Stolpersteine Konstanz

Pauline LEVINGER, geb. Weil,  1874  -  1957

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Pauline LEVINGER, geb. Weil,  1874  -  1957

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Pauline LEVINGER, geb. Weil,  1874  -  1957

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geb. 14.7.1874, Eichstetten

Flucht 1939

Urugay

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Bodanplatz 10  heute

(November 2012)

Foto: © Wolfram  Mikuteit

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Stolperstein für Pauline LEVINGER
verlegt am 03.07.2016

 

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Pauline LEVINGER
(Foto ihrer Kennkarte von 1939)

Bildrechte: Rosgartenmuseum Konstanz

 

Pauline Levinger, geb. Weil, wurde am 14. Juli 1874 in Eichstetten am Kaiserstuhl geboren. Sie heiratete den jüdischen Metzger Simon Levinger und lebte mit ihm seit 1897 in Konstanz, erste Wohnadresse in Konstanz war die Wiesenstraße 10. Bereits ab 1898 war Pauline Levinger unterstützend im Verkauf in der Metzgerei ihres Mannes tätig, die zunächst am Bodanplatz 3, später am Bodanplatz 10 geführt wurde. Nach dem Kauf und Umbau des Hauses am Bodanplatz 10 zog auch die Familie hier ein. Pauline und Simon Levinger bekamen zwei Töchter: am 14. Juli 1899 wurde Tochter Alice geboren, ihre Schwester Erna zwei Jahre später, am 20. Juli 1901.

Paulines Tochter Erna heiratete in den 20er Jahren Alfred Stock, mit dem sie nach Mannheim zog. Der gemeinsame Sohn Fritz, Paulines Enkel, wurde am 14. Februar 1925 in Mannheim geboren.

 

Alice MAIER, geb.Levinger Tochter von Pauline LEVINGER (Bild ihrer Kennkarte von 1939) Bildrechte: Rosgartenmuseum

Alice MAIER, geb.Levinger
Tochter von Pauline LEVINGER
(Bild ihrer Kennkarte von 1939)
Bildrechte: Rosgartenmuseum

Die ältere Tochter Alice, die in Konstanz eine Banklehre bei Macaire gemacht hatte, heiratete den Kaufmann Emil Maier aus Pforzheim, wo Paulines zweiter Enkel Kurt David Maier am 10. August 1926 geboren wurde. Alice und ihr Sohn kehrten in den 30er Jahren nach Konstanz zurück.

 

 

 

Als es Simon Levinger aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr möglich war in vollem Umfang in Metzgerei und Verkauf zu arbeiten, waren es vor allem Pauline und Alice, die von frühmorgens bis zum Abend im eigenen Betrieb arbeiteten.

Bereits 1933 kam es in der Metzgerei zu einem star­ken Umsatzeinbruch, als kurz nach der Macht­über­nahme durch die Nationalsozialisten ein generelles Schächtverbot ausgesprochen wurde und zudem aufgrund der verordneten Boykotte jüdischer Geschäf­te und Betriebe auch die nicht-jüdische Kund­schaft immer öfter fernblieb. Dennoch bestand die Metzgerei, in der Pauline bis zur endgültigen Schließung ganztags tätig war, bis 1937. Im Juni 1937 zwang die finanzielle Situation und die schlechte Gesundheit von Simon Levinger die Familie zum Verkauf von Geschäft und Wohnhaus.

 

 

Pauline und Simon Levinger zogen nach dem Verkauf des Anwesens zusammen mit Tochter Alice und dem 11jährigen Enkel Kurt zunächst in die Schützenstraße 21 (damals: Franz-Seldte-Straße). Im Frühjahr 1939 musste die Familie dann für nur wenige Wochen in die Zogelmannstraße 16 ziehen, bis sie ab dem 1. April 1939 in der Robert-Wagner-Straße(2) 52 unter­kamen. Hier wohnten sie zur Untermiete in der Wohnung von Gisela Guggen­heim, der bereits Ende 1938 die Flucht in die Schweiz gelungen war.

Zwischenzeitlich war es der jüngeren Tochter Erna und ihrem Mann Alfred Ende 1937 oder Anfang 1938 gelungen nach Montevideo, Uruguay zu gelangen. Von dort aus bemühte Erna sich bald auch intensiv darum, ihre Eltern Simon und Pauline sowie Alice mit Kurt nachzuholen.

