Stolpersteine Konstanz

Oktoberdeportation 22.10.1940
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Zur Deportation ins Camp de Gurs 1940*

 

Erhard Roy Wiehn

 

Zur Deportation der Juden aus Südwestdeutschland 1940*

Die Lager Gurs und Rivesaltes als Vorstationen von Auschwitz


(Druckversion im Januar 2015 in: Erhard Roy Wiehn, „NachLese - Aus geschenkter Zeit. Konstanz: Hartung-Gorre,  2015, S. 537 ff.)

 

Vorbemerkung: 74 Jahre nach der Oktoberdeportation 1940

Je weiter die Ereignisse der Holocaust-Schoáh, der Holocaust-Katastrophe, der Katastrophe der Katastrophen, sich zeitlich zu entfernen und in der Vergangenheit zu entschwinden scheinen, desto näher rücken sie in die Gegenwart herein. Denn vielleicht wissen wir heute tatsächlich ein bißchen mehr als noch vor einer Generation. Das gilt auch für die beispiellose "Abschiebung" der südwestdeutschen Juden am 22. Oktober 1940 nach Frankreich, die erste derartige NS-Aktion gegen deutsche Juden im deutschen Reich überhaupt. 74 Jahre danach leben nur noch sehr wenige der jüngsten Deportierten als Augen- und Zeitzeugen, denen der damalige Alptraum allerdings ganz gegenwärtig geblieben ist. Für alle Jüngeren wird eigentlich schon seit gestern die Erinnerungsarbeit noch wichtiger, sei es in Form von Stolpersteinen oder Stolperbüchern oder Stolpervorträgen wie der heutige, bei dem ich in folgender Abfolge berichten möchte:

 

1. Vorgeschichten seit 1920

2. Zur Oktoberdeportation 1940

3. Hilfe für die Deportierten 1940/42

4. Ärzte, Schwestern, Kinder 1940/42

5. Zur Holocaust-Schoáh seit 1942

6. Versuch einer Schlußbetrachtung 2014

Ausgewählte Literatur

Gurs-, Rivesaltes- u. sonstige Frankreich-Literatur der Edition Schoáh & Judaica

 

 

1. Vorgeschichten seit 1920

Das Parteiprogramm der "Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei" (NSDAP) mit seinen klaren antijüdischen Forderungen war bereits im Jahre 1920 veröffentlicht worden. Auf den Tag genau fünf Jahre nach dem Ende des deutschen Kaiserreiches am 9. November 1923 war der Putsch der frühen Nationalsozialisten vor der Münchner Feldherrnhalle fehlgeschlagen. Adolf Hitler wurde verurteilt, und während der Landsberger Festungshaft schrieb er sein Manifest "Mein Kampf" mit ausführlichen Äußerungen zur nationalsozialistischen Rassenideologie. Nicht einmal 10 Jahre später, am 30. Januar 1933, kamen die Nationalsozialisten in Deutschland an die Macht.

Bereits am 1. April 1933 inszenierten die neuen Machthaber zusammen mit vielen Helfershelfern und Sympathisanten den ersten reichsweiten antijüdischen Boykott; Anfang Mai 1933 folgte die Entlassung aller "nichtarischen" Lehrkräfte aus den deutschen Hochschulen, am 10. Mai 1933 wurde die ominöse Bücherverbrennung mit den Werken vieler Autoren jüdischer Herkunft inszeniert. Im September 1935 wurden das "Reichsbürgergesetz" und das "Blutschutzgesetz" erlassen, die sogenannten "Nürnberger Gesetze". Schon im August 1938 wurden die Zwangsvornamen "Israel" und "Sara" eingeführt.

Bereits Anfang des Jahres 1938 waren ca. 500 Juden mit sowjetischem Paß ausgewiesen worden, vom 27. bis 29. Oktober wurden dann ca. 16.000 polnische Jüdinnen und Juden, die keinen deutschen Paß besaßen, von Gestapo und SS mit großer Brutalität nach Polen "abgeschoben". Unter diesen befand sich auch die Familie von Herschel Grynszpan, der daraufhin das Attentat auf den deutschen Botschaftsangehörigen Ernst vom Rath in Paris verübte, was der deutschen NS-Führung als Vorwand für den Novemberpogrom diente. Die sogenannte "Reichskristallnacht" am 9./10. November brachte (genau 20 Jahre nach dem Ende des Deutschen Kaiserreiches, 18 Jahre nach dem NS-Parteiprogramm, 15 Jahre nach dem gescheiterten NS-Putsch in München) die Zerstörung zahlreicher Synagogen, Friedhöfe, Geschäfte und Wohnungen, schlimmste Mißhandlungen vieler Menschen und zahlreiche Todesfälle, die Deportation ca. 30.000 jüdischen Männern und ihre wochen- oder monatelange Inhaftierung in den Konzentrationslagern Buchenwald, Dachau und Sachsenhausen; dazu kam neben anderen Repressalien gegen jüdische deutsche Bürgerinnen und Bürger eine sogenannte "Sühneforderung" von 1 Milliarde Reichsmark. Keine dieser Untaten von Deutschen an Deutschen wurde je bestraft oder irgendwie gesühnt.

Dem Novemberpogrom 1938 folgten bald der Ausschluß aller jüdischen Kinder aus den Schulen in Deutschland, die zwangsweise "Arisierung" – bzw. auf Deutsch Enteignung – aller "jüdischen" Unternehmen und Geschäfte, die Einrichtung von Sperrgebieten für Juden in allen Städten des Landes, später die Einziehung von Gold, Silber, Edelsteinen und Perlen, dann die Gettoisierung, Zwangsarbeit im Straßenbau und anderswo sowie zahllose weitere diskriminierende und isolierende Maßnahmen.

Am 1. September 1939 begann der Zweite Weltkrieg mit dem Überfall der deutschen Wehrmacht auf Polen, das am 28. September 1939 kapitulieren mußte. Am 8. November 1939 war im Münchner Bürgerbräu-Keller Johann Georg Elsers Attentat auf Adolf Hitler knapp gescheitert. Dem sogenannten "Blitzkrieg" folgten bald die ersten Judenverfolgungen in allen deutschbesetzten Gebieten, in Warschau wie in ganz Polen dann Anfang Oktober 1940 die Gettoisierung der jüdischen Bevölkerung, d.h. auf engstem Raum eine Zusammenpferchung von rund 500.000 Menschen, von denen dort schon viele starben; ab Sommer 1942 wurden allein aus dem Warschauer Ghetto etwa 320.000 Menschen nach Treblinka verfrachtet und sofort ermordet.[1] 

Am 3. September 1939 erklärte Frankreich dem Deutschen Reich den Krieg. Frankreich wurde etwa neun Monate später, also im Mai und Juni 1940, innerhalb von sechs Wochen von der Deutschen Wehrmacht überrannt und mußte am 22. Juni 1940 bei Compiègne (Departement Oise, Nordfrankreich) einen Waffenstillstandsvertrag unterzeichnen.[2] Artikel 19 des Waffenstillstandsabkommens vom Juni 1940 verpflichtete die französische Regierung in Vichy (Auvergne) unter dem damaligen Ministerpräsidenten und baldigen "Chef de l'Etat Franais", Marschall Henri Philippe Pétain, und stellvertretenden (späteren) Ministerpräsidenten Pierre Etienne Laval, "alle in Frankreich sowie in den französischen Besitzungen befindlichen Deutschen, die von der Reichsregierung namhaft gemacht werden, auf Verlangen auszuliefern". Damit waren Tausende von deutschen Emigranten in höchster Gefahr, insbesondere alle, die als Deutsche in französischen Internierungslagern schon festsaßen, darunter viele Jüdinnen und Juden. Der Filmklassiker "Casablanca" schildert die damalige verzweifelte Situation, und es gibt zahlreiche Zeitzeugenberichte, nicht zuletzt etwa die von Hanna Schramm, Barbara Vormeier, Varian Fry, Lisa Fittko, Gertrud Isolani und jene unserer Edition Schoáh & Judaica (S. 24).

 

2. Zur Oktoberdeportation 1940

 

Genau vier Monate nach dem deutsch-französischen Waffenstillstandsabkommen mit seinem tödlichen Artikel 19 erfolgte am 22. Oktober 1940 die Deportation der badischen, pfälzischen und saarländischen Juden nach Südwest-Frankreich, also in den Zuständigkeitsbereich der Vichy-Regierung, und zwar zunächst in das Camp de Gurs am Fuß der Pyrenäen, – eine damals und bis heute wenig beachtete und doch spektakuläre Aktion, die in ihrer Art keinerlei Parallelen aufweist: Es war die erste sog. "Abschiebung" von Deutschen durch Deutsche. Die Oktoberdeportation von 1940 bedeutete nicht nur das Ende des seinerzeit schon äußerst eingeschränkten jüdischen Lebens in Baden und der Saar-Pfalz, sondern zugleich das früher oder später vollstreckte Todesurteil für sehr viele dieser deportierten, völlig unschuldigen deutschen Bürgerinnen und Bürger, weil sie Juden waren.

