Stolpersteine Konstanz

Euthanasie - T4-Aktion

Inhaltsverzeichnis zeigen/verbergen

Euthanasie - T4-Aktion

zurück weiter  

Euthanasie - T4-Aktion

zurück weiter zum Drucken muss Javascript aktiviert sein Helfen Sie Fehler zu beseitigen!  

Euthanasie

T-4 Aktion ist eine Bezeichnung für die systematische und zentral organisierte Ermordung von mehr als 100.000 Psychatrie-Patienten und Behinderten durch Ärzte, Pflegekräfte und Verwal­tungsbeamte von 1940 bis 1941.

Namensgebend für die T-4 Aktion war die Berliner Bürozentrale, eine Villa in der Tiergartenstr. 4. Dort befand sich die Zentrale für die Ermordung behinderter Menschen  im gesamten Deutschen Reich.

Für die Euthanasie gab es keine rechtliche Grundlage, selbst nach NS-Gesetzen war es  Mord.

Hitlers "Ermächtigung zur Gewährung des Gnadentodes für unheilbar Kranke" wurde   auf den 1. Sept.1939 (Kriegsbeginn) rück­datiert, um die Bevölkerung von der kriegs­wirtschaftlichen Bedeutung der Euthanasie ("Ballastexistenzen") zu überzeugen.

Verschiedene Tarnorganisationen wurden geschaffen, z.B.die Gekrat = gemeinnützige  Krankentransport GmbH, die mit den sogenannten Grauen Bussen die Transporte in die   Tötungsanstalten durchführte.

Die Erfassung der Behinderten begann im Oktober 1939 mit der Versendung von  Meldebögen an die psychiatrischen Anstal­ten.

6 Tötungsanstalten wurden eingerichtet: Brandenburg(an der Havel), Bernburg (an der  Saale), Hartheim (bei Linz), Sonnen­stein (bei Pirna), Hadamar (in Hessen) und Grafeneck (auf der schwäbischen Alb). Über 70 000 Menschen wurden ermordet.

Alleine in Grafeneck, wohin die meisten Insassen der Heil- und Pflegeanstalt Reichenau   deportiert wurden, wurden 10 654 Menschen ermordet.

In einer als Duschraum getarnten Gaskam­mer wurden durch Einleiten von Kohlen monoxid die Tötungen durchgeführt. Die Leichen wurden in einem dafür erbauten  Krematorium verbrannt. (Dieses Mord­verfahren wurde dann für die industrielle  Ermordung in den Vernichtungslagern, wie z.B. Auschwitz-Birkenau, übernommen).

In den 6 Tötungsanstalten wurden Stan­desämter eingerichtet. Dort wurden Todes­ursache, Tag u. Ort gefälscht, Akten unter­einander ausgetauscht, um Nachforschun­gen von Angehörigen zu erschweren oder unmöglich zu machen. Nur auf Nachfrage  wurden Urnen, die jedoch sicher nicht die Asche des/der Ermordeten enthielten, an Hinterbliebene verschickt.

Auch nach der offiziellen Beendigung der T‑4 Aktion im August 1941 ging die "wilde Euthanasie" dezentral weiter, der nochmals ca. 30 000 Menschen zum Opfer fielen.

Bei der Mehrzahl der Recherchen der Eu­thanasieopfer konnten keine Verwandten oder Nachkommen ermittelt werden, sodass Bio­graphien oft nur bruchstückhaft sind.

Im Januar 1983 "fand" man im Keller des Konstanzer Krematoriums 192 Urnen (fast alle von Euthanasieopfern, u.a. von Benno Bosch , Luzia Hahn und Anton Hölzle), für die im Juli 1984 auf dem Konstanzer Hauptfriedhof eine Gedenkstätte errichtet wurde. Die meisten Urnen, nämlich 141, stammen von Opfern, die in Schloß Hartheim bei Linz ermordet wurden; 46 Urnen kamen aus der Tötungsanstalt Grafeneck auf der Schwäbischen Alb.