 

Im September 1939 musste Pauline Levinger trotz der schweren Erkrankung von Simon Levinger mit ihrem Mann, Tochter und Enkel nochmals in die Zoglmann­straße 16 umziehen. Grund hierfür war sehr wahr­schein­lich die Umsetzung des im April 1939 erlassenen Gesetzes über Mietverhältnisse mit Juden.

In Konstanz überprüften die Behörden ab Sommer 1939 die Wohnsituation jüdischer Mieter in Konstanz und wiesen die jüdischen Bewohner dann an, in bestimmte vorgegebene Häuser oder Wohnungen zu ziehen, die noch in jüdischem Besitz waren. Dabei wurden meistens mehrere Familien und Einzel­personen ohne jegliche Rücksicht auf deren Wünsche und Bedürfnisse gezwungen, zusammen in Wohnun­gen in sogenannte „Judenhäuser“ zu ziehen.

Obwohl Pauline Levinger im August 1939 ein ärztliches Attest für ihren Mann vorlegen konnte, wurde am 11. September 1939 verfügt, dass die Familie in die Zogelmannstraße 16 umziehen müsse.

Simon und Pauline Levinger lebten zu diesem Zeitpunkt schon unter erheblichen finanziellen Schwierig­keiten und waren nicht mehr in der Lage selber für die Miete aufzukommen.

Der Haupanteil des Erlöses des Hausverkaufs 1937 musste für Reichsabgaben und die Kosten der von Tochter Erna organisierten Emigration nach Süd­ameri­ka aufgewandt werden.

Ende November 1939 gelang Pauline Levinger schließlich mit ihrem Mann sowie Tochter Alice und Enkel Kurt die Ausreise nach Montevideo (Uruguay), die Abmeldung aus Konstanz erfolgte am 20. November 1939. Nicht lange nach der Ankunft in Südamerika, am 5. März 1941, starb ihr Mann Simon Levinger in Montevideo.

 

Zu ihrem 75. Geburtstag am 14. Juli 1949 veröffent­lichten Paulines Töchter und Enkel diese Anzeige im „Aufbau“, einer jüdischen Exilzeitung:

LEVINGER_Pauline_Anzeige_75.Geburtstag_Aufbau_1949

 

 

Pauline Levinger starb am 9.3.1957 im Alter von 82 Jahren in Montevideo.

 

 

 

 

 

Recherche: Schüler und Schülerinnen der Hegau-Bodensee-Seminargruppe „Spurensuche“: Jessica Böhme, Franziska Eble, Paul Ellsiepen, Linus Kulman, Tim Kuppel, Gaia Quintini, Jasmin Ye mit Petra Quintini und Manuel Boxler

 

Patenschaft: Silke Schäfer

Fussnoten:

(1)     Während des Nationalsozialismus wurden auch in Konstanz zahlreiche Straßennamen und Plätze umbenannt. So wurde beispielsweise die Obere/Untere Laube in Robert-Wagner-Straße umbenannt, die Schützenstraße in Franz-Seldte-Straße, und die Seestraße wurde zum Adolf-Hitler-Ufer.

(2)     Heute wieder “Obere Laube”, siehe Fußnote 1.

 

 

Quellen:

Engelsing, Tobias (2015). Das Jüdische Konstanz. Blütezeit und Vernichtung. Konstanz: Südverlag

Exponate der Ausstellung Das Jüdische Konstanz. Blütezeit und Vernichtung. Konstanz, 16. Juli bis 30. Dezember 2015. Rosgarten Museum Konstanz (Veranstalter).

Staatsarchiv Freiburg: F166/3 Nr. 5416

Staatsarchiv Freiburg: F196/1 Nr. 8413

Stadtarchiv Konstanz: Karteikarten der Einwohnermeldedatei

 

Bildquellen:

Passfotos aus den 1939 ausgestellten Kennkarten von Pauline und Simon Levinger und ihrer Tochter Alice Maier, geb. Levinger. (Mit freundlicher Genehmigung vom Rosgartenmuseum, Konstanz)

"Aufbau" vom 8. Juli 1949, S.49, http://freepages.genealogy.rootsweb.ancestry.com/~alcalz/aufbau/1949/j15a27s09730033%20look.gif (Aufruf am 10.6.2016)