 

Angehörige der Jüdischen Gemeinde Kreuzlingen,[3] die bis 1938/39 alle der Israelitischen Gemeinde Konstanz angehört hatten, waren am 22. Oktober 1940 erschütterte Zeitzeugen dieser "Abschiebung":

 

Robert Wieler: "... genauso überraschend wie der 9. November 1938 kam dann die Deportation nach Gurs, von einer Stunde auf die andere... Die Leute sind weggekommen, und wir wußten nicht wohin, keine Ahnung, kein Mensch konnte es einem sagen. Einer der Konstanzer hat aber den Mut gehabt, in Lyon eine Postkarte einzuwerfen an die Jüdische Gemeinde Kreuzlingen: 'Wir sind auf dem Weg nach Süden, wohin, wissen wir nicht!' Die Post ging damals noch sehr schnell, und so hat man gewußt: Sie sind nicht nach dem Osten gekommen! Das war der erste Hinweis, und dann kamen Nachrichten aus Gurs, es kam Post, ... die Post aus dem unbesetzten Frankreich in die Schweiz ging schnell..." (Gespräch am 23.07.1985).

 

Erna Veit: "... mein Vater war 79, und vier Wochen nach seinem 79. Geburtstag ist er in Gurs gestorben. Aber er hätte auch hier sterben können..., also ich hätt' gewünscht, daß ihm das Schicksal erspart bleibt."

 

Alice Guggenheim: "Wenn man sich vorstellt: die Leut' haben zugeschaut, wie sie die Menschen aus dem Haus raus auf die Lastwagen geschafft haben, sie haben sie rausgezogen, die sind nicht freiwillig gegangen, haben sie auf den Wagen raufgezogen und nachher in den Zug reingestopft!"

 

Erna Veit: "Jenen Dienstag vergesse ich nicht, an einem Dienstag ist es gewesen: Wir sind zusammengekommen bei meiner Schwägerin, bei der Emma; sie hat's scheint's gewußt oder irgend jemand hat gesagt: 'Heut' sind alle fortgekommen!' – Ich hab' gemeint, mich trifft der Schlag, – da waren meine Eltern dabei! Und meine Schwester auch..."

 

Alice Guggenheim: "Sie haben eine alte Frau, die Schwester vom Lippmann, vom Kleider-Lippmann, auf der Tragbahre runtergeholt, – stellen Sie sich das mal vor: Die konnte nicht laufen, auf der Tragbahre haben sie die runtergeholt und in einen Lastwagen rein!"

 

Erna Veit: "Wirklich barbarisch!" (Gespräch am 10.09. 1985)

 

Am 29. Oktober 1940 informierte SS-Obergruppenführer und General der Polizei Reinhard Heydrich als "Chef der Sicherheitspolizei und des SD" den Gesandten und SA-Standartenführer Luther im Auswärtigen Amt, der "Führer" habe die "Abschiebung" der Juden aus Baden über das Elsaß und der Juden aus der Pfalz über Lothringen angeordnet; nach Durchführung der Aktion könne mitgeteilt werden,

 

"daß aus Baden am 22. und 23.10.1940 mit 7 Transportzügen und aus der Pfalz am 22.10.1940 mit 2 Transportzügen

6.504 Juden

im Einvernehmen mit den örtlichen Dienststellen der Wehrmacht, ohne vorherige Kenntnisgabe an die französischen Behörden, in den unbesetzten Teil Frankreichs über Chalon-sur-Saône gefahren wurden.

   Die Abschiebung der Juden ist in allen Orten Badens und der Pfalz reibungslos und ohne Zwischenfälle abgewickelt worden.

   Der Vorgang der Aktion selbst wurde von der Bevölkerung kaum wahrgenommen.

   Die Erfassung der jüdischen Vermögenswerte sowie ihre treuhänderische Verwaltung und Verwertung erfolgt durch den zuständigen Regierungspräsidenten.

   In Mischehe lebende Juden wurden von den Transporten ausgenommen."[4] 

 

Was nun diese Abschiebungsordnung des "Führers" betrifft, so war sie ganz sicher voll und ganz im Sinne Adolf Hitlers, dürfte aber in erster Linie das Werk der beiden zuständigen Gauleiter gewesen sein, nämlich Josef Bürckel (Gau Westmark; in der Saarpfalz hieß bzw. heißt diese Aktion des Altparteigenossen, Führervertrauten und zeitweiligen "Reichskommissars für die Wiedervereinigung Österreichs mit dem Deutschen Reich": "Bürckel-Aktion") und Robert Wagner (Baden), von denen berichtet wird, daß sie den Ehrgeiz hatten, dem "Führer" ihre Gaue als erste "judenrein" melden zu können, was ihnen durch diese Oktoberdeportation auch gelang; denn nur ein sehr kleiner Rest blieb verschont bzw. konnte der Aktion entgehen. Es handelte sich wohlbemerkt um "Juden deutscher Staatsangehörigkeit, soweit sie transportfähig waren", darunter auch Frontkämpfer des Ersten Weltkriegs, Männer, Frauen, Kinder, Kleinkinder, Säuglinge, Greise und Kranke: Der Begriff "transportfähig" hatte somit eine erschöpfende Auslegung gefunden.

Die Mitteilung Reinhard Heydrichs vom Reichssicherheitshauptamt an das Auswärtige Amt muß man unter Maßgabe lesen, daß die französischen Delegierten der Waffenstillstandskommission in Wiesbaden sowie die Vichy-Regierung zunächst nicht von den Deportationstransporten unterrichtet waren: "Die französischen Regierungsvertreter hatten vergeblich protestiert und die Reichsregierung wiederholte Male aufgefordert, dafür zu sorgen, daß die 'Betreffenden nach Deutschland zurückbefördert und die während des Aufenthaltes in Frankreich verursachten Auslagen zurückbezahlt würden'." Ende November 1940 soll das Auswärtige Amt die deutschen Vertreter der Waffenstillstandskommission schließlich angewiesen haben, "den französischen Regierungsvertretern nahezulegen, sie mögen auf der Zurücknahme der 6.500 Juden nicht mehr bestehen, sie habe sie bei passender Gelegenheit nach Übersee oder sonstwohin abzuschieben. Deutschland habe kein Interesse mehr am weiteren Schicksal dieser Juden. Soweit sie arbeitsfähig seien, könnten sie zu Aufbauarbeiten herangezogen werden."[5] 

 

3. Hilfe für die Deportierten 1940/42

"Wir haben dann auch von Kreuzlingen Hilfe für Gurs organisiert", so Robert Wieler, "Pakete und Geld geschickt, wir haben eine richtige Organisation aufgebaut, speziell für (die Deportierten aus) Konstanz und Wangen. Also den Juden (in Gurs) von der badisch-schweizerischen Grenze ging es verhältnismäßig besser als den anderen, weil sie diese Beziehungen zur Schweiz hatten. Trotzdem sind sie dort gestorben wie die Fliegen, besonders im ersten Jahr aufgrund der unmenschlichen sanitären Verhältnisse..." (Gespräch am 23.07. 1985).

 

Hier ein Schreiben der Israelitischen Gemeinde Kreuzlingen vom 28. November 1940 (also vier Wochen nach der Deportation) an ihre Mitglieder:

Bei einer gestern in Zürich abgehaltenen Sitzung wurden von den interessierten Kreisen die Möglichkeiten der

Hilfeleistung für Gurs

besprochen. Es wurde die Errichtung einer Stelle beschlossen, welche die Besorgung von Kleider-, Schuh- und Lebensmittelsendungen und die Überweisung von Barbeträgen im Einvernehmen mit der Verrechnungsstelle übernimmt. Diese Stelle wird ihre Arbeit bereits kommende Woche aufnehmen. Genauere Mitteilungen hierüber ergehen noch. – Die Absendung von 2-kg-Lebensmittel-paketen soll möglichst eingeschränkt werden, ebenso soll mit weiteren Geldüberweisungen zugewartet werden. – Die Zusendung von Medikamenten erfolgt in großem Maßstab in Zusammenarbeit mit dem Roten Kreuz in Genf. – Der Delegierte des Roten Kreuzes ist zurückgekehrt. Die Verhältnisse im Lager sind schlimm. Immerhin ist die Versorgung mit Lebensmitteln und die Beheizung der Baracken heute besser als am Anfang. – Die durch das Rote Kreuz überwiesenen Barbeträge werden alle ausbezahlt. – Der Vorstand".

