Stolpersteine Konstanz

Lina EICHLER, geb. Schwarzhaupt, 1871 - 1965

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Lina EICHLER, geb. Schwarzhaupt, 1871 - 1965

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Lina EICHLER, geb. Schwarzhaupt, 1871 - 1965

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geb. 04.09.1871, Regensburg

 

1944 - 1945 KZ Theresienstadt

 

gestorben 1965

Blarerstr. 48 heute (2010)

Blarerstr. 48 heute
(2010)

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Stolperstein für Lina EICHLER
verlegt am 14.07.2010

 

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Lina Eichler, geb. Schwarzhaupt, wurde am 04.08. 1871 in Regensburg in einer jüdischen Familie geboren. Ihr Vater, Max Schwarzhaupt (1836-1912), war Hopfenhändler und Brauereibesitzer; ihre Mutter hieß Maria. Mit 18 Jahren zog Lina Schwarzhaupt nach Konstanz zu ihrer Schwester Klara Rosenthal, die hier verheiratet war. 1905 heiratete Lina Eichler den katholischen Bankbeamten Emil Eichler und trat zum Katholizismus über. 1928 wurde die Ehe auf Veranlassung ihres Mannes geschieden. Sie blieb zwar katholisch, „habe aber ihre Rassezugehörigkeit nie verleugnet."

Nach ihrer Scheidung betrieb Lina Eichler in der Blarerstraße 41 einen Versandhandel für Weiss- und Wollwaren, ein so genanntes Etagengeschäft, wie es damals hieß. Nach der Verordnung zur Ausschaltung von Juden aus dem deutschen Wirtschaftsleben vom 23.11.1938 musste Lina Eichler ihr Geschäft schließen. Sie zog zu einer ihrer Töchter in die Blarerstraße 48. Seitdem lebte sie von Zuwendungen ihrer drei Kinder Else, geb. 1912, Paula, geb. 1906, und Walter, geb. 1909. Seit März 1942 musste Lina Eichler den Judenstern tragen.

Der links abgebildete Stern musste von Juden ab September 1939 im besetzten Polen und ab dem 1. September 1941 im Deutschen Reich ständig sichtbar an der Kleidung getragen werden. Das markierte den Höhepunkt der 1933 begonnenen, nun öffentlich sichtbaren sozialen Ausgrenzung, Diskriminierung und Demütigung der jüdischen Minderheit. Gleichzeitig diente es ihrer Auffindung für die damals beginnenden planmäßigen Judendeportationen in die Ghettos und Konzentrationslager und schließlich in die Vernichtungslager in Osteuropa. Der Judenstern war damit eine sichtbare Maßnahme zur Durchführung des Holocausts.

Wie durch ein Wunder entging Lina Eichler der Deportation von 112 Konstanzern nach Gurs am 22. Oktober 1940, weil sie zu diesem Zeitpunkt verreist war.

Auch von der zweiten Deportation am 24. April 1942, die acht noch in Konstanz verbliebene Juden betraf, welche im Jüdischen Gemeindehaus in der Sigis­mundstraße 21 wohnten, blieb sie verschont.

Nach diesem zweiten Transport blieben nur noch jüdische Frauen in Konstanz, die in einer „anerkann­ten Mischehe" lebten. Ganz offensichtlich hatten der Name ihres geschiedenen Mannes und ihre katholische Konfession Lina Eichler vor der Deportation geschützt, obwohl sie nicht mehr das Privileg der "Mischehe" genoss. Am 10. Januar 1944 wurde sie wohl als letzte Jüdin von der Gestapo abgeholt und in das Button gebracht. Obwohl sie zum Zeitpunkt der Deportation schon 73 Jahre alt war, überlebte sie das KZ.

Am 8. Mai 1945 wurde das KZ Theresienstadt von sowjetischen Truppen befreit. Nach 15 Monaten Haft kam auch Lina Eichler frei. Gesundheitlich schwer angeschlagen kehrte sie nach Konstanz zurück. Sie erhielt finanzielle Entschädigung sowohl für die Zeit, wo sie den Judenstern tragen musste, als auch für die Haft im KZ Theresienstadt.

Hoch betagt starb Lina Eichler am 13. 1. 1965 in Konstanz. Sie ist auf dem jüdischen Friedhof in Konstanz begraben.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Recherche: Petra Quintini

Patenschaft: Birgit Lockheimer

Quelle: Staatsarchiv Freiburg, Entschädigungsakte Lina Eichler, F 196/1, 427