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Siegfried ROSENFELD,   1874 – 1938

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1874 geb. in Konstanz

1938 Freitod

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Kreuzlinger Str. 5 heute
(2018)

 
Foto: © Wolfram  Mikuteit

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Stolperstein für
Siegfried ROSENFELD
verlegt am 9.7.2018
Foto: © Wolfram  Mikuteit

 

Bruder: Albert ROSENFELD

Siegfried Rosenfeld wurde am 1.7.1874 in Konstanz geboren. Seine  Eltern waren der Tuchhändler Jakob Rosenfeld (1847-1905) und Emma, geb. Kiefe (1854-1931). Die Vorfahren der Familie Rosenfeld stammten aus Worblingen im Hegau.

Jakob Rosenfeld war ein angesehener Bürger in Konstanz. 1893 ließ er sich in der Kreuzlinger Straße 5 ein repräsentatives Bürgerhaus bauen, das gleichzeitig auch der Firmensitz war. Er engagierte sich in vielfacher Weise für das Gemeinwohl: So war er Mitglied der freiwilligen Feuerwehr und saß seit 1880 mehrere Jahre im Bürger­schaftsausschuss für die Nationalliberale Partei. Auch in der Konstanzer jüdischen Gemeinde war er ein geschätzter Mann, war er doch mehrere Jahre Mitglied des Synagogenrats.

Jakob Rosenfeld hatte drei Kinder: Albert, Siegfried und Cäcilie. Cäcilie war mit dem Textilfabrikanten Jakob Erlanger verheiratet, der zusammen mit seinem Bruder Adolf Erlanger eine Textilfabrik in Meersburg besaß; sie starb 1931. Albert wurde am 20.10.1940 nach Gurs deportiert und starb dort am 5.11.1940 an Erschöpfung.

Siegfried Rosenfeld lebte von seinem ererbten Privat­vermögen, er war also „Privatier“, wie es damals hieß. Er wohnte mit seinem Bruder Albert im Elternhaus in der Kreuzlinger Straße 5. Beide Männer lebten zurückgezogen und waren unverheiratet.

Das zweistöckige Haus in der Kreuzlinger Straße war gutbürgerlich eingerichtet, wie sich die Adoptivtochter des jüdischen Rechtsanwalts Eduard Frank, der weitläufig mit der Familie Rosenfeld verwandt war, erinnerte. Sie hatte 1938 die Brüder Rosenfeld öfter in ihrem Haus besucht.

Nach der Machtübernahme Hitlers 1933 wurden die Juden in Konstanz immer stärker ausgegrenzt, sowohl in beruflicher wie auch in privater Hinsicht. 1936 wurden die ersten Geschäfte in Konstanz „arisiert“, im Sommer desselben Jahres wurden in den städtischen Bädern Schilder mit der Aufschrift „Juden sind hier unerwünscht“ aufgestellt. Rechtsanwälte, Ärzte und Architekten wurden mit Berufsverbot belegt. In der Hussenstraße 21, mitten in der Stadt, hängten die Nazis einen sogenannten Stürmerkasten auf. Der Stürmerkasten war ein Wandkasten, in dem die Zeitung „Der Stürmer“ aushing, die in übelster Weise gegen die Juden hetzte.

Viele Konstanzer Juden hatten nach der Machtübernahme der Nazis die Stadt verlassen und waren ins Ausland emigriert. Warum nicht auch Siegfried Rosenfeld diesen Weg wählte, wissen wir nicht. Die finanziellen Mittel für die Emigration hätte er zweifellos gehabt; außerdem hatte er Verwandte im benachbarten schweizerischen Kreuzlingen. Vielleicht hoffte er bis zuletzt auf eine Besserung der politischen Verhältnisse. Viele Juden konnten sich einfach nicht vorstellen, dass Hitler lange an der Macht bleiben würde.

Nach dem Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich am 13. März 1938 verließen Hunderte Wiener Juden ihre Heimat­stadt und versuchten von Konstanz aus in die Schweiz zu flüchten. Man kann mit Sicherheit annehmen, dass Siegfried Rosenfeld über die fürchterlichen Ausschreitungen in Wien gegen die Juden informiert war. Angesichts der offenen Gewalt haben sich in Wien im März und April 1938 weit über hundert  Juden umgebracht.

Es ist also nicht von der Hand zu weisen, dass die Gescheh­nisse in Wien den Ausschlag für den Freitod von Siegfried Rosenfeld gegeben haben könnten. Am 22.4.1938 erhängte er sich auf dem Speicher des elterlichen Hauses in der Kreuzlinger Straße 5. Sein Freitod bewahrte ihn vor weiteren Erniedrigungen und dem Verlust seiner Würde. Wie viele Juden, die sich damals das Leben nahmen, wollte er über seinen Tod selbst entscheiden.

Da in den Akten nirgends von einer psychischen Erkrankung die Rede ist, kann man davon ausgehen, dass der Grund für seinen Freitod im immer brutaleren Antisemitismus der Nazis zu suchen ist. Für die Annahme, dass Siegfried Rosenfeld ein Opfer der Nazis war, spricht auch die Tatsache, dass er sowohl in der Dokumentation des Bundesarchivs über die Verfolgung der Juden in Deutschland als auch vom Dokumentationszentrum über den Holocaust „Yad Vashem“ in Jerusalem als Nazi-Opfer genannt wird.

Ein einfacher Grabstein auf dem Konstanzer jüdischen Friedhof kündet von seinem tragischen Schicksal.

 

 

 

 

 

Recherche: Uwe Brügmann

Patenschaft: Alexander Stiegeler

Korrektur: Das Todesdatum auf dem Stolperstein muss richtig heissen: 22.4.1938

Quellen:

Staatsarchiv Freiburg, Akte F196/1, 14775

Stadtarchiv Konstanz