 

Wirksame Hilfe war unter den damaligen Verhältnissen in der Tat überhaupt äußerst schwer zu organisieren, und was doch immerhin erstaunlicherweise gelang, konnte gewiß in keiner Hinsicht die riesigen Bedürfnisse befriedigen. Der heute eher unverständlich wirkende Hinweis, "möglichst keine 2-kg-Le-bensmittelpakete mehr zu senden", hatte übrigens seinen Grund darin, daß das schweizerische "Kriegsernährungsamt" als oberste "Rationierungsstelle" androhte, "Sendungen nach Frankreich ganz zu verbieten, wenn sie weiter im bisherigen Umfang erfolgen". Dennoch wurde in und durch Schweizerinnen und Schweizer viel getan, aber auch durch andere Organisationen anderer Länder, auch im unbesetzten Frankreich selbst. – In einem Brief vom 28. November 1940 (also sechs Wochen nach der Deportation) schrieben die Kreuzlinger Freunde an die Konstanzer in Gurs:

 

... Sie alle wissen, wie schwer es ist, Ihnen das zu schicken, was Sie so dringend verlangen. Endlich besteht die Möglichkeit dazu. Es galt, riesige Schwierigkeiten zu überwinden, und wie Sie gemerkt haben, haben die wenigsten von uns Verwandte oder Freunde in Frankreich, die man hätte in Anspruch nehmen können. Allerdings wird es auch jetzt noch ungefähr 3 Wochen gehen, bis Sie in den Besitz des Gewünschten gelangen werden. Lebensmittel, Kleider, Schuhe u.a.m. werden wir endlich senden können. Selbstverständlich nicht an alle auf einmal. Teilen Sie ... bitte nochmals mit, was am dringendsten benötigt wird. Soweit wir unterrichtet sind, haben Sie doch einiges erhalten, um was Sie uns anfangs geschrieben haben. – Der Delegierte des Roten Kreuzes ist zurückgekehrt und hat uns einen traurigen Bericht erstattet. In der Zwischenzeit werden Sie hoffentlich alle das Geld erhalten haben. Empfangsbestätigungen aus verschiedenen Baracken sind bereits eingetroffen. Wie lange reicht dem einzelnen das Geld? Für was können Sie es z.Z. ausgeben? Medikamente geht eine sehr große Sendung durch Vermittlung des Roten Kreuzes an die Lagerleitung ab. – Ich hoffe zuversichtlich, daß es uns gelingen wird, Ihre Lage mit der Zeit erträglicher zu gestalten und unsere vielen vielen Bemühungen erfolgreich sein werden. Es ist für uns bedrückend, Ihnen erst jetzt, nach dieser langen Zeit, richtig helfen zu können. – Mit herzlichen Grüßen und Wünschen für Ihr aller Wohlergehen..." (Oktoberdeportation 1940, S. 639)

 

Am 3. April 1941 werden die Nachrichten aus Südfrankreich in einem Schweizer Schreiben folgendermaßen zusammengefaßt:

 

"Über Gurs habe ich keine neue Nachricht, aber über die Lage in den Lagern von Noé, Rivesaltes u. Récébédou, da ist es überall gleich, die dort Internierten sterben Hungers, keine nur einigermaßen genügende Verpflegung, keine Kantinen... Ich las in einem Brief einer 78-jährigen hochgebildeten Dame, sie bekomme Ohnmachten vor Elend... Ist es nicht trostlos, wenn mein Neffe in seinem letzten Brief (aus Gurs) schreibt: Bitte um Brot! ...[6] 

 

Was sich ab Oktober 1940 in Gurs und anderen Internierungslagern im damals zunächst noch unbesetzten Süden Frankreichs abgespielt hat, ist in zahlreichen Augenzeugenberichten und geschichtlichen Abhandlungen in vielen Einzelheiten nachzulesen, die sich insgesamt zu einem schwarzen Mosaik der Barbarei und Unmenschlichkeit zusammenfügen, wobei es auch das Licht einer tätigen, hilfsbereiten Menschlichkeit gab: "Von den 5.400 nach Gurs verbrachten Badenern und Pfälzern waren 2.509 zwischen 60 und 100 Jahre alt", schrieb Barbara Vormeier in einem resümierenden Überblick: "Hunderte von ihnen überlebten nicht den Winter 1940/41. Die sanitären Einrichtungen des Lagers waren menschenunwürdig, die Unterbringungsmöglichkeiten so begrenzt, daß in den Baracken für 60 Personen dem einzelnen gerade Platz für den Strohsack übrigblieb. (...) Die Internierten bemühten sich, durch kulturelle und geistige Aktivitäten die Lagerpsychose soweit wie möglich einzudämmen. Hilfskomitees (...) versuchten alles in ihren Kräften Stehende, um sich sowohl der Kinder anzunehmen als auch die allgemeinen Lebensbedingungen zu erleichtern. (...) Obgleich Gurs ebenso wie auch die anderen südfranzösischen Internierungslager kein Konzentrationslager deutschen Musters war", so Barbara Vormeier weiter, "herrschten dort unendlicher Hunger, Kälte, materielle Not und seelisches Elend. Die Familien waren nach der Ankunft auseinandergerissen worden: Männer von ihren Frauen, Mütter später auch von ihren Kindern getrennt." Kurz: "Vom Sommer 1942 an wurden für die ausländischen Juden die französischen Lager Gurs, Rivesaltes, Le Vernet, Récébédou, Les Milles, Noé (...) die Vorstationen von Auschwitz."[7] 

 

4. Ärzte, Schwestern, Kinder 1940/42

Über deportierte Ärzte, freiwillige Schweizer Kinder- und Krankenschwestern und vor allem über Kinder[8] in den französischen Internierungslagern ist bis heute nicht umfassend gearbeitet worden. Es gibt erschütternde Berichte der beiden deportierten Mannheimer Ärzte Dr. med. Ludwig Mann (1874–1949) und Dr. med. Eugen Neter (1876–1966) über die unmenschlichen Lebensbedingungen im Lager Gurs.

   "Die Monate November/Dezember 1940 und Januar 1941 sahen ein grausames Massensterben", so Dr. Neter: "Eine ruhrartige Darmerkrankung hatte um sich gegriffen, nachdem die neuen, sehr schwierigen Lebensbedingungen die Menschen, besonders die vielen Alten, körperlich und seelisch geschwächt und widerstandsunfähig gemacht hatten. Vergeblich fast war die überaus schwere Arbeit der Ärzte und das Mühen der sich aufopfernden Schwestern; zu sehr mangelte es an Arzneien, Diät, Nahrung und Pflegemitteln. In den kalten Behelfsbaracken mit 30 bis 40 Durchfallkranken eine einzige Bettschüssel. Furchtbar war die Beschmutzung bei dem Mangel an Wäsche, unsagbar die dadurch körperlich und seelisch verursachte Qual. Was jüdische Schwestern und Helferinnen damals geleistet haben, kann voll nur würdigen, wer die ungünstigen Verhältnisse miterlebt hat, unter denen sie damals ihren schweren Dienst antreten mußten. In jenen drei Monaten starben weit über 600 Männer und Frauen. Viele starben in den ersten Monaten ohne nachweisliche Erkrankung; das Herz, der ganze Körper ertrug die Umstellung nicht und versagte. Ebenso der Lebenswille, der gebrochen war durch das Furchtbare der neuen, unerträglichen Umgebung. (...) Die bitterste Episode im Camp de Gurs bildeten die im August 1942 und später durchgeführten Abtransporte ins Unbekannte (sans adresse). Die hier geübten grausamen Härten überraschten selbst den, der schon von früher an mancherlei gewöhnt war."[9]

Dr. Ludwig Manns Aufzeichnungen tragen die Überschrift "Martyrium und Heldentum in Gurs", und darin heißt es u.a.: "Man hat sie im Frankreich Lavals und Pétains aufgestöbert, gehetzt, gefangen, in Gurs gesammelt, und ich bin (zu) ihnen in das Ilôt gegangen, in dem sie zusammengepfercht in den düsteren Baracken rastlos und ratlos umherliefen oder mit leerem Blick vor sich hinstierten. Junge Menschen, alte Menschen, aus allen europäischen Ländern, die meisten aus der ehemaligen deutschen Heimat, Landsleute aus der engeren Heimat, hinter die Stacheldrähte innerhalb des Camps zusammengetrieben wie Vieh zum Markttag. Und von da, von Gurs aus, wurden die Elendstransporte nach Drancy geleitet. Fragt nicht wie! (...) In Drancy war die Hauptauftriebsstelle für diese menschliche Schlachtware. Von dort aus ging es quer durch Deutschland in die Lager, die ihr aus den Suchannoncen und Todesanzeigen des 'Aufbau' kennt. Wir wußten nicht, was da bevorstand. Wir ahnten wohl Schlimmes. Und wir fühlten, daß dieser Abschied zu keinem Wiedersehen führen werde. Aber anfangs wußten wir das nicht. Es wurde mancherlei erzählt, alles 'aus sicherer Quelle'; einige Male wurde berichtet, ein deutscher Eisenbahner, der in die Schweiz geflohen sei, habe erzählt, er habe es nicht mehr ertragen, Züge zu fahren, in denen die Juden vergast werden. Aber das glaubten wir nicht, wir konnten uns das einfach nicht vorstellen. (...) "

   Von Dr. Mann stammt auch folgende Erinnerung: "Die Frau war eine Ärztin. Klein, blaß, mit gutem Blick und reinen Augen, aus denen die Klarheit der Kinder leuchtete, die sie, die Kinderärztin, in Heidelberg betreut hatte. Ich kannte sie seit vielen Jahren. (...) Die Frauen des Ilôts fühlten das Geborgensein in ihrer Nähe, und wer in die Infirmerie des Ilôts verlegt wurde, vergaß, daß er in Gurs war."[10] Es geht um Dr. Johanna Geissmar (1877–1942), die sich vielleicht hätte retten können, diese Möglichkeit aber zurückwies: "'Es ist auch gut, wenn ein Arzt mitgeht.' Noch in der Autohalle, von der aus die Camions zum Bahnhof fuhren, kam der und jener zu ihr, jeder suchte, sie umzustimmen. Es war nichts zu machen. (...) Sie blieb fest. (...) und stieg dann mit den anderen in den Camion. Man hat nie mehr etwas von ihr gehört. (...) Ruhig und entschlossen ging sie den Weg, der (...) in den Tod führen mußte."[11]

 

Dr. Eugen Neter erwähnt neben den deportierten jüdischen Schwestern: "Die Schweizer Hilfe unter Schwester Elsbeth (Kasser) hat Außerordentliches hier (in Gurs) bei den Kindern und Jugendlichen geleistet." Und sie selbst schreibt: "Hier harrten auf engstem Raum vom Unglück verfolgte Menschen: Kranke, Alte und Kinder. Manche erfroren, viele starben vor Schwäche, und auf dem Lagerfriedhof zählte man schon nach dem ersten Winter über 1000 Gräber." Doch Elsbeth Kasser schafft einen Anfang: "die Milchausgabe für 60 Kleinkinder, das Frühstück für 750 Schulkinder und ein Vesper für 100 Jugendliche. Als nächsten Schritt sah ich die Notwendigkeit, die Kinder sinnvoll zu beschäftigen. Nach dem Frühstück wurde der Eßraum in ein Schulzimmer verwandelt, wo deutsche, französische und spanische Gruppen ihren Unterricht erhielten und mit Eifer lernten. Gute Lehrkräfte waren im Lager vorhanden. Es wurden viele frohe Wanderlieder gesungen. Geschickte Handwerkerhände fabrizierten aus Pulvermilchfässern lustige Zupfinstrumente, so daß wir unser eigenes Orchester hatten. (...) Meine Möglichkeiten zu helfen waren mehr als beschränkt, und dies wurde mir immer wieder schmerzlich bewußt. Unzählige, traurige Schicksale zogen an mir vorüber. (...) Zu Tausenden – darunter Kranke auf Tragbahren – wurden sie eines Nachts in Camions gepfercht und gezwungen, eine furchtbare Reise ins Ungewisse anzutreten. Meine Mitarbeiterin (...) und ich standen hilflos daneben und konnten nichts tun als kleine, letzte Dienste erweisen: verzweifelte Bitten aus den Frauenbaracken weitergeben, Eheringe, Uhren oder wichtige Papiere weitervermitteln, etwas Käse für die Reise verteilen und versuchen, diese armen, gehetzten Menschen etwas zu beruhigen. (...) Nie werde ich die von Todesangst erfüllten Augen der Deportierten vergessen können und die Stimme, die mir aus dem Camion zurief: 'Schweizer Schwester, sagen Sie es in Ihrer Heimat, sagen Sie es der ganzen Welt, was hier geschieht!'"[12]

 

Wie die Schweizer Schwester Elsbeth Kasser in Gurs, so wirkte die in Wien geborene Schweizer Schwester Friedel Reiter (1912–2001) im Camp de Rivesaltes, und zwar von Mitte November 1941 bis gegen Ende November 1942, worüber sie ein ausführliches Tagebuch führte,[13] zum Beispiel, daß es am 5. Dezember 1941 dort ca. 1.500 Kinder gab; am 3. Januar 1942 verpflegte sie mit ihren Helferinnen und Helfern 160 Mütter mit Kleinkindern, 1.280 Kinder, 60 Arbeitende und 120 Kranke. Friedel Reiter schreibt am 7. August 1942 abends: "Die Situation der Leute wird immer entsetzlicher. Immer wieder werden sie aufgerufen. Zitternd stehen sie in langen Reihen vor der Baracke der Kommission."[14] (...) Am 8. August 1942: "Weinende Menschen. Nichts als große, verzweifelte Augen sehe ich vor mir. Heute abend ist alles ein wenig ruhiger. Viele sagen mir: 'Wenn es sein muß, so gehen wir eben – in Gottes Namen!' Man hat gelernt, sich zu fügen, und die Hoffnung, vielleicht doch einmal wieder mit seinen Lieben beisammen sein zu können, bevor man abschließt, hält sie noch etwas aufrecht. Sonst, das Leichteste wäre ein rasches kurzes Ende. Aber es wäre wohl zu leicht. (...) die Leute sind sicher, mit ihrer Abreise in den Tod zu gehen. Alle Lager melden dasselbe." Am 27. August 1942: "Mir ist der vergangene Tag wie ein unwahrer böser Traum. Ich sehe nichts als Menschen – eine lange Reihe – endlos – Vertriebene – Gehetzte – Ausgestoßene. Es kann ja nicht wahr sein. Wo sollen sie hin? Kann niemand dieses langsame Morden aufhalten?" 2. September 1942: "Kann es etwas Traurigeres geben, als diese Kinder zu sehen und zu wissen, man kann nichts für sie tun, sie müssen mit, ausgeliefert werden? (...) Zu Hause kommt mir glückstrahlend Frau Schwarzschild entgegen. Sie bekam ich frei mit ihren Kindern. Sie ist schon nach Ilôt J umgezogen. Wohl muß ihr Mann mit."[15] (Nach Auschwitz.) Mehr Worte verliert Schwester Friedel nicht, obwohl sie einer Mutter mit ihren beiden Mädchen das Leben gerettet hatte. Sie war eine Kämpferin und berichtet auch von schweren Konflikten mit französischen Ärzten und mit dem Chefarzt des Lagers. 22 November 1942: "Und wieder kommt es über mich. Wer gibt den Menschen das Recht, so über die anderen zu verfügen? Über diese anderen, Ausgestoßenen, Heimatlosen?" Im Sommer 1942 wurden von Rivesaltes 2.251 (2.313) Menschen, darunter 110 Kinder, über Drancy bei Paris nach Auschwitz-Birkenau verbracht und die meisten sofort ermordet. Ca. 1.800 der 6.500 im Oktober 1940 aus Deutschland deportierten Menschen waren in den Lagern oder in Krankenhäusern verstorben.

 

Gurs, Rivesaltes und andere Lager in Frankreich waren Vorhöfe der Vernichtung, Orte des Hungers, des Grauens, der Verzweiflung, des Sterbens, aber auch Stätten des kleinen Glücks, vermittelt durch Engel wie Elsbeth Kasser, Friedel Reiter und andere. Noch heute kann man nur schwer verstehen, wie und warum junge Frauen dies alles freiwillig auf sich nehmen und durchhalten konnten, und zwar fast völlig auf sich allein gestellt. Schwester Friedel war eine unglaublich couragierte, mutige, starke Frau mit Kopf und Herz, und ihr Tagebuch vom Camp de Rivesaltes bleibt ein überzeugendes Dokument der Menschlichkeit und dessen, was ein einzelner Mensch für geschundene Mitmenschen tun kann. Friedel Reiter war eine Kämpferin, hat Menschen vor dem absolut sicheren Tod in Auschwitz-Birkenau gerettet. "Ich erinnere mich noch", schreibt sie: "Im letzten, schon rollenden Transportzug aus Rivesaltes Richtung Osten rief mir eine jüdische Frau noch zu: 'Schwester, bitte, vergessen Sie uns nicht!'"[16]

 

5. Zur Holocaust-Schoáh seit 1942

Schon seit dem 1. September 1941 verpflichtete eine Polizeiverordnung Jüdinnen und Juden ab 6 Jahren den gelben "Judenstern" auf der linken Brustseite zu tragen. Die Vorbereitungen zur sogenannten "Endlösung der Judenfrage" hatten fast überall gleichzeitig begonnen, noch ehe diese in der berüchtigten Wannsee-Konferenz am 20. Januar 1942 besiegelt wurde. In Majdanek, Sobibor und Treblinka beispielsweise, wohin die Menschen aus den Internierungslagern Südfrankreichs vor allem weiterdeportiert werden sollten, begannen die Massenmorde im Frühjahr bzw. Sommer 1942, und der Reichsführer-SS, Heinrich Himmler,[17] inspizierte im Juli 1942 die Zyklon-B-Vergasung eines "Judentransports" in Auschwitz.

