Stolpersteine Konstanz

Josef GEIGER   1877 - 1940

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Josef GEIGER   1877 - 1940

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Josef GEIGER   1877 - 1940

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geb. 1877, Frickingen

Mehrfach VERHAFTET

ANKLAGE § 175

VERURTEILT / INHAFTIERT

EINGEWIESEN 12.08.1938

HEILANSTALT REICHENAU

„VERLEGT“ 12.06.1940 GRAFENECK

ERMORDET 12.06.1940

AKTION T4

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ehem. Schilfweg 19
(jetzt ca. Rheingutstr. 34)
heute (2014)

stein_GEIGER_JosefStolperstein für Josef GEIGER
verlegt am 27.06.2014

 

Josef Geiger wurde am 10.11.1877 in Frickingen, einem kleinen Dorf bei Überlingen am Bodensee, geboren. Dort wuchs er bei seinen Eltern Isidor und Kreszentia, zusammen mit drei Brüdern und einer Schwester, auf. Er war katholisch und von Beruf Schneidermeister.

Im Jahre 1912 wurde er zum ersten Mal wegen „widernatürlicher Unzucht“ zu 3 Jahren Zuchthaus verurteilt und nach Verbüßung der Strafe erneut im Jahre 1916 zu 6 Jahren Zuchthaus und 10 Jahren Ehrverlust. Diese Strafe hatte er am 19.02.1926 vollständig verbüßt.

Ab dem 02.12.1927 lebte er in Konstanz. Bereits am 15.02.1929 wurde er erneut zu 2 Jahren Gefängnis verurteilt und zog nach Haftende 1931 an den Bodanplatz 7.

Bereits im Jahre 1932 wurde er erneut zweimal verurteilt. Die Strafen waren am 20.03.1933 verbüßt, also ca. zwei Monate nach der Macht­ergreifung der Nationalsozialisten.

Auf Grund seiner Homosexualität ("Paragraph 175") hatte Josef Geiger bis dahin bereits über 12 Jahre hinter Gittern verbracht. Das letzte Jahr in Freiheit lebte er in Konstanz im Schilfweg 19, in einem Bretter­häuschen inmitten des Rheinguts, einem Baracken­gelände und Dirnenviertel.

Rheingut ca. 1936, Pfeil: damaliger Schilfweg (letzter Wohnort von Josef GEIGER) Bild: Stadtarchiv Konstanz

Rheingut ca. 1936,
Pfeil: damaliger Schilfweg (letzter Wohnort von Josef GEIGER)
Bild: Stadtarchiv Konstanz

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Am 02.12.1936 wurde er wieder zu 1 Jahr und 6 Monaten Zuchthaus verurteilt. Das Urteils­schreiben endet mit dem Satz: „nach Verbüßung der Strafe Unterbringung in einer Heil- und Pflegeanstalt.“ Das war de facto sein Todesurteil.

Er wurde am 23.12.1936 von Konstanz aus ins Zuchthaus Bruchsal eingeliefert.

Als er am 02.03.1938 die Haft hinter sich hatte, wurde er sofort in die Heil- und Pflegeanstalt Illenau (bei Offenburg) überführt und wenige Monate später, am 12.08.1938, in die Heil- und Pflegeanstalt Reichenau.

Ende 1939 geriet Josef Geiger durch die Versendung der Meldebögen in die nun beginnende Mordaktion T‑4. Er wurde als „krimineller Geisteskranker“ eingestuft.

In einem Schreiben vom 28.07.1941 von der Pflegeanstalt Grafeneck an den Oberstaatsanwalt beim Landgericht Konstanz steht: „Geiger ist am 04.07.1940 an Gesichtsrose mit anschließender Sepsis verstorben.“ Sowohl Todesdatum und Todesursache sind frei erfunden. Dies geschah, um Angehörige oder Kostenträger zu täuschen und Nachforschungen zu erschweren.

Bereits drei Wochen vor diesem fiktiven Todesdatum wurde Josef Geiger am 07.05.1940 mit dem ersten T4-Transport, von der Reichenau aus, zuerst in die Zwischenanstalt Zwiefalten gebracht und von dort aus am 12.06.1940 in die Tötungsanstalt Grafeneck. Am selben Tag wurde er, im Alter von 62 Jahren, vergast und sein Leichnam eingeäschert.

 

 

 

 

 

 

 

Recherche: William Schaefer, Roland Didra

Patenschaft: Gianluca Quintini

Quellen:

Staatsarchiv Freiburg, Findbuch 822/3 Heil- und Pflegeanstalt Konstanz-Reichenau, B 822/3, Nr. 71 und Ermittlungakte A 42/1, Nr. 81

Stadtarchiv Konstanz, Einwohnermeldekarten vor 1945