Stolpersteine Konstanz

Paula GOLDLUST, geb. 1928

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Paula GOLDLUST, geb. 1928

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Paula GOLDLUST, geb. 1928

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geb.: 30.1.1928 in Konstanz

Deportation nach Gurs / Frankreich, ab März 1941 Lager Rivesaltes

Emigration über Frankreich in die USA, wo sie noch heute (2009) lebt.

Rheingutstr. 1 im Jahr 2010 (Stolpersteine für Familie Goldlust am  unteren Bildrand)

Rheingutstr. 1 im Jahr 2010
(Stolpersteine für Familie Goldlust am
unteren Bildrand)

Stein_GOLDLUST_Paula

Stolperstein für Paula Goldlust
verlegt am 22.5.2009

Tochter von Manya Goldlust und Bernhard Goldlust; Brüder: Leo Goldlust, Siegfried GOLDLUST

Paula wurde am 30. Januar 1928 als Tochter von Manya und Bernhard Goldlust in Konstanz, Sankt-Gebhard-Str. 3, als zweites Kind geboren. Im März 1933 zog die Familie in die Rheingutstr. 1.

Am Tag der "Reichspogromnacht" und der Sprengung der Konstanzer Synagoge am Morgen des 10. Novembers 1938 wurde ihr Vater, Bernhard Goldlust, mit allen anderen jüdischen Männern von der Gestapo verhaftet und in das KZ Dachau verschleppt.

Paula besuchte bis zum 10. November 1938 die Wallgutschule. An diesem Tag wurde allen jüdischen Kindern, so auch der 10jährigen Paula und ihrem 14-jährigen Bruder Leo, der Schul­besuch von einem auf den anderen Tag untersagt.

Aufgrund der neuen antijüdischen Gesetze (Gesetz über Mietverhältnisse mit Juden vom 30.April 1939 RGBL 1939 I, 864, s. auch hier) mussten die beiden Kinder mit ihrer Mutter Manya zunächst in die Rosgartenstr. 12 ziehen (ab 22.06.39, als Untermieter bei Halpern). Ende Juli wurden sie genötigt, in die Bruderturmgasse 8 zu ziehen, wo sie sich mit anderen jüdischen Mitbürgern wenige Zimmer teilen mussten.

Am 22. Oktober 1940 wurde Manya Goldlust mit ihrem damals gerade 16-jährigen Sohn Leo und ihrer 12-jährigen Tochter Paula gemeinsam mit 110 jüdischen Mitbürgern aus Konstanz und insgesamt etwa 6000 badischen und saarpfälzi­schen Juden in das südwestfranzösische Inter­nierungslager Button deportiert. Die Lebens­bedingungen in dem Lager am Fuss der Pyrenäen waren katastrophal (siehe auch die Briefe aus Gurs der Konstanzer Arthur und Else Godlewsky).

Während Leo in die Männerbaracke musste, konnte Paula anfangs noch bei ihrer Mutter bleiben. Manya kümmerte sich aufopferungsvoll um ihre Kinder und mühte sich, diese mit den wenigen zu erhaltenden Lebensmitteln durchzubekommen. Lebensnotwendig waren die Pakete, die die Kreuzlinger jüdische Gemeinde bereits nach wenigen Wochen an hilfsbedürftige Personen der ehemaligen Konstanz-Kreuzlinger Gemeinde schickte, wenngleich sie die Not nur wenig lindern konnten. Auch Manya Goldlust und ihre Kinder erhielten in unregelmässigen Abständen solche Hilfsgüter, wie aus erhaltenen Dankesbriefen ersichtlich ist. Hieraus ist auch zu entnehmen, wie schwierig es für Manya war, ihren heranwachsen­den Kindern wenigstens Lebensmittel und Kleidung für den Grundbedarf zu verschaffen.

Hinzu kamen ansteckende Krankheiten und Epidemien, die sich bei der Mangelernährung und den katastrophalen hygienischen Bedingungen im Lager rasant ausbreiteten. Auch Paula war wohl in den ersten Monaten schwer erkrankt, konnte jedoch auch dank der Schweizer Hilfe wieder genesen. Waren anfangs die Konstanzer Juden noch gemeinsam untergebracht und konnten sich gegenseitig unterstützen, wurde die Gruppe im Laufe der Monate immer mehr auseinander gerissen.

Wahrscheinlich Ende Februar 1941 kamen Familien mit Kindern, so auch Familie Goldlust, nach Button(ausführlicher hier), einem weiter östlich gelegenen neu errichteten Lager nahe Perpignan. Auch hier waren die Lebensbedingungen katastrophal, die Ernährung und die hygienischen Bedingungen völlig unzureichend und das Lager überfüllt. Glücklicherweise erhielt Familie Goldlust auch hier Hilfspakete, die lebensnotwendig waren. Anfang 1942 kam Paula, die zu diesem Zeitpunkt gerade 14 Jahre alt war, in ein Kinderheim, hier sind die Lebensbedingungen dank verschiedener Hilfsorganisationen anscheinend besser.

Die OSE (Oeuvre Secours aux enfants) kann viele Kinder, unter Ihnen auch Paula, in französischen Familien verstecken. Paula kommt zunächst bei einer Familie nahe Chambery unter, dann zu einer Familie nach Annecy, unweit der Schweizer Grenze. Hier trifft sie kurz auch ihren Bruder Leo. Gemeinsam mit anderen jüdischen Kindern wird Paula schliesslich von Helfern über die Grenze in die Schweiz geschmuggelt.

Hier müssen die Kinder zunächst in ein Internierungs­lager. Aufgrund von Protesten und Bemühungen verschiedener Hilfsorganisationen werden die Kinder endlich freigelassen. Alle, die unter 16 sind, dürfen in der Schweiz bleiben. Paula kommt über Kreuzlingen nach Winterthur und schliesslich nach Genf. Ihre inzwischen 5-jährige Cousine Ruth Alexander (die am 22.10.1940 als jüngstes Konstanzer Kind gemeinsam mit ihren Eltern nach Gurs deportiert worden war) ist mit ihr gerettet worden.

Paulas Mutter, Manya Goldlust, wird am 11.August 1942 von Rivesaltes nach Button transportiert, drei Tage später nach Button, wo sie am 16. August 1942 ermordet wird.

Vater Bernhard Goldlust, der aus England wiederholt und vergeblich versucht hatte, seiner in Frankreich internierten Familie zu helfen, starb, als der Kontakt dann abriss, am 17.  Mai 1943 einsam und mit gebrochenem Herzen in London.

Erst nach Kriegsende erfuhren die Geschwister Paula und Leo vom Tod ihrer Eltern, sie waren frei, doch hatten sie beide Eltern verloren und kein zu Hause mehr.

Paula ging nach Kriegsende für einige Monate mit ihrem Bruder nach Paris, 1947 emigrierte Paula in die USA, Leo folgte ihr 1954 .

 

 

 

 

 

 

Recherche: Petra Quintini

Patenschaft: Petra Quintini

"Paula GOLDLUST lebt heute (2010) in Illinois, USA, sie hat einen Sohn und 3 Enkel. Sie hat entscheidend dazu beigetragen, dass die Biographie ihrer Familie rekonstruiert werden konnte, obwohl bei ihr damit schmerzhafteste Erinnerungen wachgerufen wurden. Für ihre grosse Hilfe und ihren grossen Mut möchte ich ihr herzlich danken." (Petra Quintini)

Quellen: