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Stolpersteine Konstanz

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Walter SEEWALD,  1912 – 1970

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geb. 11.11.1912, Konstanz

 

"Schutzhaft" 1938

DACHAU

FLUCHT 1938

 

USA

 

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Bodanstrasse 4 heute
(2019)
 

Foto: Maik Schluroff

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Stolperstein fĂŒr Walter SEEWALD
verlegt am 1.11.2019

Eltern: Klara SEEWALD, Samuel SEEWALD

 

Walter Seewald wurde am 11. November 1912 in Konstanz geboren. Seine Eltern waren Samuel und Klara Seewald, die ein TextilgeschĂ€ft in der Bodanstraße 18 fĂŒhrten.

Nach der Volksschule besuchte er von Ostern 1922 bis Ostern 1928 die Zeppelin-Oberrealschule (heute Humboldt-Gymnasium) in Konstanz.

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Walter SEEWALD, SchĂŒlerkarte 1928
Darin wird bescheinigt, dass er  mit Zeugnis vom 30. Mrz 1928 die Zeppelin-Oberrealschule verließ.

Bildquelle: Humboldt-Gymnasium Konstanz

 

 

Danach machte er die Ausbildung zum Textilkaufmann in Schönebeck an der Elbe (Sachsen-Anhalt). Schönebeck war ein kleines StĂ€dtchen mit ca. 35.000 Einwohnern, darunter 25 jĂŒdischen Familien (0,24 % der Gesamt­bevölkerung). In Schönebeck gab es zwei große jĂŒdische KaufhĂ€user, Conitzer und Schlesinger sowie mehrere kleinere TextilgeschĂ€fte in jĂŒdischer Hand. Anfang Oktober 1932 kehrte Walter Seewald zurĂŒck nach Konstanz.

Wenig spĂ€ter, am 1. April 1933, musste er miterleben, wie das GeschĂ€ft seines Vaters von den Nazis boykottiert wurde. Wie an vielen jĂŒdischen GeschĂ€ften im Reich wurde auch an die Schaufensterscheibe von Seewalds GeschĂ€ft ein Plakat angebracht mit dem Text: „Deutsche! Wehrt Euch! Kauft nicht bei Juden“.

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Boykotte jĂŒdischer GeschĂ€fte 1933

 

 

Angesichts der zunehmenden Ausgrenzung der Juden aus dem politischen, geschĂ€ftlichen und privaten Leben in Konstanz sah die Familie Seewald fĂŒr ihre beiden Kindern Meta und Walter in Deutschland keine Zukunft und betrieb relativ frĂŒh deren Emigration.

 

 

Seine Schwester Meta (geb. am 9.4.1905) war seit dem 13. November 1930 mit Martin Löwenstein verheiratet, der im GeschĂ€ft seines Schwiegervaters angestellt war. Das Paar emigrierte am 17. September 1938 nach Chicago. Walter Seewald musste wahrscheinlich die Schrecken der Pogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938, die in der Sprengung der Synagoge und der Deportation von ĂŒber 60 Juden nach Dachau gipfelten, miterleben, da seine Familie nur wenige Hundert Meter von der Synagoge entfernt wohnte.

 

 

Am 12. November 1938, zwei Tage nach seinem 16. Geburtstag, wurde auch Walter Seewald ins verschleppt. Juden, die nach der Pogromnacht in Dachau inhaftiert wurden, wurden im Nazi-Behördendeutsch als „Aktionsjuden“ bezeichnet. Seine HĂ€ftlingsnummer in Dachau war 23259.

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KZ Dachau, Schreibstubenkarte Walter SEEWALD,
Entlassung 2. Dezember 1938

 

Seinen Eltern blieb die Deportation in das KZ Dachau erspart. Zum GlĂŒck hatte sein Vater schon vor der Pogromnacht die Emigration seines Sohnes Walter vorbereitet. Vielleicht aus diesem Grund wurde er am 2. Dezember wieder freigelassen. Die meisten Konstanzer Juden waren nĂ€mlich viel lĂ€nger in Dachau inhaftiert.

 

Am 20. Dezember 1938 verließ Walter Seewald Konstanz. Seine Eltern hatten fĂŒr ihn eine Überfahrt mit der „SS Manhattan“ vom französischen Hafen Le Havre nach New York gebucht. Das Schiff verliess Le Havre am 19. Januar 1939 und erreichte New York am 26. Januar. Von dort reiste Walter Seewald weiter nach Chicago, wo er bis mindestens 1940 bei seinem Schwager Martin Löwen­stein (Livingston) und seiner Schwester Meta wohnte. Die Löwensteins hatten ihren deutschen Namen in den USA abgelegt und nannten sich jetzt Livingston.

 

Am 24. August 1943 heiratete Walter Seewald in Chicago (Cook County) Ruth, geb. Michel. Sie kam aus Philadelphia und arbeitete als BĂŒroangestellte. Ob das Paar Kinder hatte, ist nicht bekannt. Er ĂŒbte den Beruf eines Textilkaufmanns aus. WĂ€hrend des Zweiten Weltkrieges war Walter Seewald amerikanischer Soldat.

Nach dem Krieg war Walter Seewald als amerikanischer Soldat kurz in Konstanz, um Nachforschungen ĂŒber den Verbleib des elterlichen Hausrats anzustellen. Er hatte keinen Erfolg: Der Hausrat war  am 6. und 7. Januar 1941 im Konzil öffentlich versteigert worden  -  wie auch der Besitz aller anderen nach Gurs deportierten Juden.

 

 

Walter Seewald starb am 5. Dezember 1970 in Dayton, seine GrabstĂ€tte befindet sich auf dem jĂŒdischen Friedhof „Riverview Cemetery“ in Dayton im Bundesstaat Ohio.

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Grabstein fĂŒr Walter und Ruth SEEWALD

Dayton, Montgomery County, Ohio, USA, Memorial ID 150241334

 

 

Recherche: Uwe BrĂŒgmann

Patenschaft: Bernhard Hanke

Quellen:

Staatsarchiv Freiburg, F 196/1, 3114

Stadtarchiv Konstanz

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