   Schon im März 1942 trafen Barbara Vormeier zufolge die mit der "Judenfrage" beauftragten SS- und Gestapo-Vertreter des Reichssicherheitshauptamtes (RSHA) "in enger Zusammenarbeit mit den deutschen Besatzungsbehörden sowie im Einvernehmen mit der Deutschen Botschaft in Paris Vorbereitungen für die Deportierungen nach Auschwitz, Majdanek und Sobibor". Unter der Leitung des SS-Standartenführers und Befehlshabers der Sipo und des SD in Frankreich, des 32-jährigen Dr. Helmut Knochen, kam es im Sommer 1942 zu Razzien in Paris, denen weitere "Judenaktionen" folgten, und zwar auch im unbesetzten Frankreich. In diesem Sinne habe der Chef der Vichy-Polizei den Regionalpräfekten der "Freien Zone" befohlen, die Deportation der Juden "aus Deutschland, Österreich, der Tschechoslowakei, Polen, Estland, Litauen, Lettland, Danzig, dem Saarland, der Sowjetunion sowie der jüdischen Weißrussen, die nach dem 1. Januar 1936 nach Frankreich gekommen waren", vorzubereiten.[18] 

   Wie von Serge Klarsfeld dokumentiert, wurde am 2. Juli 1942 in einer Besprechung zwischen dem Polizeichef der Vichy-Regierung, René Bousquet, und dem Stellvertreter des Reichsführers-SS in Frankreich, dem Höheren SS- und Polizeiführer Karl Oberg, die Kooperation des "Etat Franais" bei der "Endlösung der Judenfrage" offiziell besiegelt: Der französische Polizeichef stimmte dem deutschen Vorschlag zu, "im gesamten Frankreich in einer einheitlich durchgeführten Aktion Juden ausländischer Staatsangehörigkeit in der von uns gewünschten Höhe festnehmen zu lassen" "und zwar durch französische Gendarme", hebt Wolfgang Stenke hervor: "Mit dem Segen Vichys konnten sie (die Deutschen) die Drecksarbeit an französische Dienststellen delegieren."[19] 

   In den südfranzösischen Lagern sei am 5. August 1942 mit der Zusammenstellung der Transportzüge begonnen worden, die aus Viehwagen bestanden, schreibt Barbara Vormeier: Die Lagerkommandanten hätten Anweisung gehabt, gegenüber den Internierten das vorläufige Reiseziel zu verschweigen, nämlich das nördlich von Paris gelegene Durchgangslager Drancy. Aber viele Internierte hätten die Vorahnung gehabt, daß von einem "Arbeitseinsatz" oder einer "Familienzusammenführung" nicht die Rede sein würde: "Grauen und Entsetzen erfüllte die Menschen, als sie an der Demarkationslinie in Chalon-sur-Saône wahrnahmen, daß die Transporte in den von den Deutschen besetzten Teil Frankreichs kamen."[20] 

   Nur wenige hatten der Deportation entgehen können, unter den rund 10.000 ausländischen Juden, die zwischen dem 7. August und 5. September 1942 aus der unbesetzten Zone nach Drancy verbracht worden waren, haben sich Barbara Vormeier zufolge über 4.500 Deutsche und 1.100 Österreicher befunden, womit bereits zwei Drittel der in den Jahren 1942/44 aus Frankreich verschleppten Deutschen und Österreicher ausgeliefert worden waren: "Nach der Totalbesetzung Frankreichs im November 1942 hatten die Deutschen angeordnet, alle Grenz- und Küstendepartements Südfrankreichs 'judenfrei' zu machen." Somit sei nun während der Zeit der italienischen Besetzung und bis zur Kapitulation Italiens im September 1943 in Vichy-Frankreich nurmehr eine kleine Zone geblieben, wo Juden dank der italienischen Armee vor der Auslieferung an die Deutschen geschützt gewesen seien: "Die Staatsraison von Vichy kannte keine Menschlichkeit. Ministerpräsident Laval sah im September 1942 die Deportierungen ausländischer Juden als 'nationales Prophylaktikum' an."[21] Laval wurde 1945 als Kollaborateur erschossen.

   In "dokumentarischer Kärrnerarbeit" hatte Serge Klarsfeld in seinem 1989 veröffentlichten Standardwerk die "quantitative Dimension des Massenmordes" deutlich gemacht, den die deutschen Besatzer in Frankreich begingen: "An-hand der Transportlisten der Gestapo recherchierte Klarsfeld das Schicksal der Deportierten, die in 79 Konvois meist von Drancy aus nach Osten geschickt wurden. Zwischen dem 27. März 1942 und dem 12. August 1944 transportierten die Deutschen 75.721 Menschen in die Vernichtungslager – etwa ein Viertel der 330.000 Juden, die 1940 in Frankreich gelebt hatten. Nur 2.560 Deportierte konnten bei Kriegsende von den Alliierten aus den Konzentrationslagern befreit werden. Wie Klarsfeld herausgefunden hat, ist die Bilanz des Schreckens damit noch nicht vollständig: 'Die Zahl der Juden, die vor ihrer Deportation in den Lagern Frankreichs vor allem in denen der Südzone starben, liegt bei 3.000. Die Zahl der Juden, die summarisch hingerichtet oder erschlagen wurden, weil sie Juden waren, beläuft sich auf etwa 1.000. Die Gesamtzahl der Opfer der Endlösung in Frankreich muß somit auf 80.000 angesetzt werden.'" Serge Klarsfelds düstere Bilanz des Zusammenwirkens von nationalsozialistischer Barbarei und französischer Kollaborationspolitik akzentuiere das Versagen der Vichy-Regierung, "das vor allem die in den dreißiger Jahren eingereisten Flüchtlinge mit dem Leben bezahlen mußten"[22]  und viele Menschen der Oktoberdeportation von 1940. Marschall Pétain wurde als Kollaborateur zum Tode verurteilt, später zu lebenslänglichem Gefängnis begnadigt.

 

Kommen wir nach Konstanz zurück: "Man hat's am Anfang überhaupt nicht geglaubt", so Herbert Dreifuss, ein Schweizer Zeitzeuge aus dem Konstanz benachbarten thurgauischen Kreuzlingen, "man wollte es nicht glauben... Selbst angesichts der Deportation nach Gurs hat man noch gedacht: Ach, die kommen alle mal wieder zurück! Damals hat man noch nicht an so Schlimmes gedacht. (...) Man hat schon gewußt, daß sie in Gurs in schlimmsten Verhältnissen lebten... Aber daß sie deportiert werden von dort aus, das hat man nicht geglaubt, das hat man nicht geglaubt: Man hat doch nie gedacht, daß die Deutschen diese Leute umbringen! Daß man Leute vergast, das hätte man nie für möglich gehalten!" (Gespräch am 11.03.1985)

 

Die "Kehilla Kedoscha" Konstanz, die Israelitische Gemeinde Konstanz wurde nach ihrem früheren Ende Mitte des 15. Jahrhunderts in den sechziger Jahren des 19. Jahrhunderts wiederbegründet, umfaßte 1875 schon 251, 1900 bereits 565, 1925 dann 537 und 1932 noch 488 Mitglieder. Von den nach Erich Bloch verbliebenen rund 120 Menschen wurden zufolge eines Schreibens der Geheimen Staatspolizei, Staatspolizeileitstelle Karlsruhe, Grenzpolizeikommissariat Konstanz, vom 26. Oktober 1940 "An den Herrn Oberbürgermeister" mit "Betrifft: Auswanderung von Juden" 112 namentlich (mit Geburtsdatum und Straße) genannte "evakuierte Juden" am 22. Oktober 1940 nach Gurs deportiert; das Schreiben trägt die gestempelten Vermerke: "Nur für den Dienstgebrauch" und "Vertraulich". Vier Personen haben den Vermerk "weilte hier auf Besuch"; die damals nicht transportfähigen oder sonstwie dem Transport entgangenen 8 bis 11 Personen wurden größtenteils im April 1942 nach "unbekannt" verbracht; die Zahl der Ermordeten oder durch Verfolgung Verstorbenen wird auf mindestens 90 geschätzt.[23] 

