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Stolpersteine Konstanz

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Josefine RENKER, geb. Schlegel, 1889 - 1940

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geb. 13.02.1889, Konstanz

Eingewiesen 1931

Heil- und Pflegeanstalt Reichenau

‚ÄěVerlegt" 27.6.1940

Grafeneck

Ermordet 27.6.1940

Aktion T4

 

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Bachgasse 8 (Konstanz-Egg)
heute (September 2013)
 

 

stein_RENKER_Josefine

Stolperstein f√ľr Josefine RENKER
verlegt am 08.09.2013

 

Josefine RENKER (geb. Schlegel) wurde am 13.02.1889 in Konstanz / Allmannsdorf geboren. Ihr Leben l√§sst sich nur anhand einiger Fakten bruchst√ľckhaft skizzieren, da es keine Nachkommen mehr gibt und Schriftst√ľcke nicht zu finden sind.

Sie war verheiratet mit dem ebenfalls in Konstanz, im Ortsteil Staad, geb√ľrtigen Karl Leo Renker (geb. am 31.08.1891). Er war Soldat im 1.¬†Weltkrieg, k√§mpfte 1916 in der Schlacht um Verdun und kam schwerh√∂rig nach Konstanz zur√ľck. Er arbeitete als Nachtw√§chter bei der Firma Zelte-Stromeyer. Das Ehepaar hatte 2 Kinder: Ernst Josef, geb. am 10.07.1924 und Karl Johann, geb. am 22.08.1928.

Drei Jahre nach der Geburt des zweiten Sohnes wurde Josefine RENKER am 02.07.1931 in die Heil- und Pflegeanstalt Reichenau eingewiesen. Es hieß, sie wäre geistig nicht mehr zurechnungsfähig gewesen.

Zu diesem Zeitpunkt lebte die Familie in der Bachgasse 8.

Die beiden Kinder kamen im Jahr 1934 zu einem Halbbruder des Vaters nach Kluftern, in der N√§he von Friedrichshafen. Im Jahr 1940 erfuhren sie vom Tod ihrer Mutter. Man sagte ihnen, sie sei an Tuberkulose verstorben. Zwei Jahre sp√§ter verstarb der zweitgeborene Sohn Karl Johann. Der √Ąltere zog zur√ľck zum Vater nach Konstanz in die Hoheneggstr. 80, bevor er von 1942 bis zum Kriegsende Soldat in der dt. Wehrmacht war.

Josefine RENKER war 9 Jahre Patientin in der Heil-und Pflegeanstalt Reichenau. Der Grund f√ľr diese lange Aufenthaltsdauer wird wohl immer ein Geheimnis bleiben. Ende 1939 begann die sogenannte . Die Heil-u. Pflegeanstalten mussten Meldeb√∂gen abgeben mit den Namen der Patienten, die sich mindestens 5 Jahre dauernd in Anstalten befanden. Diese Angabe wurde Josefine Renker zum Verh√§ngnis. Am 27.06.1940, im Alter von

51 Jahren, wurde sie zusammen mit 74 weiteren Frauen in den sogenannten von der Reichenau abgeholt. Sie wurden in einer etwa 2,5 Std. Fahrt in die 110 km entfernte auf der schwäbischen Alb deportiert und am selben Tag vergast und eingeäschert.

43 Jahre später, im Jahr 1983, wurde die Urne zusammen mit denen von weiteren 196 Opfern des Nazi-Terrors in Kellerräumen des Konstanzer Friedhofs gefunden. Auf der Urne vermerkt war ein Todesdatum und der Ort Sonnenstein (gemeint ist eine weitere Tötungs­anstalt Sonnenstein bei Pirna in Sachsen). Beides war frei erfunden, um mögliche Nachforschungen zu erschweren.

Josefine Renkers Urne wurde, gemeinsam mit den anderen aufgefundenen Urnen von Euthanasie-Opfern, an einem Mahnmal auf dem Konstanzer Friedhof bestattet. Ihr Name ist auf einem Gedenkstein zu finden.

 

 

reichenau_gedenkstaette_euthanasie_opfer

Gedenkst√§tte f√ľr 196 "Euthanasie"-Opfer
Konstanz, Hauptfriedhof

Foto: Roland Didra

 

 

 

Recherche: Roland Didra

Patenschaft: Alexander STIEGELER

Quellen:

Staatsarchiv Freiburg, Findbuch 822/3 Heil- und Pflegeanstalt Konstanz-Reichenau, B 822/3, Nr. 436

Stadtarchiv Konstanz, Einwohnermeldekarten vor 1945

Material Faulstich: Kopien der Originaltransportlisten der Aktion T 4