Stolpersteine Konstanz

Manya GOLDLUST, geb. Bidermann, 1894 – 1942

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Manya GOLDLUST, geb. Bidermann, 1894 – 1942

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Manya GOLDLUST, geb. Bidermann, 1894 – 1942

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geb. 24.3.1894 in Lopuszno/Polen

22.10.1940 deportiert nach Gurs / Frankreich, ab März 1941 Lager Rivesaltes. 11.8.1942 Deportation nach Drancy, von dort nach Auschwitz.

Ermordet am 16.8.1942 in Auschwitz

 

Rheingutstr. 1 im Jahr 2010 (Stolpersteine für Familie Goldlust am  unteren Bildrand)

Rheingutstr. 1 im Jahr 2010
(Stolpersteine für Familie Goldlust am
unteren Bildrand)

Stein_GOLDLUST_Manya Stolperstein für Manya Goldlust, verlegt am 22.05.2009

verheiratet mit Bernhard Goldlust, Kinder: Leo Goldlust, Paula Goldlust, Siegfried Goldlust

Manya Goldlust (* 24.03.1894, als Manya Bidermann) und ihr Mann, Bernhard Goldlust – beide geboren in Lopuszno, einer polnischen Kleinstadt unweit von Kielce – lebten bereits seit 1920/21 in Konstanz. In Konstanz hatten sie eine neue Heimat gefunden, und hier wurden auch ihre Kinder Leo (*07.10.1924) und Paula (*30.01.1928), sowie der kleine Siegfried, der noch als Säugling starb (*04.05.33 - 11.11.1933), geboren.

Im März 1933 zog die Familie in die Rheingutstr. 1 (das Eckhaus, in dem früher die Gaststätte "Zum Bauhof" ihren Sitz hatte; heute befindet sich an dieser Stelle ein Bau aus den 60er Jahren). Bereits in den ersten Wochen nach der Machtergreifung kam es auch in Konstanz zu Entlassungen und immer wieder zu brutalen Überfällen von Nazi-Trupps auf ihre jüdischen Mitbürger. Dennoch wurde die Wohnung in der Rheingutstrasse 1 der Familie zur eigentlichen Heimat, hier fühlten sie sich die nächsten Jahre noch relativ sicher, bis die zunehmende Ausgrenzung, Unterdrückung und die Anfeindungen der Juden in der Reichspogromnacht und der Sprengung der Konstanzer Synagoge am Morgen des 10. November 1938 einen vorläufigen traurigen Höhepunkt fanden. Danach änderte sich das Leben für die Konstanzer Juden radikal. Bernhard Goldlust wurde noch am gleichen Morgen mit allen anderen jüdischen Männern von der Gestapo verhaftet und in das Konzentrations­lager Dachau verschleppt.

Nach der Reichspogromnacht wurde allen jüdischen Kindern, so auch dem damals 14jährigen Leo und der 10jährigen Paula, der Schulbesuch von einem auf den anderen Tag untersagt. Familie Goldlust bemühte sich, wie viele befreundete jüdische Familien auch, nun immer intensiver um eine Möglichkeit, Deutschland noch zu verlassen. Sie hatten u.a. auch Verwandte in Amerika, die sich um ihre Einwanderungsvisa bemühten, da für Familie Goldlust aber die polnische Quote galt, lagen die Wartezeiten bei über 10 Jahren.

Manya und ihre beiden Kinder mussten aufgrund der neuen antijüdischen Gesetze (Gesetz über Mietverhältnisse mit Juden vom 30.April 1939, RGBI 1939 I,864, s. auch hier) zunächst in die Rosgartenstr.12 ziehen (ab 22.06.39, als Untermieter bei Halpern) und wurden Ende Juli genötigt, in die Bruderturmgasse 8 zu ziehen, wo sie sich mit anderen jüdischen Mitbürgern wenige Zimmer teilen mussten.

Manya Goldlust war in dieser Zeit gesundheit­lich sehr angeschlagen und hatte auch mit einem ärztlichen Attest um Aufschub des kurzfristig ange­wiesenen Umzugs gebeten, doch darauf wurde keiner­lei Rücksicht genommen.

Am 22.Oktober 1940 wurde Manya Goldlust mit ihrem damals gerade 16jährigen Sohn Leo und ihrer 12jährigen Tochter Paula – gemeinsam mit 110 jüdischen Mitbürgern aus Konstanz und insgesamt etwa 6000 badischen und saarpfälzischen Juden – in das südwestfranzösische Internierungslager Button deportiert. Die Lebensbedingungen in dem Lager am Fuss der Pyrenäen waren katastrophal (siehe auch Briefe aus Gurs von den Konstanzern Arthur und Else Godlewsky).

Lager Gurs 1939

Lager Gurs 1939

Während Leo in die Männerbaracke musste, konnte Paula anfangs noch bei ihrer Mutter bleiben. Manya kümmerte sich aufopferungsvoll um ihre Kinder und mühte sich, diese mit den wenigen zu erhaltenden Lebensmitteln durchzubekommen. Lebensnotwendig waren die Pakete, die die Kreuzlinger jüdische Gemeinde bereits nach wenigen Wochen an hilfs­bedürftige Personen der ehemaligen Konstanz-Kreuzlinger Gemeinde schickte, wenngleich sie die Not nur wenig lindern konnten. Auch Manya Goldlust und ihre Kinder erhielten in unregelmässigen Abständen solche Hilfsgüter, wie aus erhaltenen Dankesbriefen ersichtlich ist. Hieraus ist auch zu entnehmen, wie schwierig es für Manya war, ihren heranwachsenden Kindern wenigstens Lebensmittel und Kleidung für den Grundbedarf zu verschaffen.

Hinzu kamen ansteckende Krankheiten und Epidemien, die sich bei der Mangelernährung und den katastrophalen hygienischen Bedingungen im Lager rasant ausbreiteten. Auch Paula war wohl in den ersten Monaten schwer erkrankt, konnte jedoch auch dank der Schweizer Hilfe wieder genesen. Waren anfangs die Konstanzer Juden noch gemeinsam untergebracht und konnten sich gegenseitig unter­stützen, wurde die Gruppe im Laufe der Monate immer mehr auseinander gerissen.

Wahrscheinlich Ende Februar 1941 kamen Familien mit Kindern, so auch Familie Goldlust, ins Lager Button (ausführlicher hier), einem weiter östlich gelegenen neu errichteten Lager nahe Perpignan. Auch hier waren die Lebensbedingungen katastrophal, die Ernährung und die hygienischen Bedingungen völlig unzureichend und das Lager überfüllt. Glücklicherweise erhielt Familie Goldlust auch hier Hilfspakete, die lebensnotwendig waren.

Manyas Sohn Leo kümmert sich intensiv um seine Mutter, die in der Zwischenzeit auch sehr krank war. Mit ihr im Lager sind auch Renée Stein und Lore Hirsch aus Konstanz.

Manya Goldlust wird am 11.August 1942 von Rivesaltes nach Button transportiert.

Mit dem 19. Transport wird sie am 14. August 1942 von Drancy nach Button deportiert. Der Zug erreicht Auschwitz am 16.August 1942. Noch am Ankunftstag werden alle Frauen und Kinder des Transportes, sowie fast alle Männer direkt in das Gas geschickt.

Manya Goldlust wird am 16.August 1942, 48jährig, grausam ermordet. 

Mit ihr im gleichen Transport findet auch Laura Ferber (geboren 04.04.1881) aus Konstanz den Tod.

 

Recherche: Petra Quintini

Patenschaft: Petra Quintini

Quellen: