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Stolpersteine Konstanz

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Rosa LANG

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geb. 18.3.1902, Konstanz

 

Eingewiesen 1931

Heilanstalt Reichenau

„Verlegt“ 17.6.1940

Grafeneck

Ermordet 17.6.1940

Aktion T4

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Sankt-Johann-Gasse 1 heute
(2019)

Foto: Maik Schluroff

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Stolperstein für Rosa LANG
verlegt am 1.11.2019

 

Rosa Lang wurde am 18.3.1902 in Konstanz geboren und evangelisch getauft. Zu diesem Zeitpunkt lebten die Eltern in der Rheingasse 15.

Als 15-jähriges Mädchen verlor sie ihren Vater, Erhard Christian Lang, während des 1. Weltkriegs am 10.7.1917. Ihre Mutter Maria heiratete Jahre später Konrad Bosch und zog am 19.7.1923 in die St. Johanngasse 1.

 

Rosa blieb ledig, verdiente ihren Lebensunterhalt als Arbeiterin und wohnte weiterhin in der elterlichen Wohnung.

Mit 29 Jahren war die junge Frau im Juli 1931 für einen Monat Patientin in der Heil- und Pflegeanstalt Reichenau. Über die Art ihrer Erkrankung kann vielleicht die Kranken­akte (Bestand R179 im Bundesarchiv Berlin) Aufschluss geben, die aber bisher nicht eingesehen werden konnte.

Ab dem 12.11.1931 war sie bis zum 17.6.1940 dauerhaft in der Anstalt Reichenau untergebracht und wurde dann angeblich in die Heil- und Pflegeanstalt Zwiefalten verlegt. Das Fürsorgeamt Konstanz wurde davon benachrichtigt und fragte am 19.11.1940 auf der Reichenau nach ihrem Verbleib. Zu diesem Zeitpunkt war Rosa bereits fast ein halbes Jahr tot.

 

Rosa hatte noch vier Geschwister: Zwei ältere Schwestern, Maria und Hilda, den Bruder Christian und eine jüngere Schwester Frieda. Diese verstarb mit 59 Jahren am 24.4.1964 in Konstanz. Ihr Ehemann Gustav Raidt erinnerte sich im Jahr 1983 noch sehr detailliert an die Geschehnisse während der Nazi-Diktatur.

Demnach wurde seine Schwägerin wegen einer angeblichen Nervenerkrankung von Ihrem Hausarzt Dr. Sauter in die Heil- und Pflegeanstalt Reichenau eingewiesen. Gustav Raidt selbst war Soldat im Krieg und erfuhr von seiner Frau, dass sie sich nach dem Schicksal ihrer Schwester erkundigt habe, als nach der angeblichen Verlegung nach Zwiefalten der Kontakt abbrach. Sie habe dann einen Brief von der Heil- und Pflegeanstalt Hartheim, bei Linz in Österreich erhalten, wonach ihre Schwester dort am 9.7.1940 verstorben sei. Auf eine Anfrage dorthin habe sie keine Antwort erhalten, ebenso wenig wie auf Anfragen an die Heil- und Pflegeanstalt Reichenau.

 

Auch nach dem Krieg hat sich Gustav Raidt gemeinsam mit seiner Frau nach dem Verbleib von Rosa erkundigt. Alle Nachforschungen brachten jedoch keine Antwort auf die Frage, wie und woran Rosa Lang gestorben war. Erst im Frühjahr des Jahres 1983 erfuhr Herr Raidt, dass sich die Urne seiner Schwägerin auf dem Hauptfriedhof Konstanz befände. Sie wurde dann zusammen mit über 190 weiteren Opfern an dem neu errichteten Denkmal für die Opfer der Euthanasie bestattet.

reichenau_gedenkstaette_euthanasie_opfer

Gedenkstätte für 196 "Euthanasie"-Opfer
Konstanz, Hauptfriedhof

Foto: Roland Didra

 

Dort findet sich auf einem Stein der Eintrag:
Lang, Rosa 1908 -1940.

 

Tatsache ist, dass Rosa Lang am 17.6.1940 weder nach Zwiefalten verlegt wurde, noch dass sie in Hartheim verstorben ist. Ihr Name steht auf der 2. Transportliste von der Anstalt Reichenau in die Tötungdanstalt , dem zahlenmäßig größten Transport, der je die Anstalt verlassen hat: 59 Patientinnen, deren Namen mit den Buchstaben A bis L begannen und 32 Frauen, die zusätzlich zur psychischen Erkrankung auch körperlich schwer erkrankt waren.

In den Mitteilungen der Verwaltung an die Kostenträger nannte man, wie schon beim 1.Transport, Zwiefalten als Ziel der sogenannten Verlegung. In Wirklichkeit ging dieser 2.Transport, wie alle folgenden, direkt nach Grafeneck.

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Zwei der berüchtigten "Grauen Busse", in denen Patienten von psychiatrischen Kliniken abgeholt und in Tötungsanstalten transportiert wurden.

© Hessisches Hauptstaatsarchiv Wiesbaden (Abt. 3008/1, Nr. 1014)

 

 

Rosa Lang wurde, zusammen mit den weiteren 90 weiblichen Opfern, am Vormittag des 17. Juni 1940 von den „Grauen Bussen“ abgeholt, direkt in die Tötungsanstalt gebracht und nur wenige Stunden später vergast und eingeäschert.

 

 

Recherche: Roland Didra

Patenschaft: Marie-Luise Hettinger-Hanke

Quellen:

Stadtarchiv Konstanz Einwohnermeldekarte

Staatsarchiv Freiburg Patientenakte B822/3 Nr.378

Privatarchiv Didra/ Transportliste Reichenau - Grafeneck

Heinz Faulstich „Von der Irrenfürsorge zur Euthanasie“ S.232 ff