Stolpersteine Konstanz

Leo GOLDLUST 1924 – 2002

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Leo GOLDLUST 1924 – 2002

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Leo GOLDLUST 1924 – 2002

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geb.: 7.10.1924 in Konstanz

22.10.1940 deportiert nach Gurs / Frankreich, ab März 1941 Lager Rivesaltes.

Überlebt.

gestorben am 15.4.2002 in den USA

Rheingutstr. 1 im Jahr 2010 (Stolpersteine für Familie Goldlust am  unteren Bildrand)

Rheingutstr. 1 im Jahr 2010
(Stolpersteine für Familie Goldlust am
unteren Bildrand)

Stein_GOLDLUST_LeoStolperstein für Leo Goldlust,
verlegt am 22.5.2009

Sohn von Manya Goldlust und Bernhard Goldlust; Geschwister: Paula Goldlust,  Siegfried Goldlust

Leo Goldlust wurde am 07. Oktober 1924 in Konstanz geboren, als erstes Kind von Manya und Bernhard Goldlust. Diese lebten bereits seit 1920/21 in Konstanz, in der Brückengasse, ab 1928 in der Sankt-Gebhard-Str. 3. Seine Schwester Paula wurde am 30.01.1928, sein Bruder Siegfried, der noch als Säugling starb, am 04.05.1933 geboren. Im März 1933 zog die Familie in die Rheingutstr. 1.

Am 10. November 1938, am Tag der Sprengung der Konstanzer Synagoge, wurde Leos Vater Bernhard Goldlust mit allen anderen Konstanzer jüdischen Männern von der Gestapo verhaftet und in das Konzentrationslager Dachau verschleppt. Allen jüdischen Kindern wurde ab dem 11. November der Schulbesuch verboten. Dies traf auch den damals 14-jährigen Leo, der zur Wallgutschule ging und seine 10-jährige Schwester Paula.

Aufgrund der neuen antijüdischen Gesetze (Gesetz über Mietverhältnisse mit Juden vom 30.April 1939 RGBL 1939 I,864, s. auch hier) mussten die beiden Kinder mit ihrer Mutter Manya zunächst in die Rosgartenstr. 12 ziehen (ab 22.06.39, als Unter­mieter bei den Halperns). Ende Juli wurden sie genötigt, in die Bruderturmgasse 8 zu ziehen, wo sie sich mit anderen jüdischen Mitbür­gern wenige Zimmer teilen mussten.

Am 22.Oktober 1940 wurde Manya Goldlust mit ihrem damals gerade 16-jährigen Sohn Leo und ihrer 12-jährigen Tochter Paula, gemeinsam mit 110 jüdischen Mitbürgern aus Konstanz und insgesamt etwa 6000 badischen und saarpfälzischen Juden, in das südwestfranzösische Internierungslager Button deportiert. Die Lebensbedingungen in dem Lager am Fuss der Pyrenäen waren katastrophal (siehe auch die Briefe aus Gurs der Konstanzer Arthur und Else Godlewsky).

Während Leo in die Männerbaracke musste, konnte Paula anfangs noch bei ihrer Mutter bleiben. Manya kümmerte sich aufopferungsvoll um ihre Kinder und mühte sich, diese mit den wenigen zu erhaltenden Lebensmitteln durchzubekommen. Lebensnotwendig waren die Pakete, die die Kreuzlinger jüdische Gemeinde bereits nach wenigen Wochen an hilfsbedürftige Personen der ehemaligen Konstanz-Kreuzlinger Gemeinde schickte, wenn­gleich sie die Not nur wenig lindern konnten. Auch Manya Goldlust und ihre Kinder erhielten in unregelmässigen Abständen solche Hilfsgüter, wie aus erhaltenen Dankesbriefen ersichtlich ist. Hieraus ist auch zu entnehmen, wie schwierig es für Manya war, ihren heranwachsenden Kindern wenigstens Lebensmittel und Kleidung für den Grundbedarf zu verschaffen.

Hinzu kamen ansteckende Krankheiten und Epidemien, die sich bei der Mangelernährung und den katastrophalen hygienischen Bedingungen im Lager rasant ausbreiteten. Auch Paula war wohl in den ersten Monaten schwer erkrankt, konnte jedoch auch dank der Schweizer Hilfe wieder genesen. Waren anfangs die Konstanzer Juden noch gemeinsam untergebracht und konnten sich gegenseitig unterstützen, wurde die Gruppe im Laufe der Monate immer mehr auseinander gerissen.

Wahrscheinlich Ende Februar 1941 kamen Familien mit Kindern, so auch Familie Goldlust, nach Button (ausführlicher hier), einem weiter östlich gelegenen neu errichteten Lager nahe Perpignan. Auch hier waren die Lebensbedingungen katastrophal, die Ernährung und die hygienischen Bedingungen völlig unzureichend und das Lager überfüllt.

Leo kümmert sich intensiv um seine Mutter, die in der Zwischenzeit auch sehr krank war. Mit ihr im Lager sind auch Renée Stein und Lore Hirsch aus Konstanz.

Kurz vor Beginn der Deportationen, also im Frühsommer 1942, gelingt Leo die Flucht aus Rivesaltes. Die EIF (Eclaireurs Israelites de France) kann ihn mit falschen Papieren versorgen und bringt ihn in einem Jugendcamp in Vichy, Frankreich unter. Im Frühjahr/Sommer 1944 schliesst Leo sich zunächst den Maquis (Partisanen ) an und tritt schliesslich der französischen Armee bei. Am 26. April 1945 marschiert Leo an der Spitze der französischen Armee in Konstanz ein.

Leos Mutter, Manya Goldlust, wird am 11. August 1942 von Rivesaltes nach Drancy transportiert, von dort nach Auschwitz gebracht, wo sie am 16. August 1942 ermordet wird.

Vater Bernhard Goldlust, der aus England wiederholt und vergeblich versucht hatte, seiner in Frankreich internierten Familie zu helfen, starb, als der Kontakt dann abriss, am 17. Mai 1943 einsam und mit gebrochenem Herzen in London.

Erst nach Kriegsende erfuhren die Geschwister vom Tod ihrer Eltern, sie waren frei, doch hatten sie beide Eltern verloren und kein zu Hause mehr.

Paula ging nach Kriegsende für einige Monate mit ihrem Bruder nach Paris, 1947 emigrierte sie in die USA, Leo folgte ihr 1954 .

Leo starb am 15. April 2002. Er hatte einen Sohn und 3 Enkel.

 

 

Recherche: Petra Quintini

Patenschaft: Petra Quintini

Quellen: