Ansprache von Margot Dreifuss-Heim
bei der Verlegung der Stolpersteine für
Sofie,  Max, Friedel und Annelies Haymann
am 18.Mai 2012

Liebe Freunde,

herzlicher Dank sei Dir, liebe Petra, Du hast wiederum in unsäglicher Klein­arbeit das Schicksal eines Teils meiner Familie ans Licht gebracht!

Sophie Haymann war eine Cousine meines Vaters, wir hatten von jeher engen Kontakt mit der Familie und ihren Töchtern. Besonders mit Annelies verband mich schon früh eine herzliche Verbindung, sie war 14 Jahre älter als ich, fröhlich, unternehmungslustig, künstlerisch begabt und unterrichtete mich schon als siebenjähriges Kind im Geigenspiel auf einer ganz kleinen Geige.

Die Kriegszeit trennte uns leider, mit Glück konnten wir uns nach 1945/46 wiederfinden, Annelies und Friedel retteten sich nach England, wo sich Friedel endgültig niederließ – Annelies jedoch wanderte nach Israel aus und ließ sich als Leiterin einer Psychiatrischen Klinik in Akko ausbilden.

Friedel und Annelies trafen sich alle ein bis zwei Jahre bei uns in Kreuzlingen und trafen sich mit ihren ehemaligen Freundinnen in Konstanz, mit denen sie stets in herzlicher Verbindung waren. Einige von ihnen besuchten Annelies immer wieder in Israel in ihrer geliebten kleinen Wohnung in Bialik.

Annelies war stets lebensfroh, aber auch sehr bedrückt, wenn sie an das Los ihrer armen Mutter dachte, sie machte sich stets große Vorwürfe, dass sie und ihre Schwester Friedel nicht im Stande waren, ihre Mutter vor der Deportation zu retten!

Schwester Gerda in Israel konnte das wohl auch nicht, sie verstarb nach dem Krieg im Kibbuz in Israel.

Ich bin sehr dankbar, dass für die Familie Haymann diese Steine versetzt wurden und man sich dadurch immer wieder ihrer erinnert!