Stolpersteine Konstanz

Ferdinand OBERGFELL 1889 – 1945

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Ferdinand OBERGFELL 1889 – 1945

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Ferdinand OBERGFELL 1889 – 1945

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geboren: 17.10.1889, Fürstenberg / Donaueschingen

verhaftet 1935, 1939

wegen "Vorbereitung zum Hochverrat"

Gefängnisse Ulm, Hohenasperg, Garsten bei Stey (Ober­österreich), Brandenburg-Goerden

am 16.05.1945 an den Haftfolgen gestorben im Zuchthaus Brandenburg

Stolperstein für Ferdinand Obergfell, verlegt am 04. Oktober 2007

Stolperstein für Ferdinand Obergfell,
verlegt am 04. Oktober 2007

Bärlappweg 7 heute (2010)

Bärlappweg 7 heute
(2010)

 

Ferdinand Obergfell

Ferdinand Obergfell

Ferdinand Obergfell wurde am 17.10.1889 in Fürstenberg/Donaueschingen geboren. Von Beruf war er Kraftfahrer, Schreiner, Hoteldiener und Gelegen­heits­arbeiter. Er war verheiratet und hatte drei Kinder. Seit 1928 war er wegen eines Herzleidens arbeits­unfähig und bezog eine geringe Invalidenrente von 36 RM pro Monat. 1923 trat er der KPD bei, wo er Kassier war. Bis 1932 war er auch Stadtverordne­ter im Bürgerschaftsausschuss. Er galt als das radikalste Mitglied der KPD-Fraktion. Darüber hinaus war er auch Mitglied im Rotfront­kämpfer­bund.

Ferdinand Obergfell kam unmittelbar nach der Machtübernahme durch die Nazis in Konflikt mit den neuen Machthabern. Er bekundete öffentlich seine Sympathie für den Bolschewismus und die Republika­ner im Spanischen Bürgerkrieg, agitierte gegen das neue Regime, sammelte Informationen für Flugschrif­ten, die in der Schweiz gedruckt und dann im Reich verbreitet werden sollten. Er hoffte auf die kommunistische Weltrevolution, die dann das "Vierte Reich" bringen würde, in dem Frieden und soziale Gerechtigkeit herrschen werde.

Wegen solcher Äusserungen wurde er am 24.10.1935 verhaftet und durch ein Sondergericht in Mannheim am 13.3.1936 wegen "kommunistischer Betätigung" zu 8 Monaten Gefängnis verurteilt. Seit 13.7.1936 wieder auf freiem Fuss, nahm er seine illegale Tätigkeit gegen das NS-Regime wieder auf.

Am 2.10.1939 wurde Ferdinand Obergfell erneut verhaftet. Der Strafsenat des Oberlandesgerichts Stuttgart warf ihm in der Anklageschrift vom 13. Februar 1940 folgende illegale Tätigkeiten vor: Einführung illegaler Druckschriften aus der Schweiz nach Deutschland, Aufbewahrung von Druckschriften in seiner Wohnung, Gesinnung, geheime Treffen mit illegalen KPD-Funktionären, mündliche Agitation, Abhören ausländischer Sender.

Die Anklage wirft ihm vor, seine illegalen Aktivitä­ten gemeinschaftlich mit anderen Personen begangen zu haben. Diese Personen sind laut Anklage: Otto August Greis. Johann Okle, Anna Hermann, Maria Obergfell, die Tochter von Ferdinand Obergfell, und Alois Zollner, alle aus Konstanz-Wollmatingen.

Diese Gruppe konnte, so scheint es, recht erfolgreich arbeiten, hatte sie doch in der Schweiz einen erfahrenen Verbindungsmann: Franz Greis, den Bruder von Otto August Greis, der sich 1938 nach jahrelanger illegaler Tätigkeit in Konstanz in die Schweiz abgesetzt hatte.

Die Anklage wirft allen Beschuldigten im Wesentlichen die gleichen Straftaten vor. Je nach Vorstrafe, Geständnissen und nachgewiesener Teilnahme an den verschiedenen illegalen Aktivitäten fallen die Strafen unterschiedlich aus. Der erste Strafsenat des Oberlandesgerichts Stuttgart fällt am 21.3.1940 das Urteil. Ferdinand Obergfell wird "wegen Vorbereitung zum Hochverrat und absichtlichen Abhörens auslän­discher Sender … zu Zuchthaus­strafe von 6 Jahren und 6 Monaten … sowie 3 Jahren Ehrverlust und Zulässigkeit von Polizeiaufsicht verurteilt".

F. Obergfell wurde in das Gefängnis Ulm eingeliefert. Über die Stationen Hohenasperg und Garsten bei Steyr (Oberösterreich) wurde er gegen Kriegsende in das berüchtigte Gefängnis Brandenburg-Goerden verlegt. In der Nazizeit wurden dort zeitweise bis zu 4300 politische Gefangene inhaftiert, davon ab August 1940 mehr als 1500 hingerichtet. Obergfell erlebte das Kriegsende, starb aber am 16.5.1945, wahrscheinlich an den Folgen der Haft. Er ist auf dem Altstädtischen Friedhof in Brandenburg an der Havel in einer Kriegsgräberanlage in einem Einzelgrab begraben.

 

 

 

 

 

 

Recherche: U. Brügmann

Quellen:

Anklageschrift des Oberlandesgerichts Stuttgart vom 13.2.1940, abgedruckt in: Widerstand als "Hochverrat" 1933 - 1945 : [die Verfahren gegen deutsche Reichsangehörige vor dem Reichsgericht, dem Volksgerichtshof und dem Reichskriegsgericht] [Mikromaterial], Hrsg. von Zarusky, Jürgen. München: Saur, 1995

Auskunft der Gedenkstätte Brandenburg-Görden

Auskunft des ITS-Arolsen

 

Patenschaft: Vera Hemm