Stolpersteine Konstanz

Ansprache bei der Verlegung der Stolpersteine
für Anna WIELER und Berthold WIELER
(von Raffael Wieler)

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Ansprache bei der Verlegung der Stolpersteine
für Anna WIELER und Berthold WIELER
(von Raffael Wieler)

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Ansprache bei der Verlegung der Stolpersteine
für Anna WIELER und Berthold WIELER
(von Raffael Wieler)

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Danksagung

Was macht diesen Tag zu einem ganz besonderen?

Die Konstanzer haben geladen. Wir sind gekommen.

Auch wenn alles, was diese Stadt uns bedeutet, schmerzt, die verbindende Geschichte ist eine traurige und schwer zu verkraftende. Wir alle erinnern uns an diesem Tag, an welchem die Konstanzer Juden nach Jahren ihrer Erniedrigung und Entrechtung aus den Wohnungen abgeführt, deportiert und in den Tod geschickt wurden.

An der Schützenstraße oder am Schnetztor, unter den Augen Aller.

David, Hedwig, Berthold, Irma, Anna, Gertrud, Richard, Paul und Hans hießen sie. Mit Stolpersteinen wird ihrer nun gedacht.

Darüber gesprochen wurde auch in unseren Familien kaum, zu groß waren Scham, Gräuel und Gram.

Sie waren doch einst gute Deutsche, zahlten Steuern, spendeten. Sie saßen in ihren Stuben zusammen und gedachten zu den großen Feiertagen und am Freitagabend ihrer alten Religion, im Herzen Juden, hebräische Deutsche! Sie waren dankbar für die Freiheit der Niederlassung und des Berufs, fleißig, gebildet und dem Allgemeinwohl verpflichtet.

Ihr Daheim war Konstanz mit seinen guten Freunden und freundlichen Geschäftsbeziehungen.

Deutschland aber wankte, begann zu taumeln. Die Nazis ergriffen die Macht. Zu viele sahen darin eine Hoffnung, machten willfährig mit.

 

Die Wielers in Konstanz wurden zu deutschen Juden und nach wenigen Jahren ihrer systematischen Entrechtung waren sie nur noch Juden. Der Oktober 1940 war erst der Höhepunkt der Barbarei, Deportation, Abtransport wie ein Stück Vieh. Die Nachbarn sahen zu, schluckten vielleicht, niemand schritt ein, wehrte sich für seine ehemaligen Bekann­ten, weder Nobelpreise, bedeutende Werke in Kunst und Literatur noch herausragende Leistungen auf wissenschaftlicher Ebene konnten das Pogrom oder heute die Bedrohung durch korrupte Führer in den Anrainer­staaten des Nahen Ostens verhindern.

Die Geschichte lehrt uns, Worte allein genügen nicht. Die Überlebenden schworen sich: Niemals mehr Deportationen, genug ist genug, Israel ohne »Ja, ja, aber«! Bedingungslos, um jeden Preis, mit den 10 Geboten und einer sehr teuren Armee.

 

 

Was macht diesen Tag zu einem ganz besonderen?

Bei den früheren Stolperstein-Verlegungen waren Wielers kaum vertreten. Heute sieht das ganz anders aus, so viel Familie ist aus Israel nach Konstanz angereist, auch die ganz Jungen, Geschichts­unterricht für Sie, alle fröhlich und gelassen, unbeschwert und voll Humor. Zum Trotz!

 

Danke!

 

Auch an die Konstanzer Bekannten und Freunde, welche diese Zusammenkunft erst möglich machten.