Stolpersteine Konstanz

Brief aus Gurs
Antwort auf den Brief vom 2.12.1941

Inhaltsverzeichnis zeigen/verbergen

Brief aus Gurs
Antwort auf den Brief vom 2.12.1941

zurück weiter  

Brief aus Gurs
Antwort auf den Brief vom 2.12.1941

zurück weiter zum Drucken muss Javascript aktiviert sein Helfen Sie Fehler zu beseitigen!  

 

Gurs, den 21. Januar 1942
Arthur Godlewsky
Camp e Gurs B.P.
Ilot E Baraque 16

    An die verehrl. Gemeinde Kreuzlingen
      z. H. Herrn Robert Wieler

           Sehr geehrter Herr Wieler !
 Sie werden wohl längst auf den Brief, den Sie im Auftrage der Gemeinde
Kreuzlingen am 2. Dezember v. J. an mich u. meine Frau gerichtet haben, Antwort
erwartet haben.

 Die Gründe, warum hierin eine Verzögerung eintreten musste, lagen in
dem offen kranksein meiner Person u. meiner Frau. Und wir mussten uns in
dieser schweren Zeit oftmals die Frage vorlegen - als wir so darniederlagen,
warum eigentlich andere Konstanzer so regelmässig betreut wurden, während
wir, die wir uns in der früheren Betreuung der Gemeinde, wie Sie selbst schrei- (??)
ben doch vorangestellt hatten, jetzt leider vernachlässigt wurden u. xxxx,
wie Sie sehr geehrter Herr Wieler schrieben, seit beinahe einem Jahr uns
nicht mehr berücksichtigen konnten, weil Sie in der Familie Weil-Brüll
Verwandte erblickten, die in der Lage wären uns zu helfen. Sie konnten
sich wohl denken, sehr geehrter Herr Wieler, dass es mir in der Beant-
wortung Ihres Absagebriefes nicht so eilig erscheinen musste, weil - während
wir öfters hauptsächlich meine lb. Frau so schwer krank waren, eine
Hilfe Ihrerseits nicht mehr in Frage käme, deswegen waren wir auch
nicht in der Lage, Ihren w. Brief früher zu beantworten.

Es soll dieses gewiss keine Undankbarkeit gegen Ihre w. Gemeinde sein
u. Sie dürfen es auch nicht so auffassen, denn wir sind wohl be-
wusst, was die Gemeinde Kreuzlingen bis März v. J. und Einzelne
ihrer w. Mitglieder an uns getan haben; wir haben dies öfters der
Gemeinde bestätigt u. meine Frau sowohl wie ich, können dies Ihnen (?)
auch heute nochmals tun u. danken Ihnen für Ihre fürsorgliche
u. liebevolle Betreuung, nochmals recht herzlichst. Zugleich danke
ich Ihnen ebenso recht herzlich für die Betreuung meiner Mutter.

Leider ist in dem Verwandtschaftsgrad von Familie Weil-Brüll und
uns eine grosse Verwechslung eingetreten, denn die Familie (sic) standen
noch nie, ich betone leider noch nie, in ein enges Verwandtschafts-
verhältnis zu uns, sie sind entfernte Verwandte meiner Gross-
mutter u. Mutter u. haben demgemäss auch kein grosses Interesse
an uns hier d.h.an mir u. meiner Frau. Ich selbst kenne die
Familien nicht persönlich. Ich glaube auch, dass eine Intervenierung
von Ihrer Seite dahin, keinen grossen Vorteil bringen wird. Ich habe
mich persönlich auch öfters an die Familie gewendet u. habe dies-
bezüglich keine regelmässige Hilfe erhoffen dürfen Nur Anfang vorigen
Jahres hat die Familie Weil

[Rest des Absatzes und ein weiterer geschwärzt]

xxxxxxxxxxxxxx

      Ihr dankbarer Arthur Godlewsky

  Meine lb. Frau lässt ebenfalls herzlich grüssen.