Stolpersteine Konstanz

Bertha Hilda SCHROFF   1911  -  1944

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Bertha Hilda SCHROFF   1911  -  1944

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Bertha Hilda SCHROFF   1911  -  1944

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geb. 1911, Konstanz

EINGEWIESEN 6.7.1937

HEILANSTALT REICHENAU

ZWANGSSTERILISIERT 1938

EINGEWIESEN 4.3.1941

HEILANSTALT EMMENDINGEN

TOT 30.5.1944

haus_radolfzellerstrasse_56

Radolfzeller Str. 56 heute
(2014)

stein_SCHROFF_BerthaStolperstein für Bertha Hilda SCHROFF
verlegt am 28.06.2014

 

foto_SCHROFF_Bertha_1

Bertha Hilda Schroff wurde am 05.04.1911 in Konstanz / Wollmatingen geboren und katholisch getauft. Ihre Eltern waren der Landwirt Max Schroff und Emma Schroff (geb. Stadelhofer).

Bertha wuchs, zusammen mit 6 weiteren Geschwis­tern, in der Radolfzeller Straße 56 auf. Sie besuchte die Volksschule in Wollmatingen und machte danach eine Lehre in der Seidenweberei Schwarzenbach.

Bertha SCHROFF (2. v.l.) mit Eltern und Geschwistern  (vergrössern/verkleinern: Bild anklicken)

Bertha SCHROFF (2. v.l.) mit Eltern und Geschwistern

(vergrössern/verkleinern: Bild anklicken)

 

Als Hausangestellte lebte sie im Jahr 1931 bei einem holländischen Ehepaar in Genf, mit dem sie dann in die Niederlande umzog. Sie erkrankte und kehrte Ende 1934 nach Konstanz zurück. Ab dem 18.12.1934 wohnte sie wieder im Elternhaus in der Radolfzeller Straße 56.

SCHROFF_Bertha_Genf_Anfang_1931
Bertha SCHROFF am Genfer See, 1931

Drei Jahre später, Bertha Schroff war mittlerweile 26 Jahre alt, wurde sie am 06.07.1937 in die Heil- und Pflegeanstalt Reichenau eingewiesen. Die Diagnose lautete Schizophrenie.

Das folgende Jahr 1938 wurde für Bertha Schroff zum Schicksalsjahr. Ab 17.05. war sie in der Emmishofer Straße 22 gemeldet, wo sie als Hausgehilfin in der Corsa–Bar arbeitete. Doch nur wenige Monate später zog sie zurück in die Radolfzeller Straße 56.

Dort erreichte sie im September 1938 ein Schreiben des Konstanzer Gesundheitsamts.

Am 09.09.1938 stellte der Amtsarzt Dr. Heid in Konstanz den Antrag auf „Unfruchtbarmachung ... der geschäftsfähigen, ledigen Hausangestellten Bertha Schroff wegen Schizophrenie.“

Er bezog sich damit auf das „Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses“, welches bereits seit dem 01.01.1934 in Kraft war und besagte, dass „wer erbkrank ist, [...] durch einen chirurgischen Eingriff unfruchtbar gemacht werden [kann], wenn ... zu erwarten ist, dass seine Nachkommen an schweren körperlichen oder geistigen Erbschäden leiden werden.“ Im Absatz 2 wird ausgeführt, was „erbkrank“ im Sinne des Gesetzes bedeutet. Neben Fallsucht, Blindheit, Taubheit wird auch Schizo­phrenie als in Frage kommende Krankheit aufgelistet.

Vom 03.10.1938 ist ein Brief des Erbgesundheits­gerichts in Konstanz datiert, in dem festgestellt wird, dass Frau Schroff wegen Schizophrenie unfruchtbar zu machen sei.

Dieser Brief muss für die 27jährige Frau nieder­schmetternd und absolut unvorstellbar gewesen sein. Gemeinsam mit ihrem Vater wehrte sie sich gegen den Vollzug dieses Bescheids. In einer Anhörung vor dem Erbgesundheitsgericht sagte sie aus, dass sie häufig Angstgefühle habe, aber gut in der Lage sei, die ihr als Hausgehilfin obliegenden Arbeiten zur vollsten Zufriedenheit ihres Arbeitgebers auszuführen.

Das Gericht jedoch hatte keinerlei Zweifel an der Richtigkeit des Gutachtens des Amtsarztes Dr. Heid. Zitat: „Nach Erfahrungen der ärztlichen Wissenschaft ist aber mit großer Wahrscheinlichkeit zu erwarten, dass etwaige Nachkommen der Bertha Hilda Schroff ebenfalls an schweren geistigen oder körperlichen Erbschäden leiden werden.“

Am 08.11.1938 wurde die Rechtskräftigkeit der Anordnung festgestellt und Frau Schroff aufgefordert, sich der „Unfruchtbarmachung“ in der Städtischen Frauenklinik Konstanz binnen 2 Wochen zu unterziehen.

Was dieser brutale Eingriff für die junge Frau bedeutete, lässt sich nur erahnen. Zusätzlich wurde sie durch den Tod von zwei Brüdern im Weltkrieg (in den Jahren 1941 und 1943) psychisch schwer belastet.

Fakt ist: 2 Jahre später, am 04.03.1941, wurde sie in die Psychiatrie Emmendingen eingewiesen. Dort verbrachte sie 3 Jahre und starb am 30.05.1944 im Alter von 33 Jahren an Lungentuberkulose und Lungenkrebs. Ihr Leichnam wurde im folgenden Monat nach Konstanz überführt und auf dem Wollmatinger Friedhof bestattet.

 

 

Recherche: Roland Didra

Patenschaft: Dorothee Jacobs-Krahnen

Quellen:

Dr. Gabriel Richter, Zentrum für Psychiatrie Emmendingen

Stadtarchiv Konstanz, Einwohnermeldekarten vor 1945

Privatarchiv Willi Schroff