   Im "Gedenkbuch" der Archivdirektion Stuttgart der Staatlichen Archivverwaltung Baden-Württemberg aus dem Jahre 1969 sind unter den nahezu 8.500 "Opfern der nationalsozialistischen Judenverfolgung in Baden-Württemberg 19331945" insgesamt rund 100 Menschen mit dem Wohnort Konstanz verzeichnet, davon fast 90, die am 30.1.1933 in dieser Stadt gemeldet und 10, die erst danach zugezogen waren, etwa ein Fünftel der Gemeindemitglieder des Jahres 1933, etwas mehr als die Hälfte davon Frauen. 67 Personen dieser Totenliste waren im Oktober 1940 nach Gurs deportiert worden, 38 Frauen und 29 Männer, die ältesten Frauen 82, 83 und 92 Jahre alt, einige erst in den 40ern, die jüngste 31; die ältesten Männer 74, 75, 77 und 79 Jahre, etliche in den 40ern, die jüngsten 30 und 31. Von diesen Deportierten verstarben 24 in Gurs bzw. andernorts in Frankreich, 14 Frauen, 10 Männer, 11 bereits bis Ende 1940; 36 Menschen wurden im August und September 1942 von Gurs nach Auschwitz in den Tod geschickt. Von den rund 100 aus Konstanz vermerkten Personen der Totenliste wurden 43 in Auschwitz-Birkenau ums Leben gebracht, für tot erklärt, als verstorben oder verschollen gemeldet, 24 in Frankreich, 11 in Izbica und Majdanek bei Lublin/Polen, 10 sonstwo im Osten, 2 in Theresienstadt, je eine Person in Dachau, Konstanz und Riga, die anderen an unbekannten Orten, 2 begingen Selbstmord. Die Zahlen sind freilich ungenau und liegen wahrscheinlich höher.[24]  Die persönlichen Leidenswege und familiären Schicksale, die sich hinter diesen schwarzen Zahlen verbergen, sind weitgehend unbekannt (auch wenn die Initiative Stolpersteine inzwischen schon viel Aufklärungsarbeit leisten konnte!). Aber alles war gewiß noch viel barbarischer, viel schlimmer, viel schrecklicher, als man sich vorstellen kann.

 

6. Versuch einer Schlußbetrachtung 2014

 

Die Oktoberdeportation 1940 hatte nicht im ganzen Großdeutschen Reich, sondern nur in Baden, der Pfalz und im Saarland stattgefunden, und viele Deutsche mögen davon nichts gewußt haben. Doch diese Deportation geschah am helllichten Tag. Insofern sind die bereits erwähnten Mitteilungen Reinhard Heydrichs vom 29. Oktober 1940 aufschlußreich genug: "Die Abschiebung der Juden ist in allen Orten Badens und der Pfalz reibungslos und ohne Zwischenfälle abgewickelt worden. Der Vorgang der Aktion selbst wurde von der Bevölkerung kaum wahrgenommen." Auch die Augenzeugenberichte Betroffener sprechen durchweg davon, daß die deutsche Bevölkerung ohne jede erkennbare Anteilnahme den Abtransport ihrer deutschen Mitbürgerinnen und Mitbürger mitangesehen hat, schweigend, ohne irgendwelche sichtbare Rührung oder gar tätige Anteilnahme, nicht selten wurden die Opfer beschimpft, verhöhnt oder verspottet. Dabei waren die "Abgeschobenen" Bekannte und Nachbarn, die man ein Leben lang kannte, darunter viele Alte, Gebrechliche, Kranke, aber auch ganz junge Leute, Kinder, Säuglinge. "... reibungslos und ohne Zwischenfälle abgewickelt...", das ist es, was man sich trotz der äußerst geringen Erwartungen bezüglich möglicher Reaktionen gerade nach dem Novemberpogrom 1938 auch hier vergegenwärtigen muß. Deshalb bleibt die Oktoberdeportation von 1940 ein ebenso erstaunlicher wie unsäglicher Vorgang an sich.

   So ist auch der 74. Jahrestag jedenfalls Anlaß genug, der Deportationsopfer von 1940–1942 einmal mehr zu gedenken. Dokumente und Augenzeugenberichte vermitteln einen detaillierten, bedrückenden, schmerzlichen Eindruck davon, was die Deportation nach Gurs, Rivesaltes und anderen Orten als Vorstationen von Auschwitz damals bedeutet hat. Im Unterschied zu vielen ihrer sich nicht betroffen fühlenden Zeitgenossen ist den überlebenden Opfern des Holocaust und sogar ihren Kindern die Vergangenheit noch immer ganz gegenwärtig. Erinnert, verdrängt oder vergessen ist all das scheinbar Vergangene doch unweigerlich wesentlicher Bestandteil der Gegenwart geblieben und es wird in mancher Hinsicht sogar noch die Zukunft mitbestimmen.

   Ob und was man aus der Geschichte lernen kann, mag individuell und national verschieden sein; damit nichts vergessen werde, muß jedoch noch immer möglichst vieles aufgeschrieben werden, um überlieferbar zu sein und nachlesbar zu bleiben. Die Oktoberdeportation von 1940 ist nur ein Beispiel dafür, daß es Vergangenheiten gibt, die nicht vergehen. Doch es gibt eben nicht nur diese Vergangenheit, sondern auch eine Zukunft und jene unendlich kurze, aber entscheidende Brücke, die Vergangenheit und Zukunft miteinander verbindet, nämlich den jeweils einmaligen und einzigartigen Augenblick der Gegenwart, in dem wir tun, was wir tun, was wir tun können, müssen, wollen. Eingedenk alles Vergangenen die Augenblicke dieser Gegenwart als immer mögliche neue Anfänge einer besseren Zukunft zu nutzen, darin liegt die Chance einer konstruktiven, kreativen und produktiven Auseinandersetzung mit der Vergangenheit, des Lernenwollens aus Geschichte, das stets mit vergegenwärtigender Erinnerung beginnt.

      In diesem Zusammenhang wurde bisher vielleicht noch viel zu wenig bedacht und verstanden, daß die Holocaust-Schoáh für nichtjüdische Deutsche eigentlich auch bedeutet, auf einzigartige Weise für alle Zeiten mit dem jüdischen Volk verbunden zu bleiben, was in gewisser Weise auch für andere betroffene, deutschbesetzte Völker gilt, besonders für das polnische, russische und ukrainische Volk. Vielleicht wurde zu wenig bedacht, daß die Schoáh nicht nur für alle Zeiten die Lager der Nachkommen der Täter und der Opfer trennt, sondern diese gleichzeitig auf ewig auch verbindet. Der Schwerpunkt der konventionellen Betrachtung lag auf dem Trennenden, das neue Verständnis sollte aber auf dem einzigartig Verbindenden liegen. Deshalb plädiere ich dafür, in dieser Last der Vergangenheit vor allem eine besondere Chance für die Zukunft zu sehen, eine echte Chance der Zusammenarbeit mit allen von der Schoáh betroffenen Ländern, nicht zuletzt im Kampf gegen Fremdenfeindlichkeit, Intoleranz und Rassismus, gegen alte neue Judenfeindschaft, gegen Drohungen der Vernichtung Israels und für mutige Solidarität mit diesem Land der Überlebenden.

   Heute sind unweigerlich wir verantwortlich – in unserer Gemeinde und Stadt, in diesem Land, in Europa und für die Welt, jeder einzelne für seinen Teil und an seinem Ort, eine gerechtere und friedlichere Lebensordnung herbeiwirken und eine menschlichere Welt verwirklichen zu helfen, in der Abschiebungen, Deportationen, Internierungs- und Vernichtungslager nie wieder möglich sind, ein Zustand also, den kaum ein Begriff besser kennzeichnet als – Schalom!


 

 

Ausgewählte Literatur

(Edition Shoáh & Judaica gefettet)

 

M. Ahlfeld-Heymann, Und trotzdem überlebt – Ein jüdisches Schicksal aus Köln durch Frankreich nach Israel 1905–1955. Konstanz 1994.

O. Althausen im Gespräch mit W. Kreutz, "Den Holocaust auf abenteuerliche Weise überlebt." In: A.H. Kuby (Hg.), Juden in der Provinz. Neustadt/Weinstraße 1988, S. 177–194.

Archivdirektion Stuttgart (Hg.), Dokumente über die Verfolgung der jüdischen Bürger in Baden-Württemberg durch das nationalsozialistische Regime 1933–1945. II. Teil, bearbeitet v. P. Sauer, Stuttgart 1966.

Archivdirektion Stuttgart (Hg.), Die Opfer der nationalsozialistischen Judenverfolgung in Baden-Württemberg 1933–1945. Ein Gedenkbuch. Stuttgart 1969.

