Stolpersteine Konstanz

Laura BEHRINGER,  1904 - 1989

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Laura BEHRINGER,  1904 - 1989

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Laura BEHRINGER,  1904 - 1989

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geb. 16.07.1904, Konstanz

VERHAFTET 1943

„Wehrkraftzersetzung"

Gefängnis Gotteszell

Bergen-Belsen

ÜBERLEBT

Bild grösser: klickenHüetlinstr. 19
heute (Sept. 2013)

 

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stein_BEHRINGER_LauraStolperstein für  Laura BEHRINGER
verlegt am 09.09.2013

 

Laura BEHRINGER wurde am 16. Juli 1904 in Konstanz geboren. Sie hatte sechs Geschwister. Ihre Eltern waren Hermann Behringer, der als „Wächter" einen schlecht bezahlten Beruf hatte, und Agatha, geb. Lohner, die Hausfrau war.

Sie besuchte in Konstanz die Volksschule und führte nach Schulende drei Jahre lang den elterlichen Haushalt. Wie viele junge Konstanzer Frauen ging sie anschließend in die benachbarte schweizerische Stadt Kreuzlingen als Dienstmädchen arbeiten.

Danach war sie als Arbeiterin in der Textilfabrik Herosé beschäftigt. Während der Kriegszeit lernte sie hier das Elend der zwangsverpflichteten Kriegs­gefangenen kennen. Weil viele junge Männer im Krieg waren, gab es in Konstanz wie überall im Reich einen akuten Arbeitskräftemangel. In vielen Betrieben wie Stromeyer, Herosé oder den Rieter-Werken waren deshalb Kriegsgefangene und Zivilisten aus den von der Wehrmacht besetzten Ländern zwangsverpflich­tet; in ganz Konstanz waren das während des Krieges etwa 10 % aller Beschäftigten. In der Textilfabrik Stromeyer, die zu 75 % Rüstungsgüter herstellte, waren z.B. 23 % der Arbeitskräfte Zwangsarbeiter.

Die zwangsverpflichteten Arbeiter und Arbeiterinnen lebten in Baracken auf dem Werksgelände oder in Schlafsälen der größeren Gasthäuser. Sie waren meist schlechter bezahlt als ihre deutschen Kollegen und litten häufig Hunger.

Bei ihrer täglichen Arbeit lernte Laura Behringer das Elend der „Fremdarbeiter", wie die ausländischen zwangsverpflichteten Arbeiter genannt wurden, kennen. Aus einfachen Verhältnissen stammend, rührte sie das Elend ihrer ausländischen Arbeitskolle­gen und -kolleginnen. Sie half, wo sie helfen konnte, mit Lebensmitteln oder Zigaretten.

Sie wurde daraufhin von Arbeitskollegen bei der Gestapo denunziert, am 26. September 1943 verhaf­tet und in "Schutzhaft" genommen. Am 5. Oktober 1943 wurde ihr vor dem Konstanzer Amtsgericht der Prozess gemacht. Die Anklage lautete auf mehrfache Begünstigung von Kriegsgefangenen.

Gemäß der "Verordnung zur Ergänzung der Strafvorschriften zum Schutz der Wehrkraft des deutschen Volkes" vom 25. November 1939 verletzte der private Umgang „das gesunde Volksempfinden" und wurde mit Gefängnis und in schweren Fällen mit Zuchthaus bestraft. Laura Behringer hatte Glück, dass sie nicht von einem der Sondergerichte angeklagt wurde, die in der Regel für solche Fälle zuständig waren; ihre Strafe hätte sonst leicht höher ausfallen können. Sie wurde zu 8 Monaten Gefängnis verurteilt. Ihre Strafe verbüßte sie im Frauengefängnis Gotteszell bei Schwäbisch Gmünd und im KZ Bergen-Belsen.

Am 26.02.1944 wurde sie entlassen.

Laura Behringer ist am 20.12.1989 in Konstanz gestorben.

 

Recherche:Uwe Brügmann

Patenschaft: Mirjam WIEHN

Quellen:

Staatsarchiv Freiburg, Entschädigungsakte L. Behringer, F 196/1, 1816

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