Stolpersteine Konstanz

Wilhelm ARTZ   Jg. 1880

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Wilhelm ARTZ   Jg. 1880

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Wilhelm ARTZ   Jg. 1880

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IM WIDERSTAND

VERHAFTET 1935

ZUCHTHAUS LUDWIGSBURG

ENTLASSEN 1938

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Konradigasse 3 heute
(2014)

stein_ARTZ_wilhelmStolperstein für Wilhelm ARTZ
verlegt am 27.06.2014

Ehefrau: Rosa ARTZ

Die Familie Artz war eine typische Handwerkerfamilie und dennoch kommunistisch gesinnt. Wilhelm hatte das Dachdeckerhandwerk gelernt; nach Wanderjah­ren in Radolfzell, Ulm und Schwäbisch Hall ließ er sich anschließend in Kreuzlingen nieder. Seine Frau Rosa, geb. Ruff, war nach Besuch von Volksschule und höherer Töchterschule in Hechingen Verkäuferin im Stadler Verlag in Konstanz. Wilhelm war seit 1919, Rosa seit 1923 in der KPD.

Rosa hatte 1904 den Schweizer Fritz König geheiratet und 3 Jungen (Ernst, Fritz und Karl) das Leben geschenkt.

Nach dem Tod ihres ersten Mannes 1915 heiratete sie noch während des Krieges den kriegsversehrten und in der Schweiz internierten Wilhelm Artz. Aus dieser Ehe ging der Sohn Wilhelm (Willi), geboren am 24.06.1919 in Emmishofen, hervor, der wie sein Vater Dachdecker wurde. Nach Kriegsende wurde Wilhelm Artz nach Deutschland ausgewiesen. Iin Konstanz baute er sich eine neue berufliche Existenz auf.

Am 29.06.1935 wurde das Ehepaar Artz verhaftet. Ihm wurde vorgeworfen Flugblätter und Flugschrif­ten der KPD in Konstanz und bei der Gastwirtschaft St. Katharina, einem damals beliebten Ausflugsziel der Konstanzer im Mainau-Wald, ausgestreut zu haben. Die Eheleute waren auch in der „Roten Hilfe“ aktiv. In ihrer Wohnung hätten nach 1933 Versammlungen der verbotenen KPD stattgefunden, auch habe Rosa Artz Fluchthilfe für einen jungen Kommunisten in die Schweiz geleistet. Beide, Wilhelm und Rosa, seien unbelehrbare Kommunisten gewesen, was schon ihre Übernamen „Kommunisten­vater“ und „Kommunistenmutter“ bewiesen. Ein Zeuge bestätigte nach dem Krieg, dass Rosa Artz „ein aktives, eifriges und absolut überzeugtes Mitglied der KPD“ gewesen sei. Ihr Mann Wilhelm war ein belesener Mann, denn er besaß eine mehrere Hundert Bände umfassende Bibliothek, die bei seiner Verhaftung beschlagnahmt wurden.

Am 12.02.1936 wurde Wilhelm Artz vom Ober­landesgericht Karlsruhe wegen hochverräterischen Unternehmens zu 2 Jahren Gefängnis verurteilt. Er verbüßte seine Strafe im Zuchthaus Ludwigsburg.

Rosa Artz kam nach einem halben Jahr Unter­suchungshaft im Landgerichtsgefängnis Konstanz am 24.12.1935 frei. Ihre Haftdauer war wahrscheinlich deshalb so kurz, weil sie Mutter eines noch nicht volljährigen Sohnes war.

Nach Aussage der Mutter wurde auch ihr Sohn Wilhelm (Willi) wegen kommunistischer Betätigung verhaftet und 16 Monate im KZ Kislau bei Mingolsheim im Kraichgau inhaftiert. Allerdings ist diese Behauptung nicht durch andere Quellen belegt, wie auch nicht bekannt ist, wann er in Kislau inhaftiert war. Belegt ist aber, dass Wilhelm Artz junior an der Ostfront kämpfte und seit dem 01.01.1943 vermisst wird.

Wilhelm Artz senior war durch die im ersten Weltkrieg erlittene Kriegsverletzung so geschwächt, dass er an den während der Haft erlittenen „Strapazen und Quälereien“, wie Vinzenz Kerle, der von den Franzosen eingesetzte erste Oberbürgermeister, nach dem Krieg über ihn aussagte, wenige Jahre nach der Haftentlassung, am 5. April 1943, in Konstanz gestorben ist.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Recherche: Uwe Brügmann

Patenschaft: Roxane Soergel

Quellen:

Staatsarchiv Freiburg, Entschädigungsakten Rosa und Wilhelm Artz, F 196/1, 657, 5829 und 5830, D 180, 221976