Stolpersteine Konstanz

Erika HITSCHLER,   1931 - 1940

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Erika HITSCHLER,   1931 - 1940

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Erika HITSCHLER,   1931 - 1940

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1931: geb. am 28.10., Konstanz

1934: Einweisung Heilanstalt Mosbach

1940: Verlegung nach Grafeneck

1940: ermordet am 17.09., "Aktion T4"

 

 

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Taborweg 24 heute
(2015)

Foto: W. Mikuteit

 
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Stolperstein für Erika HITSCHLER
verlegt am 13.09.2015
.

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Erika Hitschler wurde am 28.10.1931 in Konstanz geboren. Ihr Leben endete 6 Wochen vor ihrem 9. Geburtstag, als sie in der Tötungsanstalt Grafeneck ermordet wurde.

Ihre Eltern waren Berta (geb. Nill) und Erwin Hitschler. Er stammte aus Frankenthal in der Pfalz und war von Beruf Laborant und später Drogist, seine Frau kam aus Pforzheim. Sie heirateten am 8.6.1929 und wohnten seither in Konstanz, zuerst in der Markgrafenstr. 57 und zum Zeitpunkt der Geburt von Erika in der Sigismundstr. 4.

Erika hatte 4 weitere Geschwister. Zwei ältere Schwestern, Elfriede und Ruth, die in den Jahren 1927 und 1930 zur Welt kamen und zwei Brüder, Manfred und Hansjörg, die 1935 bzw. 1936 geboren wurden.

In der Einwohnermeldekarte findet sich der Eintrag "gottgläubig ganze Familie 17.1.38". Das bedeutete einerseits, dass die Hitschlers nicht kirchlich konfessionell gebunden waren, aber andererseits Religions- und Gottlosigkeit verwarfen. Es bedeutete aber auch, dass eine grosse ideologische Nähe zum Nationalsozialismus bestand.

Bereits am 11.4.1934 im Alter von 2,5 Jahren wurde Erika in der "Erziehungs- und Pflegeanstalt für Geistesschwache" in Mosbach aufgenommen, einer Einrichtung der evangelischen Kirche. Familie Hitschler wohnte zu diesem Zeitpunkt im Taborweg 24.

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Haus Luther am Schwarzacher Hof der heutigen Johannes-Diakonie Mosbach

 

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Auch nach Mosbach wurden Ende 1939 die Melde­bögen verschickt, in denen die Anstalten dem Reichs­innenministerium Angaben zu ihren Patienten machen mussten.

Das wurde auch der kleinen Erika zum Verhängnis. In drei Transporten innerhalb einer Woche  (am Freitag, dem 13.9., am Dienstag, dem 17.9. und am Freitag, dem 20.9.1940) wurden 218 Bewohner der Anstalt von Mosbach und des angegliederten Schwarzacher Hofes im Verlauf der nach deportiert.

Erika wurde am 17.9.1940 mit dem 2. Transport zusam­men mit 89 weiteren Patienten in die Tötungs­anstalt gebracht und dort am selben Tag vergast und eingeäschert.

Nur zwei Schriftstücke blieben erhalten, die an das achtjährige Mädchen erinnern.

Aus der Trauerkarte geht hervor, dass die Hitschlers, wie Zehntausende anderer Hinterbliebene, eine Todesbenachrichtigung einer Tötungsanstalt mit falschen Angaben erhalten haben. Im knappen Text der Familie Hitschler, die mittlerweile nach Berlin verzogen war, steht:

Am 4. Okt. entschlief unser liebes Kind Erika an Lungen­entzündung in Grafeneck. Mit der Bitte um stilles Beileid. In tiefer Trauer, Familie Erwin Hitschler, Berlin-Tempelhof, den 14. Oktober 1940. Die Ein­äscherung und die Beisetzung der Urne fand in Grafeneck statt.

Erika wurde dort jedoch bereits 2 Wochen zuvor grausam ermordet.

 

Mit der Trauerkarte informierten die Eltern auch den Anstaltleiter der "Erziehungs- und Pflegeanstalt für Geistes­schwache" in Mosbach, Pfarrer Robert Wilckens. Dieser schickte den Eltern ein Beileids­schreiben, worauf Frau Hitschler mit folgendem kurzen Schreiben antwortete.

Für Ihre lieben Zeilen, möchte ich Ihnen hiermit meinen allerherzlichsten Dank aussprechen. Sie waren für mich ein besonderer Trost und unsere Erika hat nun alles überstanden. Nur über die Todesursache komme ich noch nicht darüber hinweg. Auch den Schwestern noch meinen besonderen Dank und grüsse Sie Herr Direktor sowie die Schwestern.     Frau Berta Hitschler"

 

 

 

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Gedenktafel am Schwarzacher Hof für alle
Opfer der NS -"Euthanasie" 1940 und 1944
(Aufnahme 2015)

 

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Recherche: Roland Didra

Patenschaft: Heidi Kohlhaas

Quellen:

Stadtarchiv Konstanz ( Einwohnermeldekarte )

Archiv Hans-Werner Scheuing

Hans-Werner Scheuing : „...als Menschenleben gegen Sachwerte gewogen wurden«: Die Geschichte der Erziehungs- und Pflegeanstalt für Geistesschwache Mosbach/Schwarzacher Hof und ihrer Bewohner 1933-1945" (Universitätsverlag Winter Heidelberg)

Wikipedia