Stolpersteine Konstanz

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Conrad Gröber:
Erzbischof, Erzantisemit, Ehrenbürger der Stadt Konstanz

Es kann nur als makaber bezeichnet werden, dass Conrad Gröber der Namensgeber der Strasse ist,
in der die Naziopfer der Familie Picard zuletzt inKonstanz wohnten.

Groeber_Hirtenbrief_1941

Der im Volksmund als „Brauner Conrad“ bekannte Erzbischof Gröber begrüßte am 25. April 1933 die Machtergreifung der Nazis: „Wir dürfen und wir können den neuen Staat nicht ablehnen, sondern müssen ihn positiv bejahen.“

Am 10. Oktober 1933 dankte Gröber, der gerne zackig mit Hitlergruß salutierte (so der langjährige Freiburger OB Rolf Böhme) bei einer katholischen Großveranstaltung in Karlsruhe ausdrücklich den erschienenen „Männern der Regierung“ und erklärte: „Ich verrate kein Geheimnis, wenn ich sage, dass ich mich restlos hinter die neue Regierung und das neue Reich stelle.“

1937 erschien das „Handbuch der religiösen Gegenwarts­fragen“, die autoritative Stellungnahme der deutschen katholischen Kirche zu allen politischen und religiösen Fragen der NS-Zeit, herausgegeben von Conrad Gröber. Darin heißt es: „Der Bolschewismus ist ein asiatischer Despotismus im Dienste einer Gruppe von Terroristen, angeführt von Juden.“

Und weiter heißt es dort, „der Führer des Dritten Reichs“  habe „den deutschen Menschen aus  seiner äußersten Erniedrigung und seiner durch den Marxismus verschul­deten inneren Ohnmacht erweckt und zu den angestammten germanischen Werten der Ehre, Treue und Tapferkeit zurückgeführt.“

Die Sympathien Conrad Gröbers für den Faschismus (Gröber war zahlendes Fördermitglied der Waffen-SS) –  beschränkten sich nicht auf Deutschland: In seiner Silvesterpredigt 1939 begrüßte er den erfolgreichen Putsch der Franco-Diktatur gegen die demokratisch gewählte spanische Regierung: „Spanien hat gesiegt, das christliche Spanien lebt, Franco, dessen Name gleich frei bedeutet, hat Spanien und  seiner  Bevölkerung die Freiheit gegeben.“

In derselben Predigt verpflichtete er Katholiken zur bedingungslosen Unterstützung der Hitler-Armee: „Wenn der Krieg ausgebrochen ist, wenn es sich darum handelt, Volk und Vaterland zu verteidigen, dann wissen wir Katholiken, daß es unsere Pflicht ist, mit Gut und Blut bis zum letzten Tropfen uns für das Volk und Vaterland einzusetzen.“

Noch 1941 unterstützt er in seinem in großer Auflage verbreiteten Fasten-Hirtenbrief das Nazi-Regime: „es liegt mir ferne, im derzeitigen, ungeheuren, kriegerischen Geschehen ein Wort zu meinen Erzdiözesanen zu reden, das deren nationale Kraft und Hingabe ungünstig ablenken oder irgendwie sonst beeinträchtigen könnte".  Gröbers Nazi-Jargon in diesem Hirtenbrief ist verräterisch: „Nationale Einheit und Eintracht", „Waffenringen", „das Deutsch­heldenhafte", „Volksgemeinschaft, ein aufrichtig begrüßtes, ein viel gebrauchtes deutsches Wort für ein ganz herrliches deutsches Ziel!", „ruhmreiche Waffen­brüderschaft".

Erst als die Nazis im Rahmen des Kirchenkampfs eine Verleumdungskampagne gegen ihn eröffneten und ihn aus der Mitgliederliste der SS strichen, wandte er sich enttäuscht ab. Kirchliche Kreise haben recht erfolgreich versucht, ihn als Nazigegner und Menschenfreund hinzu­stellen, der sich nur aus taktischen Gründen und um Schlimmeres zu verhindern, den Nazis anbiederte. So zum Beispiel, als Gröber an den Präsidenten des berüchtigten „Volksgerichtshofs“, Roland Freisler, anlässlich des Todesurteils gegen den Priester Dr. Franz Josef Metzger schrieb: „Hochverehrter Herr Präsident des Volks­gerichtshofes! … Ich bedauere aufs allertiefste das Verbrechen dessen er sich schuldig gemacht hat.“

Gröbers angebliche (späte) Gegnerschaft zum National­sozialismus gründete sich jedoch nie auf die menschenverachtende, rassistische und mörderische Politik, sondern auf den Machterhalt der katholischen Kirche. Dies benannte er 1944 in einem Schreiben an Papst XII. präzise: „Der Kampf gegen das Christentum und die Kirche war [...] der Anlaß unserer Kritik und ablehnenden Haltung.“

Gröber ließ nie von seinem Antisemitismus ab. Noch im April 1945 warnte er nur vor einem „übertriebenen“ Judenhass. Niemals hat Gröber sich in klaren Worten gegen die Ausgrenzung der Juden und den millionenfachen Mord ausgesprochen.

 

 

 

 

 

 

 

 

Der nachdenkliche Christ weiß, daß
in Auschwitz nicht das jüdische Volk gestorben ist, 
sondern das Christentum. 
(Eli Wiesel, Friedensnobelpreisträger und Auschwitz-Überlebender)

 

 

Conrad Gröber ist noch immer (Jan. 2017) Ehrenbürger der Stadt Konstanz  !

QUELLEN:

Motivation Gröber: Akten deutscher Bischöfe über die Lage der Kirche 1933-1945, 6 Bde, bearb. von Bernhard Stasiewski (Bd.I-III) und Ludwig Volk (Bd.IV-VI), Mainz 1968-1985. Hier: Bd. VI, Nr. 910

„Brauner Conrad“: :
-- http://de.wikipedia.org/wiki/Conrad_Gröber
-- oder googeln: „der braune conrad“
 

„Hirtenbrief“, Amtsblatt der Erzdiözese Freiburg, 1941, S. 381 ff.

Franco: Freiburger Diözesan-Archiv, Band  94, 1974, S. 609

Silvesterpredigt 1939: Freiburger Diözesan-Archiv, Band  94, 1974, S. 612

Gröber, Conrad (Hrsg.): Handbuch der religiösen Gegenwartsfragen. Mit Empfehlung des deutschen Gesamtepiskopats. Freiburg im Breisgau, Herder & Co. Verlagsbuchhandlung,, 1937.Hier zit. nach: Freiburger Diözesanarchiv Bd. 102, 1983, S. 295

 

Dank an Herrn Dr. Christoph Schmider, Erbischöflicher Oberarchivdirektor, für Korrekturrhinweise !