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Stolpersteine Konstanz

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Hans Bernhard LEVI,  Jg. 1921

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geb. 19.06.1921, Konstanz

1935 Schweiz

1939 Bolivien

1948 USA

Überlebt

 

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Sigismundstr. 21 heute
(November 2012)

Foto: W. Mikuteit
 

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Stolperstein für  Bernhard LEVI
verlegt am 09.09.2013

Eltern: Max LEVI und Rosa LEVI

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Hans-Bernhard LEVI
Foto ca. 2000  in den USA

Quelle: ancestry.com

 

Hans Bernhard LEVI, geb. am 19.06.1921 in Konstanz, war das einzige Kind von Max und Rosa Levi.

Nach dem Besuch der Stefansschule (Grundschule) trat Hans Levi am 12.04.1932 in die Sexta (5. Klasse) des Suso-Gymnasiums ein. Das Schuljahr begann damals nach den Osterferien. Hans war ein sehr guter Schüler; er hat mehrere Preise und Belobigungen bekommen. Im Jahreszeugnis von 1935 heißt es über ihn: „Körperliche Veranlagung und Haltung sind gut, ebenso sein Charakter. Fleißiges Streben sowie Leistungen sind erfreulich gut".

Dennoch verließ er das Suso-Gymnasium ein halbes Jahr später, am 16.10.1935, also mitten im Schuljahr, und wechselte an eine Sekundarschule in Kreuzlingen. Die Gründe für seinen Schulwechsel sind nicht bekannt; auf Grund seiner guten Noten kann man nicht davon ausgehen, dass er von Lehrern schikaniert wurde, weil er Jude war. Wahrscheinlicher ist, dass seine Eltern angesichts der zunehmenden Ausgrenzung der Juden aus allen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens damit rechneten, dass ihr Sohn in Konstanz nicht das Abitur würde machen können. Anzeichen gab es viele, dass Juden in Deutschland unerwünscht waren und keine Zukunft haben würden: Reichsweiter Boykott jüdischer Geschäfte am 1. April 1933,  Nürnberger Rassegesetze vom September 1935, die Juden zu Staatsbürgern zweiter Klasse degradierten, und „Arisierung“ jüdischer Geschäfte. Als äußerst ungerecht dürfte Hans Levi und alle anderen jungen Juden in Konstanz das Besuchsverbot in den öffentlichen Badeanstalten empfunden haben, das seit August 1936 bestand.

Am 19. Juli 1937 übersiedelte Hans Levi nach Karlsruhe. Er wohnte dort im Nassauer Hof, einem sogenannten Judenhaus. Judenhäuser waren im Behördendeutsch der Nazis Häuser, die Juden gehörten und in denen nur Juden wohnen durften. Ob er in Karlsruhe zur Schule ging oder eine praktische Tätigkeit ausübte, ist unklar.

Wie andere Konstanzer jüdische Eltern bereitete auch das Ehepaar Levi die Emigration ihres noch minderjährigen Sohnes Hans vor. Als Zielland wählten sie Bolivien. Bolivien wahrscheinlich deshalb, weil es relativ leicht war, für dieses Land Einwanderungspapiere zu erhalten. Bolivien war neben Ecuador eines der wenigen Länder Südamerikas, das auch nach 1938 noch großzügig Einreisevisa vergab. So kamen ab 1938 zwischen 6000 und 8000 jüdische Flüchtlinge nach Bolivien.

Am  13. Juni 1939 erfolgte die Abmeldung von Hans Levi aus Konstanz. Von welchem Hafen er Deutschland bzw. Europa verließ, konnte nicht ermittelt werden. Wahrscheinlich kam er wie die meisten Emigranten über die nordchilenischen Häfen Antofagasta oder Arica nach Bolivien; Bolivien selbst hatte keinen eigenen Zugang zum Meer. Wo er sich in Bolivien niederließ, konnte ebenfalls nicht geklärt werden, wahrscheinlich aber in der Hauptstadt La Paz. Mit Sicherheit kann man davon ausgehen, dass der minderjährige Hans Levi vom Hilfsvereins Sociedad de Protección a los Imigrantes Israelitas (SOPRO) unterstützt wurde.

Später nahm Hans Levi die bolivianische Staats­bürger­schaft an und nannte sich Juan Bernardo Levy.

Am 5. November 1948 übersiedelte Hans Levi von Bolivien in die USA: An diesem Tag landete er mit einem Flugzeug der amerikanischen Braniff Airline in Houston/Texas.

Im März 1955 beantragte er in San Francisco die ameri­kanische Staatsbürgerschaft.

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Hans-Bernhard LEVI
Antrag auf Staatsbürgerschaft der USA, 1953

Quelle: ancestry.com

 

 

Von Beruf war John Bernard Levy, wie er sich jetzt nannte, Verkaufsleiter (sales manager). In welcher Branche er tätig war, konnte nicht ermittelt werden. Auch bleibt unklar, ob er verheiratet war und Kinder hatte.

 

 

Hans Bernhard Levi (John Bernard Levy) starb am 20. Dezember 2006 in Belvedere-Tiburon, Marin County, Kalifornien.

 

Recherche: Uwe Brügmann
(erweitert und ergänzt April/Mai 2019)

Patenschaft: Beate BRAVMANN-MUHLFELDER

Quellen:

Adressbücher von Konstanz

Faulstich, Heinz: Von der Irrenfürsorge zur „Euthanasie", Freiburg 1993

Gedenkbuch - Opfer der Verfolgung der Juden unter nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland (1933-1945), Koblenz 1986

Klassenbücher des Suso-Gymnasiums Konstanz

Stadtarchiv Konstanz