L. Bernhard-Ithai, Erinnerung verpflichtet – Von Berlin über Brüssel nach Lyon in die Schweiz und durch Gurs nach Auschwitz. Jüdische Schicksale 1933–1945. Konstanz 1999.

E. Bloch, Zur Geschichte der Juden von Konstanz im 19. Und 20. Jahrhundert. Eine Dokumentation. Konstanz 1971.

H. Boberach (Hg.), Meldungen aus dem Reich. Die geheimen Lagerberichte des Sicherheitsdienstes der SS 1938–1945. Bd. 5, Nr. 102 vom 4. Juli 1940 – Nr. 141 vom 14. November 1940. Herrsching 1984.

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B. Friesländer, "Für die meisten war es eine Reise ohne Wiederkehr... – Am 22. Oktober 1940 wurden die Juden Badens und der Pfalz nach Südfrankreich deportiert. – Eine Henkersmahlzeit im Elsaß." In: Südkurier, 18.10.1980.

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E.R. Wiehn, Schriften zur Schoáh und Judaica. Konstanz 1992.

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E.R. Wiehn, "Die Schweizer Schwester Friedel Reiter im Camp de Rivesaltes", in: ders. Bleibende Warnungen V – Gesammelte Vorworte, Nachworte und Miszellen 2011–2013, Konstanz 2013, S. 199–223.

E.R. Wiehn, Jüdisches Leben und Leiden in Konstanz – 50 Jahre Israelitische Kultusgemeinde. Mit Geleitworten von Benjamin Nissenbaum und Anselm Venedey. Konstanz 2014: Neu!

R. Wieler, 50 Jahre jüdische Gemeinde, 50 Jahre Jüdischer Frauenverein Kreuzlingen 1939–1989. Eine Chronik. Jerusalem/Kreuzlingen 1989.

M. Wildmann u. E.R. Wiehn (Hg.), Und flehentlich gesegnet – Briefe der Familie Wildmann aus Rivesaltes und Perpignan. Jüdische Schicksale aus Philippsburg 1941–1943. Konstanz 1997.

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Gurs-, Rivesaltes- u. sonstige Frankreich-Literatur der Edition Schoáh & Judaica

Marianne Ahlfeld-Heymann, Und trotzdem überlebt – Ein jüdisches Schicksal: aus Köln durch Frankreich nach Israel 1905–1955. Konstanz 1994, 122 Seiten. ISBN 3-89191-730-9

Lilli Bernhard-Ithai, Erinnerung verpflichtet – Von Berlin über Brüssel nach Lyon in die Schweiz und durch Gurs nach Auschwitz. Jüdische Schicksale 1933–1945. Konstanz 1999, 83 Seiten. ISBN 3-89649-372-8

August Bohny, Unvergessene Geschichten – Zivildienst, Schweizer Kinderhilfe und das Rote Kreuz in Südfrankreich 1941–1945. Vorwort von Margot Schwarzschild. Bearbeitet und eingeleitet von Helena Kanyar Becker. Konstanz 2009, 139 Seiten. ISBN 3-86628-278-8 & 978-3-86628-278-0

Friedel Bohny-Reiter, Camp de Rivesaltes – Eine Schweizer Schwester im französischen Internierungslager Rivesaltes 1941–1942. Unter Mitarbeit von Helena Kanyar Becker. Konstanz 2010, 217 Seiten, Fotos u. Dokumente. ISBN 978-3-86628-291-9

Louis Dreyfuss, Untergetaucht und überlebt – Aus Breisach am Rhein mit der Fremdenlegion in Nordafrika und nach traurigem Wiedersehen in Gurs als Kleinbauer in Frankreich überlebt nach Breisach zurückgekehrt 1933–1945. Konstanz 2010, 140 Seiten. ISBN 978-3-86628-334-3 (Neuausgabe von Louis Dreyfuss, Emigration nur ein Wort? Konstanz 1991)

Chanan Hans Flörsheim, Über die Pyrenäen in die Freiheit – Von Rotenburg an der Fulda über Leipzig nach Amsterdam und durch Frankreich und Spanien nach Israel 1943–1944. Herausgegeben von Heinrich Nuhn und Erhard Roy Wiehn. Kostanz 2007, 213 Seiten. ISBN 3-86628-167-6

Dorothee Freudenberg-Hübner u. Erhard Roy Wiehn (Hg.), Abgeschoben – Jüdische Schick-sale aus Freiburg 1940–1942. Briefe der Geschwister Liefmann aus Gurs und Morlaas an Adolf Freudenberg in Genf. Konstanz 1993, 213 Seiten. ISBN 3-89191-665-5

Peter Künzel, Sainte Radegonde – Traum und Tragik der jüdischen Familie Abraham aus Baden    Rust – Freiburg – Saumur – Auschwitz 1900–1950. Konstanz 2008, 96 Seiten. ISBN 3-86628-195-1

Martha und Else Liefmann, Helle Lichter auf dunklem Grund – Die 'Abschiebung' aus Frei-burg nach Gurs 1940–1942 (Reprint). Mit Erinnerungen an Professor Dr. Robert Liefmann sowie weiteren Beiträgen und Dokumenten. Konstanz 1995, 221 Seiten. ISBN 3-89191-815-1

Heinz Jehuda Meyerstein, Gehetzt, gejagt und entkommen – Von Göttingen über München und das KZ Dachau nach Holland, Deutschland, Holland und durch Frankreich über die Pyrenäen nach Spanien gerettet. Jüdische Schicksale 1938–1944. Konstanz 2008, 121 Seiten. ISBN 3-86628-214-1

Fritz Ottenheimer, Wie hat das geschehen können – Von Konstanz in die USA durch den Krieg und zurück. Jüdische Schicksale 1925–1996. Konstanz 1996, 230 Seiten. ISBN 3-89649-006-0

Mordecai Paldiel, Es gab auch Gerechte – Retter und Rettung jüdischen Lebens im deutschbesetzten Europa 1939–1945. Aus dem Englischen und Französischen von Brigitte Pimpl. Konstanz 1999, 134 Seiten. ISBN 3-89649-412-0

Brigitte Pimpl u. Erhard Roy Wiehn (Hg.): Was für eine Welt – Jüdische Kindheit und Jugend in Europa 1933–1945. Konstanz 1995, 171 Seiten. ISBN 3-89191-816-X

Martin Ruch, In ständigem Einsatz – Das Leben Siegfried Schnurmanns. Jüdische Schicksale aus Offenburg und Südbaden 1907–1997. Mit einem Geleitwort von Nathan Peter Levinson. Konstanz 1997, 112 Seiten. ISBN 3-89649-196-2

Martin Ruch, Aus der Heimat verjagt – Zur Geschichte der Familie Neu. Jüdische Schicksale aus Offenburg und Südbaden 1874–1998. Konstanz 1998, 240 Seiten. ISBN 3-89649-284-5

Christoph Schwarz, Verfolgte Kinder und Jugendliche aus Baden-Württemberg 1933–1945. Konstanz 2007, 2. u. aktualisierte Auflage 2009, 249 S., zahlr. Fotos. ISBN 3-86628-171-4

Jack Scott, Nie wieder in Deutschland leben – Von Gelsenkirchen, Gera und Fürth durch Belgien, Frankreich, Spanien mit der britischen Armee nach Deutschland zurück. Konstanz 1998, 191 Seiten. ISBN 3-89649-343-4

Hans-Hermann Seiffert, Johanna Hammel – Der Weg einer Jüdin aus Konstanz durch Gurs nach Auschwitz 1898–1942. Konstanz 2011, 100 Seiten. ISBN 978-3-86628-358-9

Paul Siegel, In ungleichem Kampf – Christlich-jüdische Rettungsaktion der Westerweel-Gruppe. Von Köln nach Holland durch Westerbork über Frankreich und Spanien nach Israel 1924–1947. Konstanz 2001, 246 Seiten. ISBN 3-89649-626-3

Erhard Roy Wiehn (Hg.), Oktoberdeportation 1940 – Die sogenannte 'Abschiebung' der badischen und saarpfälzischen Juden in das französische Internierungslager Gurs und andere Vorstationen von Auschwitz 50 Jahre danach zum Gedenken. Mit einer Dokumentation. Konstanz 1990, 1.024 Seiten. ISBN 3-89191-332-X

Erhard Roy Wiehn, Schriften zur Schoáh und Judaica. Konstanz 1992, 595 Seiten. ISBN 3-89191-536-5

Erhard Roy Wiehn (Hg.), Camp de Gurs 1940 – Zur Deportation der Juden aus Südwest-deutschland 60 Jahre danach zum Gedenken. Konstanz 2000, 188 S. ISBN 3-89649-530-5

Erhard Roy Wiehn (Hg.), Camp de Gurs – Zur Deportation der Juden aus Südwestdeutschland 1940. Konstanz 2010, 200 Seiten., Bilder u. Fotos. ISBN 978-3-86628-304-6 u.3-86628-304-0: Neuausgabe der Publikation des Jahres 2000!

