Stolpersteine Konstanz

Peter Julius PICARD   1919 - 2013

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Peter Julius PICARD   1919 - 2013

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Peter Julius PICARD   1919 - 2013

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geb. 1919, Konstanz

FLUCHT 1940

USA

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Wilhelmstr. 8
(jetzt: Conrad-Gröber-Str. 8)
heute (2014)

stein_PICARD_peterStolperstein für Peter PICARD
verlegt am 27.06.2014

 

foto_PICARD_Peter_1953
Peter PICARD, 1953

Peter Picard, geb. am 07.01.1919 in Konstanz, besuchte nach der Volksschule die Oberrealschule (heute Humboldt-Gymnasium).

Peter Picard war begeisterter Segler. Als 1934 Juden das Segeln verboten wurde, schlich er sich abends heimlich auf das Boot seines Freundes Franz Hitzel, später Architekt und Erbauer der Kirche Maria Hilf in Konstanz-Allmannsdorf, und genoss die Freiheit auf dem Bodensee.

Im Januar 1936 wechselte er an eine jüdische Sport­schule in Stuttgart. Man kann annehmen, dass der zunehmende Druck auf jüdische Schüler die Ursache war. In Stuttgart gab es Ende der 20er-Jahre eine blühende jüdische Gemeinde mit mehr als 4500 Juden. Im Sommer 1936 konnte er noch an einem Lang­streckenschwimmen zwischen Konstanz und Meers­burg teilnehmen.

1937 kehrte er nach Konstanz zu seinen Eltern, zurück, verließ aber Konstanz als damals noch Minderjähriger schon wieder am 30.03.1938 Richtung Florenz. Sein Vater hatte ihm eine Stelle als Hilfs-Sportlehrer beschafft. Möglicherweise ging er nach Italien, weil es dort keinen so ausgeprägten Anti­semitismus gab.

Nächste Station seiner Odyssee war Schweden, wo er von einer Stiftung, die sich um Kinder und Jugend­liche aus Nazi-Deutschland kümmerte, betreut wurde. Wie lange Peter in Schweden war, ließ sich nicht ermitteln. Anfang Januar 1940 wurde ihm die deutsche Staatsbürgerschaft aberkannt.

Durch Beziehungen und unter großen Schwierigkeiten hatte sein Vater ihm und einer Cousine eine Ausreise­genehmigung in die USA besorgt. Zu welchem Zeitpunkt seine Emigration in die USA erfolgte, ließ sich nicht ermitteln, wahrscheinlich aber Ende 1939 oder Anfang 1940. Die Flucht erfolgte auf dem Landweg über Russland und zeitlich vor der Emigration seiner Eltern. Denn als er in San Francisco, dem Ziel seiner Reise, ankam, waren seine Eltern noch nicht angekommen. Er fand Unterschlupf bei einem Bruder seines Vaters.

In den USA war er zunächst Sportlehrer, später studierte er Zahnmedizin und hatte eine eigene erfolgreiche Praxis in Walnut Creek in Kalifornien.

Peter Picard hatte einen Sohn, Robin Peter Picard, geb. 1949, der ebenfalls Arzt (Radiologe) wurde und heute in Kalifornien lebt.

Peter Picard starb am 11.08.2013 in Walnut Creek, Kalifornien.

Im Nachruf des Konstanzer Yachtclubs zu seinem Tod heißt es: "Peter war eine breit begabte Persönlichkeit mit viel Humor, Selbstironie, Witz und Herzensgüte und vermochte so, andere Menschen zu ermutigen, zu motivieren. Dieser Mensch mit seiner bewunderns­werten Begabung zur Freundschaft ist nun gegangen - eine Bereicherung durch ihn bleibt aber bei allen, die das Glück hatten, ihn zu erleben."

PICARD_Peter_Teresa_Robin_1953
von r.n.l.: Peter PICARD, Sohn Robin, Ehefrau Teresa
(1953)

Peter Picard hielt zeitlebens eine enge Verbindung mit Konstanz. Fast jedes Jahr besuchte er in Konstanz Freunde aus den 1920er- und 1930er-Jahren.

1995 stiftete er den Franz-Hitzel-Preis für die erfolg­reichste Seglerin des SSCK (Schüler-Segel-Club im Yachtclub Konstanz). Als passionierter Segler war er seit 2002 auch Mitglied im Konstanzer Yachtclub.

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Teresa und Peter PICARD, mit Werner Maihofer (ehem. dt. Bundesminister des Inneren), bei einem Besuch in Konstanz im Jahr 2000

PICARD_Peter_Skilaufen_2000
Peter PICARD beim Skilaufen im Jahr 2000 (mit 81 Jahren!)

 

Recherche:  Uwe Brügmann

Patenschaft: Regina Kraus-Hitzel

Quellen:

Aus der Tätigkeit der Architekten Ganter und Picard B. D. A. Konstanz. Barmen 1940

Erich Bloch, Geschichte der Juden von Konstanz im 19. und 20. Jahrhundert. Eine Dokumentation. Konstanz, Rosgarten Verlag, 1971, S. 217 – 219

Staatsarchiv Freiburg, Entschädigungsakte Josef Picard, F 196/1 Nr. 5822

Informationen von Frau Regina Kraus-Hitzel aus Ravensburg (April 2014)

Richard Lesser, Unsere jüdischen Schulkameraden, in: Unser Schulhaus wird hundert, Humboldt Chronik '03, hrsg. vom Alexander-von Humboldt-Gymnasium, Konstanz 2003, S. 96-100

Der Namensgeber der Conrad-Gröber-Str.
war Konstanzer Münsterpfarrer, Erzbischof, Mitglied der Waffen-SS und Erzantisemit.
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