Stolpersteine Konstanz

Anhang, Glossar

Lina Franken: Der aktive und passive Widerstand in Konstanz und Umgebung 1933-45.
Copyright by Lina Franken 2000

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Glossar

„Deutschland-Berichte":
Die Deutschland-Berichte waren die Zeitung der ins Exil gegangenen  SPD-Mitglieder. Hier wurden Berichte von noch in Deutschland – auch aus Konstanz  –  lebenden Mitgliedern gesammelt und einer breiteren Öffentlichkeit  zugänglich gemacht. Diese monatlich  erscheinenden Berichte wurden auch ins Reich geschmuggelt, genaueres zum  Schriften­schmuggel siehe Kapitel 3.2
 

„Euthanasie-Programm":
Unter diesem Tarnbegriff wurden ab 1940 Behinderte und alte Menschen systematisch in KZs deportiert und umgebracht, da diese als ‚lebensunwertes Leben’ galten, welches lediglich einen vermeidbaren Kostenfaktor im nationalsozialistischen Staatshaushalt darstell­te. 98

 

„Kirche im Nationalsozialismus":
Obwohl die christlichen Grundsätze den natio­nalsozialistischen in vielerlei Hinsicht wider­sprechen, kam es nicht zu einem offiziellen Bruch der Kirche mit dem faschis­tischen Staat, es wurde 1933 sogar ein Abkommen, das Reichskonkordat, zwischen dem Papst und Hitler geschlossen, das die Kirche zu schützen schien. Der Widerstand gegen die menschen­verachtende Politik des Nationalsozialismus blieb auch innerhalb der Kirche eine Ausnahme und der Einsatz einiger Weniger.

„Oberst Claus Schenk von Stauffenberg":
Übte am 20.7.1944 ein Attentat auf Hitler aus, indem er im Hauptquartier Hitlers – als Stabs­chef beim Befehlshaber des Ersatzheeres hatte er freien Zugang hierzu – eine Bombe zündete. Hitler wurde jedoch nur leicht verletzt,  Stauffenberg  noch am selben Tag verhaftet  und hingerichtet. In den folgenden Monaten wurden in ganz Deutschland etwa 1000 Oppositionelle verhaftet, über 200 von ihnen wurden hingerichtet.99

 

„Winterhilfswerk":
Mit dem Winterhilfswerk wurde eine gigantische Wohlfahrtsorganisation geschaffen. Das Winterhilfswerk und die Nationalsozialistische Volkswohlfahrt hatten 1939 11,9 Millionen Mitglieder. Erst sammelten sie für ‚notleidende Volksgenossen’, später für die Versorgung der Soldaten. Kamen anfangs die Gelder armen Familien und Kindern zugute, wurden die Sammlungen später ein Mittel, um aus  der Bevölkerung das Letzte für die Kriegs­mobilisierung heraus zu pressen. Außerdem unterzog das Winterhilfswerk die Bürger einer weiteren politischen Kontrolle. 100


 

98   vgl. Meyers Lexikonredaktion (Hrsg.): Meyers Grosses Taschen Lexikon in 25 Bänden. Band 6, S 216, Stichwort „Euthanasie"

99   vgl. Meyers Lexikonredaktion, Band 25, S. 325f, Stichwort „Zwanzigster Juli 1944"

100  Kolja Wagner: Der Nationalsozialismus – Angriff des Kleinbürgertums auf die Moderne