Please enable JavaScript to view this site.

 

Navigation: Steine nach Strassen

Eduard FRANK 1873 - 1938

Themen Zurück Top Vor Menü

Geboren: 25.Mai 1873

 

Opfer des Pogroms

Verhaftet 10. November 1938

Gefängnis Konstanz

 

Tod: 27. November 1938

Stein_FRANK_Eduard

Stolperstein für Eduard Frank

verlegt am 17. März 2008

Haus_Frank_Eduard_Altmannstr_4

Altmannstrasse 4  heute
 

 

Eduard Frank wurde am 25.05.1873 in Konstanz geboren. Er war verheiratet mit Hermine Frank, geb. Sulger. Die Eheschließung fand am 4.8.1924 in Konstanz statt. Seine Frau war keine Jüdin. Sie brachte ihre Tochter Gerda (geb. 10.4.1925 in Böhringen) mit in die Ehe, die Eduard Frank am 29.8.1924 adoptierte. Mit seiner Frau Hermine hatte er einen ehelichen Sohn namens Lothar, geb. 7.3.1925 in Böhringen, gest. am 17.3.1964 in Konstanz durch Suizid (Leuchtgas). Lothar Frank war als Testamentsvollstrecker in Konstanz tätig.

 

Eduard Frank machte in Konstanz Abitur. Nach dem Jurastudium in Freiburg ließ er sich in Konstanz als Rechtsanwalt nieder. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde er für die USPD (eine linke Abspaltung von der SPD) in den Bürgerausschuss gewählt. Seine Kanzlei war in der Bahnhofstraße 7. Später kehrte er zur SPD zurück und war zeitweise auch im Vorstand der Partei aktiv. 1933 gab es in Konstanz 9 jüdische Rechtsanwälte (Moritz Bloch, Bernhard Schloß, Sigmund Fuchs, Eduard Frank, Leopold Spiegel, Leopold Rothschild, Dr. Willy Pfeil, Dr. Fritz Jung und Wilhelm Rothschild). Mit dem Machtantritt der Nazis durfte er wie alle anderen jüdischen Anwälte in Konstanz nicht mehr praktizieren. Wegen seiner sozial­demo­kratischen Gesinnung wurde Frank beim Karlsruher Ministerium für Kultus, Unterricht und Justiz anonym angeschwärzt, er sei Kommunist. Er wurde aufgefordert „eingehend darzulegen, ob und inwieweit er sich in kommunistischem Sinne betätigt“ habe. Der Konstanzer Landgerichtspräsident schrieb daraufhin am 16. Mai 1936 an das Ministerium in Karlsruhe, dass sich Eduard Frank „nie in kommunistischem Sinne betätigt“ habe. Eine Rücknahme des Berufsverbots für Frank komme aber dennoch nicht in Frage, so das Ministerium. Dies verbiete § 1 des Gesetzes über die Zulassung zur Rechts­anwalt­schaft vom 7. April 1933. Am 6. Dezember 1938 wurde Eduard Frank schließlich aus der Liste der am Landgericht zugelassenen Anwälte gestrichen.

In der Pogromnacht in Konstanz vom 9./10. November 1938 wurde nicht nur die Konstanzer Synagoge zerstört, sondern auch über 60 Konstanzer Juden ins KZ Dachau deportiert, von denen einige dort den Tod fanden.  Eduard Frank kam nicht nach Dachau, sondern wurde verhaftet und in das Konstanzer Gefängnis in der Wallgutstraße eingeliefert. Dort starb er im Alter von 65 Jahren am 27. November 1938 unter ungeklärten Umständen:

• „Selbstmord, weil er die Schande nicht ertragen konnte" (Semi Moos)

oder

•  ermordet durch Gefängnisbeamte bzw. Gestapo (Thomas Warndorf).

Ein Prozess nach 1945 über die Vorgänge im Konstanzer Gefängnis vor einem französischen Militärgericht brachte keine Klärung, da nur Verbrechen in den letzten Jahren vor 1945 verhandelt wurden.

frank_eduard_einwohnermeldekarte_kl

Eduard Frank, Karteikarte Einwohnermeldeamt Konstanz

 

Die Ursache "Selbstmord aus Scham" dürfte aber m. E. dem Sachverhalt nicht gerecht werden. Werner Trapp schreibt z.B., dass die im Rahmen der Reichspogromnacht verhafteten Konstanzer Juden in den Kellern der Gestapo Zentrale in der Mainaustraße 29 "schwer misshandelt" wurden. Gleiches wird im Südkurier vom 28.10.1948 berichtet. Thomas Warndorf spricht von der Ermordung durch Gestapobeamte. M. E. lässt das Verhalten der Gestapo den Schluss zu, dass Frank ermordet wurde. Dabei ist es unwesentlich, ob Frank selbst Hand an sich gelegt hat, oder dies die Gestapobeamten taten. Die herbeigeführte Situation der unmenschlichen Behandlung durch Gefängnis- bzw. Gestapobeamten war ursächlich für den Tod von Eduard Frank.

 

hmfile_hash_084b1c77

Eduard FRANK
Grabstein, Jüdischer Friedhof Konstanz
"RECHTSANWALT
EDUARD FRANK
1938"
(Foto August 2018: einige Buchstaben fehlen)

 

 

 

Recherche: Hendrik Riemer / Uwe Brügmann

Patenschaft: Mirjam Wiehn

Quellen:

Staatsarchiv Freiburg, Personalakte Eduard Frank, F 167/6, 78

Werner Trapp, "Konstanz in der Zeit des Nationalsozialismus", in: Konstanz im 20. Jahrhundert, Die Jahre 1914 bis 1945, hrsg. v. Lothar Burchardt, Dieter Schott, Werner Trapp, Konstanz 1990, S. 321 ff

Thomas Warndorf, Das jüdische Konstanz, Ein Rundgang in: Erinnern, Lernen, Bedenken. Sigmaringen: Thorbecke Verlag 1990, S. 105 (Hegau-Bibliothek 69)

Verschiedene Artikel im "Südkurier":
Abrechnung mit der Konstanzer Gestapo, 26.10.1948
Was geschah im Haus Mainaustraße 29?, 28.10.1948
Urteil im Gestapo-Prozeß, 30./31.10.1948
Von schwerer Anklage freigesprochen, 25.11.1948

Stadtarchiv Konstanz: maschinenschriftliche Aufzeichnungen Semi Moos

Gefängnisprozeß Wallgutstraße vor dem Militärgericht in Freiburg am 20.11.1948: Centre des Archives de l’occupation Francaise en Allemagne et en Autriche, dossier AJ c. 344 p. 393/503 [Akte nicht eingesehen !]

Tobias Engelsing, "Das jüdische Konstanz Blütezeit und Vernichtung". Südverlag: Konstanz 2015. S. 42