Stolpersteine Konstanz

Laura FERBER    1881  - 1942

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Laura FERBER    1881  - 1942

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Laura FERBER    1881  - 1942

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DEPORTIERT 1940

GURS

INTERNIERT DRANCY

ERMORDET 16.08.1942

AUSCHWITZ

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Seestr. 29 heute
(2014)

stein_FERBER_lauraStolperstein für Laura FERBER
verlegt am 27.06.2014

 

Laura Ferber wurde am 4.4.1881 in Wien geboren.

Sie stammte aus einer wohlhabenden Wiener jüdischen Familie. Sie hatte drei Schwestern, Elsa, Rosa und Gisela, die den Holocaust überlebten.

Laura Ferber war leicht gehbehindert und unverhei­ratet; von Beruf war sie Lehrerin. Offenbar übte sie aber ihren Beruf nicht aus, da sie häufig den Wohnort wechselte.

1905 kam sie nach Konstanz. Danach lebte sie abwechselnd in Wien, Freiburg und Meran.

Anfang der 1920er Jahre kam Laura Ferber zurück nach Konstanz und hatte nun ihren festen Wohnsitz in der Villa ihres Schwagers. Sie nahm am gesell­schaftlichen Leben des Ehepaares Stux teil; sie galt als gute Klavierspielerin und erteilte auch Konstanzer Bürgern privaten Klavierunterricht.

Laura Ferber bemühte sich vergeblich um die Auswanderung in die USA. Im August 1939 wurde ihr vom amerikanischen Konsulat die Vormerknummer 51.000 zugeteilt.  Das städtische Wohnungsamt, welches für die Zuteilung von Wohnraum für Juden zuständig war, notierte daraufhin in einem internen Vermerk, dass „in absehbarer Zeit nicht mit ihrer Auswanderung gerechnet werden kann.“

 

Laura Ferber hatte sich Anfang 1939 um die Auswanderung in die USA bemüht. Im August 1939 wurde ihr vom amerikanischen Konsulat die Vormerknummer 51.000 zugeteilt, so dass das städtische Wohnungsamt, welches für die Zuteilung von Wohnraum für Juden zuständig war, in einem internen Vermerk notierte, dass „in absehbarer Zeit nicht mit ihrer Auswanderung gerechnet werden kann.“

 

Am 14. Mai 1940 wurde sie und das Ehepaar Stux zwangsweise in ein "Juden­haus" in der Bruder­turmstraße 8 umgesiedelt. Nach dem "Gesetz über Mietverhältnisse mit Juden"  über Mietverhältnisse mit Juden vom 30. April 1939 war es deutschen Mietern nicht zuzumuten, mit Juden in einem Haus zu wohnen. Juden mussten in „Judenhäuser“ umziehen, im Jargon der Nazi-Bürokratie waren das Häuser, die Juden gehörten und in denen nur Juden wohnen durften.

 

Am 22. Oktober 1940 wurde Laura Ferber mit 108 anderen Juden aus Konstanz, nach in Süd­frank­reich deportiert. Unter den Deportierten befanden sich auch ihre Schwester Elsa  und ihr Schwager Robert Stux. Im Lager wurde Laura Ferber, wie auch andere Konstanzer Juden, von der jüdischen Gemeinde Kreuzlingen mit Lebensmitteln unterstützt; mehrere Dankesbriefe haben sich erhalten (siehe hier).

 

Ende Februar 1941 wurde Laura Ferber von Gurs in das neu eingerichtete Lager Noé, 20 km südlich von Toulouse, verlegt. Dieses Lager, wie übrigens auch Le Récébédou, waren sogenannte Camps-hôpitaux, d.h. Spital-Lager. Diese Lager waren in Wirklichkeit aber weder Hospitäler noch Altenheime, hatten aber feste Baracken. Sie wurden eigens für alte und gebrechliche Juden eingerichtet.  Die Verhältnisse im Lager Noé waren aber genauso menschen­unwürdig wie in Gurs. Die ärztliche Versorgung war miserabel. Laura Ferber musste trotz großer gesundheitlicher Beschwerden fünf Wochen auf einen Arzt warten; auch die Wasch- und Dusch­möglichkeiten waren sehr eingeschränkt.  Am 10. August 1942 wurde Laura Ferber von Noé in das Sammellager , 20 km nördlich von Paris, überstellt.

