Stolpersteine Konstanz

Josef PICARD   1879  -  1946

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Josef PICARD   1879  -  1946

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Josef PICARD   1879  -  1946

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geb. 1879, Konstanz

1933: BERUFSVERBOT

1940: FLUCHT IN DIE USA

gest. 1946, Los Angeles, USA

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Wilhelmstr. 8
(jetzt: Conrad-Gröber-Str. 8)
heute (2014)

stein_PICARD_josefStolperstein für Josef PICARD
verlegt am 27.06.2014

Ehefrau: Henriette Hedwig PICARD, Sohn: Peter PICARD

foto_PICARD_Josef
Josef PICARD
1930er-Jahre

Josef Picard wurde am 08.09.1879 in Konstanz geboren. Seine Eltern waren Julius und Babette, geb. Rothschild. Der Vater war Kaufmann. Die Familie wohnte anfangs in der Kreuzlinger Straße 38, in der Nähe vom Hauptzoll.

Nach dem Schulbesuch in Konstanz studierte Josef Picard von 1900 bis 1906 mit Unterbrechungen an der TH Stuttgart Architektur. Da er kein Abitur hatte, sondern nur das so genannte „Einjährige“ (Abgangs­zeugnis der Obersekunda), das zur Offizierslaufbahn berechtigte, konnte er sich nur als außerordentlicher Hörer einschreiben.

Nach seinem Studium war er zunächst Polier bei der angesehenen Baufirma Walther in Konstanz. 1909 gründeten Josef Picard und Hermann Ganter ein Architekturbüro am Bahnhofsplatz.

Josef Picard war verheiratet mit Henriette Hedwig, geb. Guggenheim (geb. am 11.03.1892 in Konstanz). Ihr Vater war der bekannte Konstanzer Arzt Dr. Daniel Guggenheim. Das Ehepaar hatte einen Sohn, Peter Julius, geb. am 07.01.1919 in Konstanz.

Josef Picard engagierte sich in vielfältiger Weise in seiner Heimatstadt. Er war im Vorstand des Kur- und Verkehrsvereins Konstanz, führte mehrere Jahre den Vorsitz der Konstanzer Ortsgruppe des Bundes Deutscher Architekten (BDA), war Mitglied der Jüdischen Gemeinde und äußerte sich immer wieder zu Bauvorhaben der Stadtverwaltung.

Das Architekturbüro Picard und Ganter hat zahl­reiche Bauten in Konstanz und Umgebung geplant und umgebaut. Das bekannteste Gebäude ist wohl das Haus Marktstätte 17-19 (Ecke Rosgartenstr.) aus den Jahren 1912/1913, dessen Auftraggeber die jüdischen Geschäftsleute Casewitz, Leib und Lippmann waren.

 

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Architektenmarke am Haus Marktstätte 17-19

Erwähnt werden sollen noch das „Schreiberhäusle“ der Schriftstellerin Alice Berend in der Eichhornstraße 22 (1921), das Vereinsheim des Arbeiter-Sportklubs „Bahn frei“ im Lorettowald, sowie der Umbau des Kaufhauses Klopstock in der Rosgartenstraße 27, 1931, im Stil der Neuen Sachlichkeit, zusammen mit dem renommierten Mannheimer Architekten Jakob Friedrich Morkel. Auch für die Sierenmoos-Siedlung hat das Architekturbüro Picard und Ganter einige Häuser geplant.

1933 musste Josef Picard aus seiner Firma aus­scheiden, weil er Jude war. An seine Stelle trat der Bauhausarchitekt Hermann Blomeier. Bis zu seiner Emigration unterhielt Josef Picard noch ein kleines Büro in der Schützenstraße 1, wo er kleinere Aufträge, meist Reparaturarbeiten, bearbeitete. Am 07.10.1939 musste die Familie Picard ihre Wohnung in der Wilhelmstraße 8 räumen und in ein Judenhaus in der Bodanstraße (damals Saarlandstraße) 22 umziehen. Sein vermietetes Anwesen (geräumige 5-Zimmer-Wohnung mit Mansarde und Hofstück) in der Zasiusstraße 9 musste er weit unter Wert verkau­fen.

Am 18.03.1940 emigrierte er mit seiner Frau Henriette Hedwig über Kreuzlingen in die USA, nach San Francisco, wo sein Bruder wohnte. Die Flucht erfolgte über China. In Los Angeles fand das Ehepaar eine neue Bleibe. Josef Picard nahm eine Stelle als Hausmeister an, um seinen Lebensunterhalt zu verdienen, war aber sehr unglücklich. Freunde von ihm sagten, er habe den sozialen Abstieg nicht verwunden und sei an gebrochenem Herzen gestor­ben. Ende Oktober 1940 wurde dem Ehepaar Picard die deutsche Staatsbürgerschaft aberkannt, im Mai 1946 erhielt das Ehepaar die amerikanische Staatsbürgerschaft.

 

 

Josef Picard starb am 31.08.1946 in Los Angeles.

 

PICARD_Josef_Grabstein
Grabstein Josef PICARD
"Hollywood Forever Cemetery", Garden of Shalom, Reihe 21

 

 

 

 

 

 

 

 

Recherche:  Uwe Brügmann

Patenschaft: Roland Baumgärtner

Quellen:

Aus der Tätigkeit der Architekten Ganter und Picard B. D. A. Konstanz. Barmen 1940

Erich Bloch, Geschichte der Juden von Konstanz im 19. und 20. Jahrhundert. Eine Dokumentation. Konstanz, Rosgarten Verlag, 1971, S. 217 – 219

Staatsarchiv Freiburg, Entschädigungsakte Josef Picard, F 196/1 Nr. 5822

Informationen von Frau Regina Kraus-Hitzel aus Ravensburg (April 2014)

Der Namensgeber der Conrad-Gröber-Str. war
Konstanzer Münsterpfarrer, Erzbischof, Mitglied der Waffen-SS und Erzantisemit.
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