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Stolpersteine Konstanz

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Sally HALPERN  1893 - 1943

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geb. 19.10.1893, Grodno

1938 KZ Dachau

1939 Flucht nach Belgien

Abschiebung 1940 Frankreich

Interniert St. Cyprien und Gurs

1941 Belgien, Internierung Mechelen

1943 KZ Auschwitz

ermordet 22.09.1943

 

 

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Rosgartenstr. 12    heute
(November 2012)

Foto: W. Mikuteit

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Stolperstein f├╝r Sally HALPERN
verlegt am 18.05.2012

verheiratet mit Elise Halpern, geb. Seckels; Kinder: Werner Halpern, Melanie Halpern

 

Sally (Shalom) Halpern wurde am 19. Oktober 1893 in Grodno als Sohn des j├╝dischen Kantors Avraham Halpern (* 2. Januar 1872) und von Johanna Halpern (geb. Katz * 25. Januar 1867) geboren.

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Elise und Sally HALPERN

 

Grodno geh├Ârt heute zu Wei├črussland und war damals unter russischer Herrschaft, die Mehrheit der Einwoh┬şner waren aber Polen. Fast die H├Ąlfte der Bev├Âlkerung geh├Ârte dem j├╝dischen Glauben an. W├Ąhrend des 1. Weltkrieges gab es dort erbitterte K├Ąmpfe zwischen Russen und Deutschen und die Bev├Âlkerung litt unter Armut und Hunger. In dieser Zeit erlebte Sally mit seiner Familie dort auch die Grauen von Angriffen der Kosaken, die besonders brutal gegen die j├╝dischen Einwohner vorgingen. So wurde seine Zwillings┬şschwester bei einem Kosakenangriff ermordet.

Gegen Ende des Ersten Weltkrieges geriet Sally ÔÇô┬áirrt├╝mlich f├╝r einen polnischen Deserteur gehalten┬á- in deutsche Kriegsgefangenschaft. Er ├╝berlebte schwer krank. Sein Bruder Leo, der bereits in Deutsch┬şland lebte und arbeitete, ├╝berzeugte Sally, in Deutschland den Beruf des Kantors und des Sch├Ąchters zu erlernen und auszu├╝ben. So folgte er seinem Bruder nach Aurich, wo er seine zuk├╝nftige Frau Elise Seckels kennenlernte und am 16. Mai 1923 heiratete. Nach der Heirat zog die junge Familie nach N├Ârdlingen. Kurz nach der Geburt ihres ersten Kindes Werner am 4. April 1924 zog Sally Halpern 1924 mit seiner Familie nach Konstanz,  wo er bei der j├╝dischen Gemeinde als Hilfskantor und Sch├Ąchter (Schochet) Anstellung fand. Tochter Melanie wurde am 11. April 1929 in der damaligen Wohnung auf der Marktst├Ątte 12 geboren. Die gr├Â├čer gewordene Familie zog zun├Ąchst in die Brauneggerstra├če 39 und im Fr├╝hjahr 1933 in das Hinterhaus der Rosgarten┬şstra├če 12.

Mittlerweile war das rituelle Schlachten verboten worden, so konnte Sally Halpern nur durch das heimliche Schlachten von V├Âgeln die Fleisch┬şversor┬şgung der j├╝dischen Bev├Âlkerung verbessern. Mit Zunahme der Auswanderung wohlhabender j├╝discher Familien aus Konstanz schm├Ąlerte sich das ohnehin bescheidene Einkommen der Familie Halpern. Ohne Verwandte im Ausland und die notwendigen finan┬şziellen Mittel war eine Auswanderung nicht zu realisieren. Im Fr├╝hjahr 1938 gelang es der Familie schlie├člich, Werner mit einem Kindertransport in die USA zu schicken. Sally konnte seinen Sohn im April 1938 noch bis Hamburg begleiten.

Nach der Reichspogromnacht, bei der am 10. November 1938 auch die Konstanzer Synagoge nach einer Sprengung komplett zerst├Ârt wurde, wurde Sally Halpern zusammen mit vielen j├╝dischen Mitb├╝rgern verhaftet und am 11. November 1938 in das Konzentrationslager Dachau deportiert. Am 23. Dezember 1938 kehrte er nach Konstanz zur├╝ck, ohne ├╝ber das Erlebte sprechen zu d├╝rfen.

Nach den Erlebnissen in Dachau bem├╝hte sich Sally Halpern noch intensiver um eine M├Âglichkeit, Deutsch┬ş┬şland zu verlassen. Es gelang ihm jedoch nicht, ein Visum f├╝r ein Gastland zu erhalten. Bereits am 12. April 1938 hatte er im Amerikanischen Konsulat in Stuttgart ein Visum beantragt. Sein Antrag lief jedoch unter der ung├╝nstigen polnischen Quote. Im Juni 1939 fl├╝chtete er schlie├člich mit seiner Frau nach Belgien. Dorthin war bereits sein Bruder Leo und auch Verwandte seiner Frau Elise gefl├╝chtet, mit denen sie in Kontakt standen.

Bei der Ankunft in Belgien f├╝llten sie einen Antrag als politische Fl├╝chtlinge aus, dieser Antrag wurde jedoch abgewiesen. Die Ausweisung wurde jedoch aufgrund des Kriegsausbruchs ausgesetzt. Als die Deutschen im Mai 1940 in Belgien einmarschierten, wurden am 10. Mai 1940 zahlreiche j├╝dische Fl├╝chtlinge aus Deutschland in Belgien festge┬şnommen und nach Frankreich abgeschoben. Dort wurden die Fl├╝chtlinge in den s├╝dfranz├Âsischen Lagern inter┬şniert.

Sally und sein Bruder Leo wurden ab Mai 1940 zun├Ąchst ins "Camp de Concentration de Saint Cyprien" deportiert. Anfang November kamen sie nach Gurs. In Gurs trafen sie die inzwischen aus Konstanz deportierten Juden. Viele Monate vergin┬şgen, bis es Leo und Sally im September 1941 gelang, aus dem Lager zu fliehen und sich wieder nordw├Ąrts zu ihren Frauen nach Belgien durchzuschlagen. Nachdem sich auch in Belgien die Situation f├╝r die j├╝dische Bev├Âlkerung deutlich verschlechtert hatte, mussten Sally und Elise Halpern, die ab Juni 1942 gezwungen worden waren, den Judenstern zu tragen, Ende 1942 f├╝r einige Monate in Belgien untertauchen.

 

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Am 24. August 1943 wurden beide jedoch aufgegrif┬şfen und in die Kaserne Dossin im belgischen Malines/Mechelen gebracht. Diese Kaserne diente vor allem als Durchgangslager f├╝r die Deportation der in Belgien lebenden Juden. Mit dem Transport XXIIA vom 20. September 1943 wurde das Ehepaar Halpern zusammen mit Leo Halpern nach Auschwitz deportiert. Es ist davon auszugehen, dass das Ehepaar Sally und Elise Halpern, wie auch Sallys Bruder Leo noch am Ankunftstag, dem 22. September 1943 in Auschwitz ermordet wurden.

 

 

 

 

Recherche:  Petra Quintini

Patenschaft: Petra Quintini

Quellen:

-Stadtarchiv Konstanz: Einwohnermeldekartei

-Stadtarchiv Konstanz: Adressb├╝cher

-Staatsarchiv Freiburg StAF F196/1 10657

-Staatsarchiv Freiburg StAF F 196/1 10658

-http://www.rochestergeneral.org/rochester-general-hospital/about-us/rochester-medical-museum-and-archives/collections/bhn-finding-aid/

-Archivbest├Ąnde des ITS Bad Arolsen, Archivnummer 1939

-Onlineversion von : Das Gedenkbuch des Bundesarchivs f├╝r die Opfer der nationalsozialistischen -Judenverfolgung in Deutschland (1933-1945)

-The Central Database of Shoah Victim' Names http://www.yadvashem.org

-Algemeen Rijkarchief en Rijksarchief in de Provincien Brussel (B), Dossier A 359.089, A376.339

-Aufgeschriebene Erinnerungen von Werner Halpern, Privatarchiv der Familie Halpern

-Erinnerungen der Familienangeh├Ârigen (Mailkorrespondenz)

-Fotos: Privatarchiv Margot Dreifuss-Heim, Paula Goldlust-Blue, Familie Halpern