Stolpersteine Konstanz

Jakob BRAVMANN   1889 - 1964

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Jakob BRAVMANN   1889 - 1964

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Jakob BRAVMANN   1889 - 1964

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geb.: 13.01.1889 in Unteraltertheim

Seit 1924 Kantor, später auch Rabbiner der jüdischen Gemeinde Konstanz

 

1938 Emigration in die USA

Sigismundstrasse 21     heute (2010)

Sigismundstrasse 21    
heute (2010)

Stein_BRAVMANN_Jakob

Stolperstein für Jakob BRAVMANN,
verlegt am 22.5.2009

verheiratet mit Flora Bravmann, Kinder: Siegbert Bravmann, Beate Bravmann

foto_bravmann_jakob_1935
Jakob BRAVMANN
1935

 

Jakob Bravmann wurde am 13. Januar 1889 in Unteraltertheim geboren. In dieser Gemeinde südwestlich von Würzburg gab es viele Juden und viele Bravmanns.

 

Das Elternhaus in Unteraltertheim

Das Elternhaus in Unteraltertheim

 

In Würzburg absolvierte Jakob eine Ausbildung zum Kantor. Nach dem Abschluss nahm er eine Lehrerstelle in der Gemeinde Neidenstein bei Heidelberg an. Dort lernte er Flora Jakob kennen, verliebte sich und beide heirateten 1911 in Heidelberg.

 

Jakob und Flora BRAVMANN in Luzern/Schweiz (Hochzeitsreise?)

Jakob und Flora BRAVMANN in Luzern/Schweiz
(Hochzeitsreise?)

 

Am 10. April 1913 wurde ihr Sohn Siegbert geboren.

1920 bot die jüdische Gemeinde Konstanz Jakob die Stelle eines Kantors und Religionslehrers an. (siehe "Dokumente"). Im selben Jahr zog die kleine Familie an den Bodensee, wohnte seitdem einige Jahre in der Bodanstraße und bezog dann im Gemeindehaus in der Sigismundstraße 21 gleich neben der Synagoge eine Wohnung. Hier wurde am 13.September 1927 die Tochter Beate geboren.

Synagoge Konstanz, erbaut 1883 Vor dem Novemberpogrom 1938

Synagoge Konstanz, erbaut 1883
Vor dem Novemberpogrom 1938

 

Jakob Bravmann war bald ein allseits geachteter und hoch geschätzter Kantor und wurde zu einem bei Kindern und Jugendlichen der Gemeinde beliebten Lehrer. Mit Hingabe leitete er den Synagogenchor und bereitete alle Jungen aus Konstanz und Kreuzlingen auf ihre Bar-Mitzwah vor(1). Er sang bei Beerdigungen und engagierte sich in vielen Bereichen der Jugendarbeit. Noch immer unvergessen sind seine Theateraufführungen. – 1933 veranlasste die wachsende Brisanz der politischen Lage Kantor Bravmann, seinen Sohn Siegbert in die USA zu schicken, wohin ihm die restliche Familie später folgen sollte.

 

Silberhochzeit Jakob und Flora Bravmann Comer See, 1936

Silberhochzeit Jakob und Flora Bravmann
Comer See, 1936

 

Als Rabbiner Dr. Chone 1935 nach Palästina auswanderte, blieb Kantor Bravmann in Konstanz, obwohl auch er mit seiner Familie und Teilen der Familie seiner Frau die Stadt und Deutschland lieber verlassen hätte. Er fühlte sich jedoch verpflichtet, die Gemeinde nicht ohne Leitung zurückzulassen und arbeitete daher von nun an nicht nur als Kantor, sondern auch als Rabbiner.

Als ein Jahr später – am 1. November 1936 – die Synagoge in der Sigismundstraße verwüstet wurde, war Jakob Bravmann maßgeblich an der Planung für den Wiederaufbau des Gotteshauses beteiligt. Im Juli 1937 konnte es wieder geweiht werden.

Im August 1938 konnte Familie Bravmann gerade noch rechtzeitig zu Verwandten in die USA flüchten und musste die endgültige Zerstörung der Synagoge am 10. November 1938 nicht mehr miterleben.

 

Die Konstanzer Synagoge wird wenige Tage nach dem Pogrom vom 10. November 1938 abgebrochen

Die Konstanzer Synagoge wird wenige Tage nach dem Pogrom vom 10. November 1938 abgebrochen

 

In der Neuen Welt war es für Jakob Bravmann schwierig, eine Anstellung als Kantor zu finden. Sein Englisch war nicht gut genug, um zu einer liberalen Gemeinde zu gehen, und sein Jiddisch reichte für eine mehr traditionelle Gemeinde nicht aus. Nach langwieriger Suche – auch bedingt durch die allgemeine Wirtschaftskrise – fand er eine Anstellung als Buchhalter und behielt sie bis zu seiner Pensionierung.

Er starb am 24. April 1964 in Orange/New Jersey, ungefähr 8 Jahre nach seiner Frau, und hinterließ 2 Kinder und 5 Enkelkinder.

 

Zusammengestellt und autorisiert von Beatrice B. Muhlfelder, geb. Beate Bravmann.
Übersetzt und bearbeitet von Mirjam Wiehn

Patenschaft: Mirjam Wiehn, E. Roy Wiehn

(1)Fritz Ottenheimer, Wie hat das geschehen können. Herausgegeben von Erhard Roy Wiehn. Hartung-Gorre Verlag Konstanz 1.Auflage 1996