Stolpersteine Konstanz

Margot EVANS, geb. Spiegel,  geb. 1914

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Margot EVANS, geb. Spiegel,  geb. 1914

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Margot EVANS, geb. Spiegel,  geb. 1914

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geb.: 1914

1937 Emigration in die USA

überlebt

 
 
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Bahnhofstr. 12 heute
(November 2012)

Foto: W. Mikuteit

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Stolperstein für Margot SPIEGEL, verlegt am 22.5.2009

 

Margot Spiegel, Tochter von Leopold und Betty Spiegel, ging nach dem Abitur, aufgrund der Perspektivlosigkeit für jüdische Einwohner zur Zeit der nationalsozialistischen Herrschaft, zunächst nach Italien und Frankreich.

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Margot Spiegel

1937 Emigration in die USA, so entging sie dem Holocaust. Ihre ganze Familie wurde in Auschwitz ermordet.

Familie Spiegel

Die Familie Spiegel war eine jüdische Familie, die von 1906-1940 in Konstanz lebte und 4 Mitglieder umfasste: den Vater Leopold, die Mutter Betty, die Tochter Margot und den Sohn Helmut.

Außer Margot, die bereits nach dem Abitur wegen der zunehmenden Judenfeindlichkeit ins nahe Ausland, schließlich nach Amerika auswanderte und so dem Holocaust entging, wurde die ganze Familie in Auschwitz ermordet.

Leopold Spiegel war Anwalt und kam 1906 nach Konstanz, wo er am 10.November 1908 Betty heiratete. 1910 wurde Helmut geboren, im Frühjahr 1914 Margot.

 

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Margot EVANS, geb. SPIEGEL,
mit ihrem Mann, Joseph EVANS
in den USA

 

Im Zuge des Machtaufschwungs der National-sozialisten war die Familie vielen Diskriminierungen ausgesetzt und  der Vater verlor seine Zulassung als Rechtsanwalt und somit seine Existenzgrundlage.

Nach der Reichspogromnacht wurde er wie viele andere männliche jüdische Bürger der Stadt in das KZ Dachau gebracht und dort vom 12. bis zum 20. November in die sogenannte „Schutzhaft" genommen.

Am 22. Oktober 1940 wurden die Spiegels mit den anderen jüdischen Familien aus Konstanz nach Gurs  deportiert, wenige Monate zuvor hatten sie sich um die Auswanderung nach Venezuela bemüht - vergeblich.  Die Lebensbedingungen im Lager waren furchtbar primitiv: Hunger, Not, Elend, im Winter die Kälte und im Frühjahr der zuweilen kniehohe Schlamm.

Im April 1941 erhielt die Familie Genesungsurlaub in einem Altersheim in Idron, was ihre Lage erheblich verbesserte, bis im Zuge der einsetzenden Razzien und Deportationen am 26.August 1942 das Altersheim geräumt wurde und alle Insassen im Alter bis zu 60 Jahren wieder in unterschiedliche Konzen­trationslager kamen. Die Familie Spiegel wurde getrennt, der Vater blieb in Idron, doch beantragte er sofort seine Überweisung nach Gurs, um bei seiner Familie zu sein.

Dort angekommen sah er sich einem ungeheuren Gewissenkonflikt gegenüber: Seine Familie sollte mit dem nächsten Transport nach Auschwitz fahren. Er selber stand nicht auf der Liste.

Margot SPIEGEL, 1944 (Quelle: Archiv Hans-Hermann Seiffert)

Margot SPIEGEL, 1944
(Quelle: Archiv Hans-Hermann Seiffert)

Bleiben, somit - vorerst - verschont worden sein,  seine Familie im Stich lassen oder freiwillig nach Auschwitz fahren, bei seiner Familie bleiben, voraussichtlich sterben.

Leopold Spiegel beriet sich mit Freunden, die sich in der gleichen Situation befanden, gemeinsam entschieden sie sich, ihre Familien zu begleiten.

 

Margot Evans, geb. SPIEGEL  Aufnahme 1976 (Quelle: Archiv Hans-Hermann Seiffert)

Margot Evans, geb. SPIEGEL

Aufnahme 1976
(Quelle: Archiv Hans-Hermann Seiffert)

 

So bestiegen Leopold, Betty und Helmut am 4. September 1942 gemeinsam den Convoi Nummer 28 in Drancy nach Auschwitz-Birkenau und kamen dort am 6. September 1942 an. Vermutlich wurden alle drei noch am selben Tag in die Gaskammern gebracht.

Für alle vier wurde am 22. Mai 2009 ein Stolperstein an ihrer letzten Wohnadresse in Konstanz, der Bahnhofstraße 12, verlegt.

 

Recherche: H.-H. Seiffert

Patenschaft: Gerd-Rainer Herguth

Quelle:
Hans-Hermann Seiffert: Leopold Spiegels Heldentum mit tödlicher Konsequenz