Stolpersteine Konstanz

Widerstand in Konstanz und Umgebung

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Vorwort

1. Einleitung

2.        Nicht organisierter Widerstand

2.1 Widerstand im Kleinen: passive Opposition

2.2 Aktive Opposition und Hilfe innerhalb von Konstanz

2.3 Die Rolle der Kirchen

3.4 Die Fluchthilfe für jüdische und politische Verfolgte

3.        Der organisierte Widerstand der Arbeiterbewegung

3.1 Die regionale Arbeiterbewegung

3.2 Der Schmuggel von illegalen Druckschriften

4.        Schluss

5.        Anhang

5.1 Glossar

5.2 Quellen zum Widerstand in Konstanz

5.2.1 Alfons Beck: Bericht über seine Tätigkeiten in der ‚Transportkolonne Otto’

5.2.2 Max Porzig: Bericht über seine Verhaftung im Rahmen der ‚Aktion Gitter’ am 22.8.1944

5.3 Abbildungen

5.4 Literaturverzeichnis

5.5 Filmverzeichnis


Vorwort

Die vorliegende Arbeit stellt den Widerstand in und um Konstanz zur Zeit des National­sozialismus dar. Sie kann und soll weder den Widerstand in Deutschland noch den National­sozialismus an sich zum Thema haben, da sich diese Themen kaum auf ein paar Seiten zusammenfassen lassen. Für ein besseres Verständnis der Situation ist jedoch etwas Vorwissen notwendig. Dieses versuche ich in Form eines Glossars zu vermitteln, einige Sachverhalte sind jedoch so komplex, dass sie im Anhang anhand von Quellen dargestellt werden.

Ich danke Herrn Neser für seine Hilfsbereit­schaft und das Interview sowie Ute und Claudia Franken für ihre Hilfe beim Korrekturlesen.

1. Einleitung

Jeder kennt die wenigen Namen von Wider­standskämpfern aus der Zeit des National­sozialismus, die durch ihre heldenhaften Taten einen Platz in den Geschichtsbüchern erhalten haben: die Geschwister Scholl, Oberst Claus Schenk von Stauffenberg, Pfarrer Niemöller. Aber diese Menschen waren nicht die Einzigen, die sich während der zwölf Jahre dauernden Diktatur Hitlers und seiner Partei zur Wehr setzten und aktiv versuchten, diese Diktatur zu bekämpfen. Was ging in Deutschland vor sich? Was dachten und taten die einfachen, kleinen Leute, um sich gegen die Unterdrückung der Meinungsfreiheit, die „Gleichschaltung", die Inhaftierung der politischen Gegner des Systems, die Judenverfolgung, den Krieg und die Vernichtung zu wehren?

Auch im Kleinen regte sich das Gewissen einiger Menschen, wurden diese Menschen aktiv, weil sie die Zustände nicht ertragen konnten, gab es Widerstand; auch in Konstanz.

 

Auf Grund der Lage direkt an der Schweizer Grenze spielte Konstanz – verglichen mit seiner Größe – sogar eine relativ wichtige Rolle. Hier fand nicht nur der lokale, meist passiv Widerstand statt, hier gab es sozusagen einen Austausch über die Grenze: bedrohte Menschen aus Deutschland, besonders Juden und politisch Verfolgte, gelangten mit Hilfe der Ortskundigen in die sichere Schweiz und wurden somit gerettet. Zum anderen transportierten mutige Bürger – meist organisiert von den verbotenen Parteien SPD und KPD – illegale politische Schriften nach Deutschland hinein und verteilten sie von Konstanz aus im ganzen Südwesten Deutschlands. Sie ermöglichten somit einer Vielzahl von Menschen eine oppositionelle Information über die politische und kriegstechnische Lage und gaben dadurch neue Hoffnung.

Bis heute ist über die Menschen, die bei diesem Widerstand halfen und dadurch vielleicht täglich ihr Leben riskierten, nur wenig bekannt. Oftmals sind lediglich bruchstückhafte Erin­nerungen und Zeitzeugenberichte vorhanden oder die Fälle sind nur noch über die Polizei- und Gestapoakten zu rekonstruieren, die bei der Verhaftung der Widerstandskämpfer angelegt wurden.

Stets muss man sich vor Augen halten, dass die Menschen unter der ständigen Angst vor der Denunziation, Verhaftung, Inhaftierung in Konzentrationslager und sogar der Todesstrafe lebten. Die gefährlichste und extremste Form des Widerstandes, „die Entscheidung einiger weniger, auf die Beseitigung des Nationalsozialismus [als Ganzes] hinzuarbeiten, bedeutete ein Leben in der Illegalität [...]. Die Fundamentalopposition blieb im Dritten Reich eine verschwindend kleine Minderheit."1 Es war nicht der Regelfall sondern eine sehr große Ausnahme, dass jemand etwas getan hat, um gegen die nationalsozialistische Terrorherrschaft vorzu­gehen.


1 Paula Lutum-Lenger (Hrsg.): GrenzWege – Widerstand an der Schweizer Grenze 1933-1945, S. 18