novem­ber 1918 wegen der allgemeinen Kriegsmüdigkeit auflöste, entfernte sich auch Stöhr eigenmächtig von der Truppe. Seine Sympathien mit den Kommu­nisten waren unverkennbar. Er wurde Mitglied des Spartakusbundes und später auch der Inter­nationalen Arbeiterhilfe (IAH), einer der KPD nahe stehenden Organisation, die in den 20er und 30er Jahren versuchte, soziales Elend von Arbeitern in Deutschland und Russland zu lindern.

1927 wurde Hans Stöhr Mitglied der KPD.

1929 heiratete Hans Stöhr; wegen einer Gemütskrankheit seiner Frau Maria ließ er sich jedoch bald wieder scheiden. 1948 heiratete Hans Stöhr Luise, geb. Schilling. Beide Ehen blieben kinderlos.

Hans Stöhr arbeitete mehrere Jahre als Schneider in der Schweiz, ehe er sich 1930 in Konstanz niederließ.

In Konstanz kam er mehrere Male mit dem Gesetz in Konflikt. Wegen Bettelns im Jahre 1926 musste er 4 Tage ins Gefängnis. 1932 wurde er wegen Beamtenbeleidigung zu 2 Wochen Gefängnis verurteilt, 1933 musste er wegen Besitzes eines Gummiknüppels für drei Monate ins Gefängnis.

 

Wegen Schmuggels und Verteilens von kommunisti­schen Broschüren und Zeitungen wurde Hans Stöhr am 07.12.1937 verhaftet und am 15.07.1938 vom Oberlandesgericht Stuttgart der Vorbereitung zum Hochverrat angeklagt und zu 1 Jahr und 2 Monaten Gefängnis verurteilt. Seine Strafe verbüßte er im Gefängnis Ulm. Dabei wurde die Untersuchungshaft von 7 Monaten angerechnet. Am 15.02.1939 wurde er entlassen.

Genau gegenüber von der Rauhgasse 3 ist das sehenswerte "Weltmenschen-Haus":

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Rauhgasse 6

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Am 20.09.1939 wurde Stöhr zum Infanterieregiment 290 eingezogen und zum Schanzen am Westwall eingesetzt. Wegen Kritik an einem Vortrag zur Situation in der Sowjetunion wurde er am 06.12.1939 vom Kriegsgericht Germersheim zu 3 Jahren Gefängnis verurteilt. „Stöhr muss in ein Straflager überführt werden, da er Kommunist war, ist und bleibt". Seine Strafe verbüßte er in den Wehrmachtsgefängnissen Germersheim, Siegelbach und Bruchsal. Im Oktober 1942 wurde Stöhr auf Bewährung freigelassen und im Januar 1943 an die Ostfront versetzt. Im April 1944 kam er in russische Gefangenschaft, aus der er am 30.08.1946 entlassen wurde.

Zurück in Konstanz, stellte Stöhr, wie alle politisch Verfolgten, einen Antrag auf Haftentschädigung. Das Landesamt für Wiedergutmachung in Freiburg attestierte ihm, dass er 4 Jahre, 2 Monate und 1 Tag aus politischen Gründen inhaftiert war.

Hans Stöhr starb mit 72 Jahren am 31.01.1972 in Konstanz.

Recherche: Uwe Brügmann

Patenschaft: Monika IHLE

Quellen:

Wiedergutmachungsakte Hans Stöhr im Staatsarchiv Freiburg, Signatur F 196/1, 679

Im ITS Arolsen keine Unterlagen.