Erhard Roy Wiehn, Zum Reichspogrom 1938 – Die Ereignisse in Konstanz 70 Jahre danach zum Gedenken. Konstanz 2007, 134 Seiten. ISBN 3-86628-165-X

Erhard Roy Wiehn, Jüdische Gemeinde Kreuzlingen – 70 Jahre Geschichte, Erinnerungen, Dokumente 1939–2009. Konstanz 2009, 208 Seiten, Fotos. (Softcover) ISBN 978-3-86628-271-1; (Hardcover) ISBN 978-3-86638-282-7

Erhard Roy Wiehn, "Die Schweizer Schwester Friedel Reiter im Camp de Rivesaltes", in: ders. Bleibende Warnungen V – Gesammelte Vorworte, Nachworte und Miszellen 2011–2013. Konstanz 2013, S. 199–223.

Raffael Wieler-Bloch, Richard Liebermann – Der gehörlose Porträt- und Landschaftsmaler 1900–1966. Konstanz 2010, 260 Seiten, zahlreiche Bilder, Fotos und Dokumente. ISBN 3-86628-300-8 u. 978-3-86628-300-8

Manfred Wildmann u. Erhard Roy Wiehn (Hg.), Und flehentlich gesegnet – Briefe der Familie Wildmann aus Rivesaltes und Perpignan. Jüdische Schicksale aus Philippsburg 1941–1943. Mit einem Vorwort von Margot Wicki-Schwarzschild. Konstanz 1997, 204 Seiten. ISBN 3-89649-067-2

Richard Zahlten, Dr. Johanna Geissmar – Von Mannheim nach Heidelberg und über den Schwarzwald durch Gurs nach Auschwitz-Birkenau 1877–1942. Einer jüdischen Ärztin 60 Jahre danach zum Gedenken. Konstanz 2001, 68 Seiten ISBN 3-89649-661-1

 

 

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* Dieser Vortrag wurde auf Einladung der Initiative Stolpersteine Konstanz zum 22. Oktober 2014 vorbereitet.

[1] Die geplante Liquidierung der letzten 70.000 Juden führte am 19. April 1943 zum jüdischen Aufstand im Warschauer Getto, der einzigen größeren Rebellion im ganzen deutschbesetzten Europa überhaupt, ein einzigartiges Fanal für Freiheit und Menschenwürde. Dieser Aufstand war mit der totalen Zerstörung des Ghettos erst am 16. Mai 1943 beendet; dazu: Erhard Roy Wiehn (Hg.), Totengebet – 60 Jahre Beginn des Zweiten Weltkriegs und der Schoáh in Polen. Konstanz 1999; ders. Ghetto Warschau – Aufstand und Vernichtung 1943. Konstanz 1993.

[2] Und zwar im selben, aus einem Museum geholten Eisenbahn-Salonwagen und am selben Ort, wo Matthias Erzberger für Deutschland am 11. November 1918 die Kapitulation unterschrieben hatte.

[3] Erhard Roy Wiehn (Hg.), Jüdische Gemeinde Kreuzlingen – 70 Jahre Geschichte, Erinnerungen, Dokumente 1939–2009. Konstanz 2009.

[4] Erhard Roy Wiehn (Hg.), Camp de Gurs – Zur Deportation der Juden aus Südwestdeutschland 1940. Konstanz 2010, S. 6.

[5] B. Vormeier 1980, S. 8; dazu auch Wolfgang Seibel, Macht und Moral – Die "Endlösung der Judenfrage" in Frankreich 1940–1944. Konstanz 2010.

[6] Siehe dazu Erhard Roy Wiehn (Hg.), Oktoberdeportation 1940 – Die sogenannte 'Abschiebung' der badischen und saarpfälzischen Juden in das französische Internierungslager Gurs und andere Vorstationen von Auschwitz 50 Jahre danach zum Gedenken. Konstanz 1990; ausgewählte Dokumente S. 706 ff.

[7] Barbara Vormeier, Die Deportierungen deutscher und österreichischer Juden aus Frankreich. Paris 1980a, S. 17; B. Vormeier, "Von Deutschland über Gurs nach Auschwitz. Die Verschleppung deutscher Juden nach Südfrankreich vor 40 Jahren." In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, Nr. 246, 22. Oktober 1980, S. 8.

[8] Das Vichy-Regime beschloß eigenwillig, daß auch die Kinder deportiert werden sollten, mit oder ohne Eltern. Im Jahre 1942 nahmen 1.032 Kinder unter 6 Jahren den Weg der Deportation, 2.557 zwischen 6 und 12, 2.464 von 12 bis 17; vgl. Serge Klarsfeld, 'Vichy-Auschwitz, Le rôle de Vichy dans la solution finale de la question juive en France, 1942', Paris 1983.(Insgesamt 6.053 Kinder!)

[9] Eugen Neter, "Als Arzt im Camp de Gurs", in: Erhard Roy Wiehn (Hg.), Camp de Gurs – Zur Deportation der Juden aus Südwestdeutschland 1940. Konstanz 2010, S. 113 ff.

[10] Ludwig Mann, "Martyrium und Heldentum in Gurs", in: Erhard Roy Wiehn (Hg.), Camp de Gurs. Konstanz 2010, S. 159.

[11] Richard Zahlten, Dr. Johanna Geissmar – Von Mannheim nach Heidelberg und über den Schwarzwald durch Gurs nach Auschwitz-Birkenau 1877–1942. Konstanz 2001: Wir freuen uns sehr, daß auch aufgrund dieser Publikation 2014 in Mannheim ein Gymnasium nach Dr. Johanna Geissmar benannt wurde.

[12] Elsbeth Kasser, "Als Schweizer Schwester in Gurs 1940–1943", in: Erhard Roy Wiehn (Hg.), Camp de Gurs – Zur Deportation der Juden aus Südwestdeutschland 1940. Konstanz 2010, S. 165 ff.

[13] Dazu: Friedel Bohny Reiter, Camp de Rivesaltes – Tagebuch einer Schweizer Schwester in einem französischen Internierungslager 1941–1942. (Erstveröffentlichung 1995) Erweiterte Neuausgabe 2010; Erhard Roy Wiehn, "Die Schweizer Schwester Friedel Reiter im Camp de Rivesaltes", in: ders. Bleibende Warnungen V – Gesammelte Vorworte, Nachworte und Miszellen 2011–2013. Konstanz 2013, S. 199 ff.

[14] Die Aufgabe der Kommission war es, gemäß den Anweisungen der 'Police nationale', der französischen Polizei, vom 4. August 1942, die Liste der zu deportierenden Juden aufzustellen. Es handelte sich hauptsächlich um von den Nationalsozialisten vertriebene Juden, die nach 1936 nach Frankreich flüchteten.

[15] Dazu: Margot u. Hannelore Wicki-Schwarzschild, Als Kinder Auschwitz entkommen. Konstanz 2012, S. 26 u. 35 f.; "'Gurs ist Teil meiner Biographie' – Gästebuch: Margot Wicki-Schwarzschild zu Besuch"; "Klezmer-Musik und langstielige weiße Rosen – Weitere Stolpersteine in vier Kaiserslauterer Straßen erinnern an das Schicksal jüdischer Bewohner im Dritten Reich", in: Die Rheinpfalz, Nr. 158, 11. Juli 2014.

[16] Dazu auch: August Bohny, Unvergessene Geschichten – Zivildienst, Schweizer Kinderhilfe und das Rote Kreuz in Südfrankreich 1941–1945. Konstanz 2009

[17] Reinhard Heydrich, Chef der Sicherheitspolizei und des SD, war am 4. Juni 1942 in Prag einem Attentat erlegen.

[18] Siehe hier Literatur S. 20 u. 23: Barbara Vormeier 1980, S. 8; vgl. Serge Klarsfeld 1989.

[19] Wolfgang Stenke 1989; vgl. Serge Klarsfeld 1989.

[20] Barbara Vormeier 1980, S. 8.

[21] Barbara Vormeier 1980, S. 8; vgl. Serge Klarsfeld 1989.

[22] Wolfgang Stenke 1989; vgl. Serge Klarsfeld 1989.

[23] Vgl. Walter Rügert (Hg.), Jüdisches Leben in Konstanz. Konstanz 1999, S. 8491; dazu: Erich Bloch 1971, S. 167–183; herzlich danke ich Dr. Maik Schluroff für seinen diesbezüglichen Hinweis (07.08.2014).

[24] Vgl. Archivdirektion Stuttgart 1969.