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Bericht des SWR von der Verlegung des Stolpersteins für
Berta AMANN
(mit Tonaufnahme)

 

Gegen Vergessen und Intoleranz

Nie-Vergessen ist das Thema,

nie vergessen dieser Krieg,

von dem mir persönlich

nicht nur eine Wunde blieb.

 

Ein Kind, gerade neun Jahre alt war ich,

als meine Mutter erkrankte und mir wurde genommen.

Wir waren umgezogen in einen anderen Ort,

Deutschland hatte eine neue Regierung bekommen.

 

Mutter in der Klinik.

Neue Schule und ich seltsam verstört,

plötzlich war da eine Wand

mit Bildern, deren Sinn ich nicht verstand

und Parolen, die ich nie zuvor gehört.

Wieder umgezogen, zurück in die Stadt,

neue Schule, fremde Menschen, aber relativ satt.

 

1939 begann der Krieg, Männer wurden Soldaten

mit Gewehren statt Spaten, eingeschworen auf Sieg.

Für mich kam Pflichtjahr und Arbeitsdienst,

20 Pfennig pro Tag als Lohn,

statt Siege nur Verluste, man merkte es schon.

 

Die Mutter tot durch Euthanasie,

das vergesse ich nie!

 

Viele Soldaten sind auf dem Schlachtfeld geblieben,

manche kamen verwundet zurück,

andere Menschen wurden von Haus und Hof vertrieben,

sie hatten Leid und Entsetzen im Blick.

Dann Nachkriegshunger, Besatzungsmacht,

das Geld entwertet, der Krieg war ja verloren.

 

Ich bekam eine neue Mutter,

zwei Geschwister wurden geboren,

Kinder, die vor Hunger weinten,

neue Sorgen, die uns aber einten.

Onkel und Tante aufgenommen,

deren Wohnung wurde requiriert,

dazu noch ein schwangeres Mädchen

aus dem Elsass gekommen, das gleichzeitig

Heimat, Eltern und Vater des Kindes verliert.

Wir hielten zusammen, wir schränkten uns ein,

einmal wird auch diese Zeit Vergangenheit sein,

so dachten wir und begannen an der Zukunft zu bauen.

Übermäßiges leisteten die Trümmerfrauen,

auch das gehört zum Nie-Vergessen,

genau wie die Rückkehr von Vater und der Soldaten,

denen man gesagt hatte, für‘s Vaterland kämpfen sei Ehre,

aber verschwiegen, dass der Führer ein Mörder

und die Schuld noch auf Generationen lastet.

Es nützt nichts, wenn man durch Vergnügungen hastet.

Man wird immer stolpern, wenn man vergisst,

was Menschenwürde und Respekt vor dem Anderen ist.

 

Danke

 

Initiative „Stolpersteine gegen Vergessen und Intoleranz“,

besonders Herrn Roland Didra für seinen Einsatz sowie das

Einfühlungsvermögen in mich und andere Betroffene.

Danke auch dem Künstler für die Idee „Stolpersteine“

und all denen, die jetzt hier mit mir stehen und wie ich

sicher nie mehr achtlos an einem Stolperstein vorübergehen.

 

Juli 2018, Rosemarie Banholzer