 

Drancy war ein Sammel- und Durchgangslager für Transporte nach Auschwitz. So wurden zwischen 1941 und 1944 etwa 65.000 Juden, darunter 6.000 Kinder, mit Eisenbahntransporten in die Todeslager im Osten im „Generalgouvernement“ Polen depor­tiert.

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Das Lager Drancy

 

Drancy lag auf einer Hochfläche 20 Kilometer nordöstlich von Paris. Es war von Schuttablade­plätzen, einzelnen niedrigen Gehöften und einigen Fabriken umgeben. Das Lager selbst war eine Ansammlung dunkler massiger Gebäude und hatte etwa die Form eines Hufeisens. Es war ursprünglich als Unterkunft für Arbeiter errichtet worden.

 

Das U-förmige Hauptgebäude des Lagers bestand aus fünf Geschossen, und von den Treppenabsätzen gelangte man in große Räume ohne weitere Unterteilung, in die etwa 60 Erwachsene oder 100 Kinder gepfercht waren. Die internierten jüdischen Männer und Frauen waren getrennt, auch wenn es sich um Ehepaare handelte.

 

Die Gefangenen schliefen auf Stroh, das auf die Bodenplanken gestreut war. Die Ernährung war sehr schlecht, sie bestand aus zwei Schöpfkellen wässriger Suppe, 250 Gramm Brot und zwei Erdbirnen (Topinambur). Gegen Bestechung war es auch möglich, sich Nahrungsmittel von außerhalb zu besorgen oder schicken zulassen, vorausgesetzt, die Angehörigen wussten die Adresse der Inhaftierten. Das Lager wurde von Franzosen bewacht und der Lagerkommandant war ein Offizier der französischen Armee. Zwischen 1941 bis 1944 befanden sich nie weniger als 5000 Personen im Lager.

 

 

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Lagerleben in Drancy

 

 

Vom Bahnhof Le Bourget-Drancy verließ am 14. August 1942 ein Transport mit 1015 Juden Richtung. Es war der 19. Transport dieser Art nach Auschwitz.

 

Der Transport setzte sich vorwiegend aus Juden zusammen, die aus den Lagern Les Milles, Récébédou, Noé und Rivesaltes  in der unbesetzten Zone am 10. August nach Drancy gebracht worden waren. Etwa 238 bereits in Drancy internierte Juden wurden diesem Transport noch hinzugefügt; zu der Gruppe gehörten viele Familien mit insgesamt mindestens 22 Kindern, darunter auch Kinder unter zwölf Jahren.

 

Unter den 1015 Todeskandidaten des Transports befanden sich Laura Ferber und das Konstanzer Ehepaar Toni und Salomon Guggenheim.

 

Nach der Ankunft des Transports am 16. August 1942 in Auschwitz-Birkenau und der Selektion an der berüchtigten Rampe wurden alle Häftlinge bis auf 115 arbeitsfähige jüngere Männer noch am selben Tag in der Gaskammer ermordet. Unter den Opfern war auch Laura Ferber. Laut dem Historiker Serge Klarsfeld gab es 1945 nur einen einzigen Überlebenden dieses Transports, einen jungen Juden aus Minsk.

 

 

Recherche: Uwe Brügmann

Patenschaft: Petra Quintini

Quellen:

Staatsarchiv Freiburg, Entschädigungsakte Robert und Elsa Stux, F 196/1, 1181 und 800

Gedenkbuch Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945, 2 Bände, (Bearb. vom Bundesarchiv Koblenz und dem Internationalen Suchdienst Arolsen), Koblenz 1986

Klarsfeld, Serge: Vichy-Auschwitz. Die Endlösung der Judenfrage in Frankreich. Darmstadt: Wiss. Buchgesellschaft, 2007, S. 457