Stolpersteine Konstanz

Julie MANN, geb. Frank,  1870  -  1957

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Julie MANN, geb. Frank,  1870  -  1957

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1870: geb. 02.12.,  Konstanz

1940 Deportation nach GURS

 

 

überlebt

haus_bahnhofstr_5

Bahnhofstr. 5 heute
(2012)

stein_mann_julieStolperstein für  Julie MANN
verlegt am 18.05.2012

verheiratet mit Max Mann

Julie Mann, geb. Frank, stammte aus Konstanz. Geboren wurde sie 1870.

Wie viele Konstanzer Juden verkaufte das Ehepaar Mann 1939 angesichts der judenfeindlichen Politik der NS-Machthaber ihr Haus in der Bahnhofstraße. Käuferin war eine Frau Maria Kuhn aus Spaltenstein bei Friedrichshafen, die dem Ehepaar Mann ein Wohnrecht einräumte, das es bis zu seiner Deportation nach Gurs wahrnahm.

Das Ehepaar Mann gehörte zu den 112 Konstanzer Juden, die am Morgen des 22. Oktober 1940 verhaftet und von SS-Männern in den frühen Morgenstunden zum Bahnhof Petershausen gebracht wurden. Max Mann war zu diesem Zeitpunkt 74, seine Frau Julie 70 Jahre alt. Dort wartete ein Personenzug; der sie nach Gurs in Südfrankreich brachte. Außer einem Handkoffer und 100 RM durfte das Ehepaar nichts mitnehmen. Sie hatten etwas Nahrung bei sich, aber nichts zu trinken. Der Zug war bis zur französischen Grenze plombiert. Die Zustände im Lager waren grauenvoll: die Baracken primitiv, ohne Heizung und überbelegt, Strohsäcke zum Schlafen auf dem Boden, die Wege verschlammt, die Latrinen unbeschreiblich verdreckt, die medizinische Versorgung katastrophal und die Lebensmittelversorgung völlig unzureichend. 800 Menschen sind allein 1940 im Lager gestorben. Julie Mann erkrankte an Ruhr und war bis auf die Knochen abgemagert. Das Ehepaar Mann wäre verhungert, wenn es nicht von der Familie Spiegel aus Kreuzlingen mit Lebensmittelpaketen versorgt worden wäre.

Die Aufenthaltsstationen des Ehepaares Mann lassen sich wie folgt rekonstruieren:
Vom 22. Oktober 1940 bis zum 17. August 1943 waren die Manns in den Lagern Gurs, Récébédon und Noé inhaftiert. Als die Vichy-Regierung ab August 1942 jüdische Häftlinge in mehreren Transporten nach Auschwitz deportieren ließ, wurden auf Betreiben des Erzbischofs von Lyon ältere jüdische Häftlinge in privaten Heimen untergebracht. Vom 17. August 1943 bis zum 29. Juli 1946 lebte das Ehepaar Mann in Armenhäusern in Dié und Romans im Departement Drôme, und vom 29. Juli 1946 bis zum 1. Februar 1951 im Altenheim „Maison St. Jacques" in Aix les Bains (Departement Savoyen), wo Max Mann am 12.4.1950 verstarb.

Im Alter von 81 Jahren kehrte Julie Mann in ihre Heimatstadt Konstanz zurück. Vor der Restitutions­kammer beim Landgericht Konstanz verzichtete sie gegen eine Leibrente auf die Rückgabe ihres 1939 verkauften Hauses in der Bahnhofstraße.

Julie Mann starb kinderlos am 15. August 1957 in Konstanz. Begraben (Grab EG 60) wurde sie auf dem jüdischen Friedhof in Kreuzlingen-Bernrain.

 

Bild grösser: anklicken

Julie MANN
Grabstein auf dem jüdischen Friedhof Kreuzllingen-Bernrain (Aufnahme : Mai 2017)

 

 

 

 

 

 

 

 

Recherche: Uwe Brügmann

Quellen:

Staatsarchiv Freiburg, Entschädigungsakte Julie Mann, F 196/1, 2367

Bloch, Erich: Geschichte der Juden von Konstanz im 19. und 20. Jahrhundert. Eine Dokumentation. Konstanz: Rosgarten Verl., 1971, S. 169

 

Patenschaft: Roland Didra und  Andrea Kraneburg-Didra